So sieht eine steile Politiker-Karriere aus: Mit 22 Jahren im Berner Stadtparlament, mit 26 Nationalrat, mit 30 Vizepräsident der FDP Schweiz. Christian Wasserfallen galt als Glücksfall für den Freisinn. Rasch machte «Wafa», wie ihn die Berner nennen, mit markigen Worten auf sich aufmerksam. Seine Medienpräsenz ist überdurchschnittlich.

Der gelernte Maschineningenieur gehört zu einer neuen Generation von Berufspolitikern, die statt auf den Berufseinstieg alles auf die Karte Politik setzten und dank medialem Geschick sehr jung in den Nationalrat stiessen. Zum neuen Typus des «Politkarrieristen» («NZZ am Sonntag») gehören nebst dem Berner Freisinnigen etwa Toni Brunner, Christophe Darbellay, Christian Levrat, Alain Berset, Pascale Bruderer oder Christa Markwalder.

Wie weiter?

Doch das junge Alter hat auch seine Schattenseiten: Die Senkrechtstarter standen alle irgendwann freiwillig oder unfreiwillig vor der Frage: Wie weiter? So auch Wasserfallen. Er politisiert bereits in seiner dritten Legislatur. Der ehrgeizige Jungpolitiker sucht schon seit längerem nach einem prestigeträchtigen Ausweg – bislang ohne Erfolg. 2011 scheiterte er mit seiner Ständeratskandidatur. 2013 visierte er das Nationalratspräsidium an, unterlag in der FDP-Fraktion aber gegen Christa Markwalder.

Im Stechen um das Fraktionspräsidium zog er Ende 2015 gegen den Tessiner Ignazio Cassis den Kürzeren. Und, obschon als Kronfavorit für die Nachfolge von Philipp Müller gehandelt, verzichtete der Maschineningenieur im Februar 2016 nach «reiflicher Überlegung» darauf, Parteipräsident zu werden – eine erneute Niederlage wollte er nicht riskieren. Der Tiefpunkt in Wasserfallens Karriere aber war die unsägliche Schlammschlacht um das ACS-Präsidium, bei der er keine glückliche Figur machte. Seither haftet das Image des «Dauerverlierers» und «Karrieristen» an ihm.

Jetzt steht Wasserfallen erneut am Scheideweg. Er will Berner Regierungsrat werden. Doch statt locker durchzumarschieren, droht Wasserfallen schon wieder Ungemach. Ob ihm der Sprung in die kantonale Exekutive gelingt, hängt nämlich weniger von den Wählern des Kantons Bern ab, als von der parteiinternen Ausmarchung. Und die Konkurrenz aus den eigenen Reihen ist unerwartet gross. Sein härtester Widersacher ist Philippe Müller. Der 53-Jährige amtet seit 2013 als Grossrat und bringt auch Führungserfahrung aus der Privatwirtschaft mit. Inhaltlich politisiert Müller wie Wasserfallen am rechten Flügel der Partei, wobei Müller nicht ganz so rechts steht. Aussenseiterchancen werden auch Heinz Habegger eingeräumt. Der 57-jährige Unternehmer und einstige Gemeinderat von Hilterfingen punktet auf dem Land, wo die Aversion gegenüber einem Stadt-Berner-Vertreter traditionell gross ist. Am Mittwoch entscheiden die Delegierten. Es wird ein knappes Resultat erwartet.

In die Exekutive will er nicht

Wasserfallen kann seine Bekanntheit in die Waagschale werfen. «Ich wurde 2015 im ganzen Kanton gut gewählt und holte am meisten Panaschierstimmen», sagt er. Kritiker halten ihn aber für zu jung und zu unerfahren, um eine kantonale Direktion zu führen. Wasserfallen kontert: «Ich habe die nationalrätliche Bildungskommission präsidiert und als Vizepräsident mitgeholfen, viele strategische Überlegungen zu machen.» Zudem sitze er in drei Verwaltungsräten und führe den nationalen Dachverband der Fachhochschulabsolventen mit über 48'000 Mitgliedern.

Ein weiteres Argument gegen Wasserfallen treibt rechte Kreise um. Sie stört, dass im Falle seiner Wahl in die Berner Regierung die linksliberale Claudine Esseiva in den Nationalrat nachrutschen würde. Von derlei Planspielen hält Wasserfallen nichts. «Wir müssen alle an einem Strick ziehen», sagt er. Und was, wenn Wafa bei der Nominierung doch scheitert? «Meine Motivation ist so oder so ungebrochen», sagt er. Sicher aber ist: Eine spätere Kandidatur für die Stadtberner Exekutive zieht er nicht auch noch in Betracht. «Das ist für mich kein Thema», sagt er. In der Stadt Bern gebe es andere sehr gute Kandidaten.