Christian Nünlist

In der Ära de Gaulle kam es damit für eine kurze Zeit zu einem «privilegierten Dialog» Frankreichs mit der Sowjetunion. De Gaulle war in diesem Sinne ein Pionier der Entspannungspolitik. Er intensivierte auch die Handelsbeziehungen mit Osteuropa, vor allem mit Rumänien. Als Frankreich kurz vor de Gaulles historischem Moskaubesuch 1966 sogar aus der militärischen Nato austrat, dachte de Gaulle, mit diesem «Geschenk» würde er Sowjetführer Leonid Breschnew eine grosse Freude bereiten. Immerhin war in de Gaulles Denken immer auch eine gehörige Portion Anti-Amerikanismus enthalten.

Doch de Gaulles Détentepolitik ging von einem gravierenden Denkfehler aus: Die anderen europäischen Staaten wollten sich Frankreichs Grossmachts-Ambitionen nicht unterordnen, sondern verliessen sich in der Regel lieber auf den militärischen Schutz der USA. Deshalb konnte de Gaulle nicht als «Sprecher Europas» auftreten, weder in Moskau noch in Washington. Und deshalb blieb seine Détentepolitik längerfristig im Schatten von Brandts Ostpolitik und der bilateralen Entspannung zwischen Moskau und Washington.

Wir erinnern mit einer 15-teiligen Artikelserie an das "andere 9/11" - an den 9.11.1989 und stellen 15 Wegbereiter des Wende- und Wunderjahrs 1989 vor - politische Akteure, die unserer Meinung nach einen zentralen Beitrag geleistet haben, dass der Kalte Krieg nach 45 Jahren zu Ende ging - und zwar auf die Art und Weise zu Ende ging, wie er zu Ende ging, nämlich weitgehend friedlich und ohne Blutvergiessen.