WEF
Davoser Hotel-Direktor: «Wir sind mehr als eine Party-Location»

Die renommiertesten Gäste steigen im Grandhotel Belvédère ab. Direktor Thomas Kleber über Champagner, Kaviar und Diskretion.

Roman Seiler
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Thomas Kleber, Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos.

Thomas Kleber, Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos.

Ab heute ist das Steigenberger Grandhotel Belvedere in Davos wieder der Ort, wo sich Politiker und Konzernchefs aus aller Welt treffen. Begrüsst werden sie von Hoteldirektor Thomas Kleber (51). Er freut sich auf sein drittes World Economic Forum (WEF). Zuvor hielt es während einigen Jahren kaum ein Hotelier länger als zwei Saisons auf dem Chefsessel der Luxusherberge aus.

Herr Kleber, was machen Sie besser als Ihre Vorgänger?

Thomas Kleber: Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich die Vorgänger nicht kenne. Die Wechsel waren für das Hotel nicht gut. Ein Grandhotel benötigt Kontinuität. Mir bereitet die Aufgabe sehr viel Freude. Wir haben ein tolles Team und sehr nette Gäste. Ich bin kein Jobhopper. Deshalb war für mich klar, dass ich hier nicht ein oder zwei Saisons bleibe und dann weiterziehe.

In den letzten Jahren nahmen neue Luxushotels wie das Fünf-Sterne-Hotel Intercontinental ihren Betrieb in Davos auf. Verloren Sie daher Veranstaltungen?

Im Gegenteil, es sind mehr geworden. Die Nachfrage ist ungebrochen. Mehr als 80 Prozent der Kunden sind Wiederkehrer. Alle Hotels hier machen in diesen Tagen einen sensationellen Job. Wir haben den Vorteil, dass wir uns in unmittelbarer Nähe des Kongresshauses befinden. Zudem sind wir seit Beginn Partner des WEFs.

Einerseits steigen bei Ihnen Stammgäste wie US-Aussenminister John Kerry, Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck oder Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn ab. Daneben gibt es Partys wie diejenige des Burda-Verlags oder der Beratungsfirma McKinsey. Bleibt das so?

Aus Diskretionsgründen äussern wir uns weder zu Gästen noch zu Firmenkunden. Bekannt ist: Hier im Haus dürfen nur Vertreter von Unternehmen, die strategische Partner des WEFs sind, oder Staatsgäste wohnen. Wer drei oder vier Jahre hier gewohnt hat, kommt meist wieder. Blödsinn ist, wir seien nun eine Party-Location, wo der Champagner fliesst und nur Hummer und Kaviar aufgetischt werden. Partys finden vielleicht fünf bis sechs statt. Ansonsten organisieren wir bilaterale Gespräche oder Diskussionsrunden, während denen sich Firmenchefs miteinander austauschen – oder mit Politikern.

Abends wird – auch an der Bar – ordentlich gefestet und gebechert. Insbesondere an den Partys.

Das sind schöne Anlässe. Aber wir führen auch unter dem Jahr Veranstaltungen für 200 bis 300 Leute durch, die nicht weniger Wein oder Champagner trinken.

Erwirtschaften Sie während des WEFs weiter rund 20 Prozent Ihres Jahresumsatzes?

Wir geben zu Zahlen keine Auskunft. Grundsätzlich sind wir zufrieden. Aber wir haben nicht nur hohe Einnahmen, sondern auch hohe Kosten. In dieser Woche beschäftige ich 300 Mitarbeiter, 200 mehr als im Normalbetrieb.

Das WEF beschwerte sich 2016 erneut über teilweise exorbitante Preise. Halten Sie sich an die Vereinbarung, die Hochsaisonpreise für eine Logiernacht nicht mehr als rund 10 Prozent zu erhöhen, die von Speisen und Getränken nicht mehr als 20 Prozent?

Bei den Übernachtungspreisen halten wir uns daran. Beim Essen und den Getränken geht das aufgrund unserer Kostenstruktur nicht.