Lesen Sie diese Zeilen klassisch in der Zeitung oder auf dem Bildschirm ihres Smartphones? Falls Letzteres der Fall ist, gehören Sie zu einem stetig zunehmenden Teil der Bevölkerung. Das Handy ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und mit dem Aufkommen von iPhones und Co. hat sich die Datenmenge, die täglich übers Mobilfunknetz gesendet wird, vervielfacht.

Obwohl stetig neue Funkantennen aufgestellt werden, stösst das bestehende Netz an seine Kapazitätsgrenzen. In Spitzenzeiten kommt es bereits heute zu Engpässen – und ein Ende des Daten-Tsunamis ist nicht in Sicht. Vor allem der Videoanteil am mobilen Datenverkehr wird in den nächsten Jahren nochmals deutlich zunehmen.

So oder so neue Antennen

Für den Bundesrat sind Anpassungen deshalb unabdingbar. Dabei zieht er – vereinfacht formuliert – zwei Stossrichtungen in Betracht: Entweder man erhöht bei gleichbleibendem Strahlenschutz-Grenzwert die Anzahl der Mobilfunkantennen massiv. Oder man lockert den Grenzwert, damit die jeweiligen Anlagen eine höhere Sendeleistung erbringen können. Damit die nötige Kapazität erreicht wird, wären aber auch in diesem Fall zusätzliche Mobilfunkantennen notwendig, wie das zuständige Bundesamt für Kommunikation auf Anfrage bestätigt.

In einem Bericht rechnet der Bundesrat vor, was eine Anpassung der entsprechenden Verordnung genau bedeuten würde: Bei einer Erhöhung der Anlagegrenzwerte von heute zwischen vier und sechs auf zehn Volt pro Meter könnte die Kapazität einer Anlage um den Faktor zwölf erhöht werden. Folglich bräuchte es deutlich weniger zusätzliche Standorte. Doch das bleibt nicht ohne Nebenwirkungen: «Die Strahlenbelastung im Einflussbereich der Sendeanlagen könnte in Worst-case-Situationen um den Faktor 3,5 ansteigen», schreibt die Regierung.

«Absolut fatal»

Dass eine solche Veränderung nicht ohne Widerspruch bleiben wird, nimmt der Bundesrat bereits im Bericht vorweg. «Bei einer Lockerung der vorsorglichen Emissionsbegrenzungen wäre mit Opposition von Teilen der Bevölkerung zu rechnen», heisst es. Er sollte recht behalten: Die angedachten Anpassungen wären «absolut fatal», sagt Baubiologe Hansueli Stettler, der dem Verein Mobilfunk mit Mass St. Gallen vorsteht.

Seine Hauptsorge gilt der Gesundheit der Bevölkerung: «Mit einer zeitlichen Verzögerung von wenigen Monaten führt eine erhöhte Strahlenbelastung zu mehr Schlafstörungen. Und mit einer Verzögerung von einigen Jahren zu mehr Krebserkrankungen», sagt er. Er stützt sich dabei medizinische Studien.

Der Bund gibt diesen allerdings nicht viel Gewicht: «Der einzige für den Menschen schädliche Effekt von Mobilfunkstrahlung, der wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen ist, ist die Erwärmung des Körpergewebes infolge der Absorption der Strahlung», heisst es.

Gar positiver Gesundheitseffekt?

Für FDP-Nationalrat Ruedi Noser, aufgrund dessen Postulates der Bundesrat nun den Bericht verfasst hat, könnte eine Erhöhung der Datenkapazität von Mobilfunkantennen gar einen positiven Effekt auf die Volksgesundheit haben. Weil heute immer mehr Menschen über Dienste wie Whatsapp kommunizierten, verliere das klassische Telefongespräch an Bedeutung. Folglich habe man das Handy – und damit eine möglicherweise gesundheitsgefährdende Quelle – weniger oft am Ohr.

Um den Ängsten in der Bevölkerung den Wind aus den Segeln zu nehmen, will der Bund nun ein Monitoring der Strahlenbelastung ins Leben rufen. Die Mobilfunkskeptiker beruhigt dies keineswegs: «Dieses Monitoring kennen wir bestens. Wenn man mit dem falschen Gerät zur falschen Zeit am falschen Ort misst, ergibt es immer völlig harmlose Werte», sagt Hans-Ulrich Jakob, Präsident des Vereins Gigaherz.