«Das war schlechte Werbung für unser Dorf»

«Das war schlechte Werbung für unser Dorf»

v.l.n.r.: Markus Lüscher (SVP): Er kandidiert als Gemeinderat. Doris Lüscher (parteilos): Kandidiert als Gemeinderat und -ammann. Markus Gabriel (SVP): Der Vizeammann will Ammann werden.

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v.l.n.r.: Markus Lüscher (SVP): Er kandidiert als Gemeinderat. Doris Lüscher (parteilos): Kandidiert als Gemeinderat und -ammann. Markus Gabriel (SVP): Der Vizeammann will Ammann werden.

Die drei Gemeinderatskandidaten in Uerkheim sprechen über ihre Anliegen und den angriffigen Wahlkampf. Zeitweise schien ganz Uerkheim zweigeteilt.

Am 26. September wählen die Stimmberechtigten aus Uerkheim einen neuen Gemeindeammann und einen neuen Gemeinderat. Der bisherige SVP-Vizeammann Markus Gabriel und die parteilose Doris Lüscher bewerben sich um den Sitz des Gemeindeammanns. Lüscher kandidiert ebenfalls als Gemeinderätin. Ihr Gegenspieler hier: Markus Lüscher von der SVP.

Was wollen Sie in Ihrem Amt erreichen?

Markus Lüscher: Eine gute Zusammenarbeit im Gremium und die Anliegen der Bevölkerung vertreten. Gute konstruktive Lösungen finden, die allen dienen.
Doris Lüscher: Einen Weg suchen, wie unser Dorf attraktiv bleiben kann, und der Bevölkerung stets ein offenes Ohr bieten.
Markus Gabriel: Ich möchte den eingeschlagenen Weg des Gemeinderates weitergehen. Wir haben ein offenes und lebendiges Dorf mit vielen Anlässen. Diese positiven Eigenschaften möchte ich weiterführen.

Was sind Ihre Stärken?

Markus Gabriel: Ich bringe sicher Erfahrung mit, ich bin seit 17 Jahren im Gemeinderat und würde mich als teamfähig und lösungsorientiert bezeichnen. Ich bin sehr konsequent, da macht man sich nicht überall beliebt.
Doris Lüscher: Wohl habe ich keine Gemeinderatserfahrungen, habe aber in anderen Gremien wie Kirchenpflege und Finanzkommission mitgearbeitet. Meine Teamfähigkeit wurde mir im Arbeitsleben stets attestiert, zudem wurde ich als Mediatorin eingesetzt.
Markus Lüscher:Als Unternehmer bin ich gewohnt, mich den Gegebenheiten anzupassen. Ich habe meine Linie, für die ich kämpfen kann. Wenn ich verliere, kann ich aber hinter dem Team stehen und dessen Meinung vertreten. Ausserdem bin ich sehr direkt, das schätzen aber nicht alle.

Welche Anliegen hat die Bevölkerung?

Doris Lüscher:Viele Einwohner befürchten, dass durch die Bautätigkeit die Idylle in Uerkheim zerstört wird. Diese Idylle wie auch der Dorfcharakter gehen jedoch nicht verloren, Uerkheim wird nur lebendiger. Bis jetzt herrschte ein gewisser Stillstand.
Markus Lüscher: Die jüngeren Einwohner wünschen sich, dass mehr los ist in Uerkheim. Dass momentan gebaut wird, finde ich positiv. Das lang gezogene Dorf erhält endlich einen Dorfkern. Unsere langfristige Stärken sind unsere zentrale Lage und die ländliche Umgebung, in der man sich erholen kann.
Markus Gabriel:Ich spüre die Uerkheimer als zufriedene Einwohner. Wir haben Einkaufsläden Vereine, Neuzuzüger sind schnell integriert. Durch die Überbauung Sonnenfeld kommen auch Familien und Kinder, mit denen wir unsere Schule füllen können. Sie schätzen die Lebensqualität und sind auch bereit, einmal auf etwas zu verzichten.

Wie sinnvoll erscheint Ihnen eine Fusion mit Zofingen?

Markus Lüscher:Sie hat stets Vor- und Nachteile, am Schluss bringt sie aber allen etwas. Eine Fusion vergleiche ich gerne mit der Schweiz-EU: Die Verhandlungen sollen bestmögliche Lösungen bringen, die für die Bevölkerung stimmt. Mit wem Uerkheim auch fusionieren wird, Uerkheim bleibt Uerkheim.
Doris Lüscher: Ich bin eher eine Fusionsbefürworterin. Durch das Nein bei der Gerag, haben wir jetzt mehr Zeit, um herauszufinden, was wirklich gut und was schlecht ist. Es ist wichtig, dass die Vereine eigenständig bleiben; sie übernehmen eine wichtige Aufgabe für die Jugendlichen. Wichtig ist auch, die Leute gut vorzubereiten und zu informieren.
Markus Gabriel: Die Uerkner entscheiden, was sie zu einer Fusion meinen: Ein Drittel sind Befürworter, ein Drittel lässt es offen und ein Drittel ist dagegen. Eine Fusion hat bestimmt gewisse Vorteile, etwa die Senkung des Steuerfusses, dagegen verlieren wir unsere Eigenständigkeit. Wir müssen uns bewusst sein, dass es bei einem Fusions-Nein lange dauert, bis das Thema wieder spruchreif wird.

Bei der Wahlkampagne im ersten Wahlgang kam die Fusion immer wieder zur Sprache. Das Dorf schien zweigeteilt.

Doris Lüscher: Ich fand es schade, dass es immer auf dieses Thema hinauslief. Ich wurde gerne als Fusionsbefürworterin bezeichnet, aber schliesslich entscheide nicht ich, sondern die Stimmbürger. Andere Themen sind für mich ebenso wichtig in der Gemeinde, aber die Fusion ist eben emotional. Nach der Wahl müssen wir uns aber auf die Fakten konzentrieren.
Markus Lüscher: Ich versuchte den Leuten zu erklären, nicht alles von der Fusion abhängig zu machen. Die Gemeinde muss weiter existieren können, wann immer eine Fusion kommt. Es gibt genügend andere Themen, die wichtig sind.
Markus Gabriel: Man soll die Fähigkeiten eines Gemeinderatskandidaten anschauen und nicht, ob er für oder gegen eine Fusion ist. Ausserdem gibt es momentan andere wichtige Themen.

Fanden Sie den bisherigen Wahlkampf fair?

Doris Lüscher: Die Stimmung bis zum 13. Juni, auch anlässlich meines Wahlapéros, empfand ich als gut. Erst die Aussage auf dem Flugblatt hat hohe Wellen geworfen. Diese war aber eine pointierte, auf Fakten und Zahlen beruhende Wahlanalyse! Daraufhin wurde ich, ohne eine Stellungnahme abgeben zu können, als provokativ und aggressiv dargestellt, Eigenschaften, welche ich in keiner Weise verkörpere! Ich betone aber, dass es kein persönlicher Angriff gegen Markus Gabriel war, sondern wie erwähnt eine Wahlanalyse.
Markus Lüscher:Ich habe mich ehrlich gesagt nicht dafür interessiert, die Streitereien sind an mir vorbeigegangen. Als ich für eine Kandidatur angefragt wurde, stellte ich von Anfang an klar, dass ich mich in solche Streitereien nicht einbringen werde. Schade, dass Daniel Hürzeler seine Kandidatur zurückgezogen hat.
Markus Gabriel: Also ich würde den bisherigen Wahlkampf als unfair bezeichnen. Vor allem, weil die Provokationen von einer Person gekommen sind, die sich als teamfähig bezeichnet (Anm. d. Red.: Doris Lüscher). Das war schlechte Werbung für unser Dorf. Nicht nur wegen des Flugblatts, sondern auch der Leserbriefe wegen. Ich finde, man sollte in einem Leserbrief die positiven Eigenschaften des unterstützten Kandidaten herausstreichen und nicht über die Gegenkandidaten herziehen.

Wie verbringen Sie die restliche Zeit vor der Wahl?

Markus Lüscher:Markus Gabriel und ich haben ein Flugblatt verschickt. Am Wahltag werde ich bestimmt ein mulmiges Gefühl haben. Aber ich kann auch einstecken. Wenn ich nicht gewählt werde, geht das Leben weiter.
Doris Lüscher: Ich werde ebenfalls ein Flugblatt verschicken. Am 17. September findet ein Politcafé mit Nationalrätin Corina Eichenberger statt. Bestimmt werden noch Leserbriefe über mich veröffentlich. Mein Ex-Chef hat einen solchen angemeldet. Schliesslich kenne er mich am besten. Am Wahlsonntag gehe ich wie gewohnt zum Gottesdienst. Wenn das Telefon läutet, bekomme ich Herzklopfen.
Markus Gabriel: Ich harre der Dinge, es ist bereits mein 6. Wahlkampf. Aber am Wahlsonntagmorgen werde auch ich herumtigern.

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