Interview

«Das wäre eine Bankrotterklärung»: SRF-Direktor über neue Programmpläne trotz «No Billag»

Ruedi Matter.

Ruedi Matter.

Seit sieben Jahren ist Ruedi Matter SRF-Direktor. So ungewiss wie aktuell war die Zukunft des Unternehmens noch nie. Im Interview blickt Matter voraus: auf die No-Billag-Abstimmung, aber auch auf die Programmhöhepunkte.

Herr Matter, auf welche SRF-Sendung freuen Sie sich 2018 besonders?

Ruedi Matter: Am meisten freue ich mich auf die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft an der Fussball-WM im Juni, die allesamt um 20 Uhr angesetzt sind und die wir somit in der Primetime zeigen können. Ich fiebere aber auch den Abfahrtsrennen der Skifahrerinnen und Skifahrer an den Olympischen Winterspielen entgegen – und momentan bin ich vor allem gespannt, wie «Seitentriebe» beim Publikum ankommen wird. Mir persönlich gefällt diese witzige, schnelle Serie sehr, die wir ab Ende Februar zeigen.

SRF produziert eine zweite Staffel der Serie «Wilder». Weshalb?

Weil die im Dezember ausgestrahlte erste Staffel ein enormer Erfolg war. Mehr als 700 000 Zuschauer schauten Dienstag für Dienstag zu – und das, obwohl diese serielle Erzählweise über sechs Folgen für das SRF-Publikum neu war.

No Billag – Jetzt spricht der SRF-Direktor

No Billag – Jetzt spricht der SRF-Direktor (16. Januar 2018)

Ruedi Matter glaubt nicht, dass die No-Billag-Initiative angenommen wird. Hat es die SRG verpasst, sich rechtzeitig ihren Kritikern zu stellen?

Versuchen Sie mit Serien wie «Wilder» oder «Der Bestatter» den Erfolg des US-amerikanischen Streamingdienstes Netflix zu kopieren?

Nein. Anders als Netflix setzen wir bei unseren Serien auf Schweizer Schauspieler, die Dialekt sprechen, und auf Drehorte, die Heimat bedeuten: sei es Mike Müller, der als Bestatter in der Aargauer Agglomeration tätig ist, oder Sarah Spale, die als Polizistin in den Bergen Verbrechen aufdeckt.

Sind solche eigenproduzierte Serien die Zukunft der SRF-Unterhaltung?

Sie sind seit Jahren ein elementarer Bestandteil unseres Programms: Die erste Staffel des «Bestatters» drehten wir 2012, lange bevor Netflix weltweit auf Erfolgskurs einbog. Tatsächlich würden wir gerne noch mehr solche Serien produzieren. Leider gibt es nicht viele gute Drehbücher, ausserdem ist die Produktion von Serien sehr teuer.

Die zweite «Wilder»-Staffel soll Anfang 2019 über den Bildschirm flimmern. Was, wenn die Stimmbevölkerung in fünf Wochen Ja sagt zur No-Billag-Initiative?

Dann sind sowohl die Pläne für eine zweite «Wilder»- als auch jene für eine siebte «Bestatter»-Staffel Makulatur. Die gesamte SRG würde liquidiert – dies ist nach wie vor unser einziger Plan B für den Fall einer Annahme dieser radikalen Volksinitiative. Ohne Gebühren lässt sich das Programm nicht aufrechterhalten.

Warum planen Sie dann überhaupt über den 4. März hinaus?

Es wäre eine Bankrotterklärung, würden wir wegen dieser Abstimmung unsere gesamte Planung sistieren. Klar ist, dass wir auch bei einem Ja zu No Billag einige Verpflichtungen einhalten müssten, die über 2018 hinausgehen. Gerade im Fernsehgeschäft laufen viele Verträge langfristig. Kein Schauspieler würde einen Vertrag unterschreiben, der bei einem Ja zu No Billag hinfällig wäre.

Sie werden im kommenden Oktober 65 Jahre alt. Haben Sie zum letzten Mal das Jahresprogramm der SRF-Sender präsentiert?

Diesen Entscheid fälle ich gemeinsam mit SRG-Generaldirektor Gilles Marchand nach der Abstimmung über die No-Billag-Initiative. So oder so gilt: Was am 4. März entschieden wird, ist um einiges wichtiger, als was bei dieser Unterredung herauskommt.

Was tun Sie bis zur Abstimmungssonntag noch, um die Stimmbevölkerung von einem Nein zur No-Billag-Initiative zu überzeugen?

Genau wie alle übrigen SRF-Mitarbeiter kann auch ich nichts anderes tun, als jeden Tag meinen Beitrag zu leisten für ein möglichst gutes Fernseh- und Radioprogramm. Darüber hinaus beteiligen wir uns nicht am Abstimmungskampf.

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