Von Daniel Ballmer

Mit 20 Millionen Franken will sich die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) an einem geplanten Kohlekraftwerk in Norddeutschland beteiligen - obwohl diese als CO2-Schleudern gelten. Dieses Engagement kommt in der Region nicht gut an. Es herrscht Unverständnis. Selbst beim Baselbieter Energie- und Umweltdirektor Jörg Krähenbühl. Er sass bis vor kurzem noch selber im EBM-Verwaltungsrat und habe sich damals der Stimme enthalten. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Herr Krähenbühl, ein Kohlekraftwerk entspricht nicht gerade der Baselbieter Energiestrategie.

Jörg Krähenbühl: Ich unterstützte und unterstütze auch heute die Expansion in den Kohlestrom nicht. Die EBM hat allerdings auch eine unternehmerische Optik im Auge zu behalten: Sie muss sich auf die Strommarktliberalisierung vorbereiten, insoweit konkurrenzfähig sein, was auch bezüglich des Energiebezugs eine Diversifizierung bedingt. Zudem muss die EBM genügend Bandenergie zur Verfügung haben. Auch laufen bestehende Lieferverträge mit Frankreich aus. Folglich muss Ersatz gefunden werden. Aus rein unternehmerischer Optik ist deshalb der EBM-Entscheid nachvollziehbar.

Überrascht Sie der politische Widerstand von links bis rechts?

Nein, er überrascht mich überhaupt nicht. Die Baselbieter Energiestrategie geht bekanntlich in eine ganz andere Richtung. Insoweit war das Vorgehen der EBM zumindest aus politischer Optik unsensibel.

Die Grünen wollen Energieversorger dazu verpflichten, Umweltstandards einzuhalten. Wie weit kann der Kanton einem Privatunternehmen in seine Geschäftstätigkeit dreinreden?

Der Kanton hat praktisch keine Möglichkeit, Privatunternehmen in ihre Ge-schäftstätigkeit dreinzureden, was den Bezug von Energie anbelangt. Der Kanton kann aber durch die Schaffung gewisser Anreize das Konsumverhalten beeinflussen. Wenn den Energieversorgern tatsächlich Auflagen bezüglich Umweltstandards diktiert werden sollten, kann dies dem Grundgedanken der Strommarktliberalisierung zuwiderlaufen. Wenn nur die heutigen Energieversorger unseres Kantons verpflichtet werden sollen, Standards einzuhalten, welche höhere Kosten verursachen, so beeinflusst dies den freien Markt und verschafft den hiesigen Energieversorgern Wettbewerbsnachteile. Der Kanton selbst hat keine Handhabe, um eingreifen zu können, solange die Energieversorger die bestehende Gesetzgebung einhalten, insbesondere auch die Energiegesetzgebung.

Aus rein unternehmerischer Sicht halten manche den Schritt der EBM für nachvollziehbar. Wäre die viel zitierte Stromlücke nicht anders zu decken?

Wie bereits gesagt, halte auch ich den Schritt der EBM aus unternehmerischer Sicht für grundsätzlich nachvollziehbar. Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass sich die EBM im Bereich der erneuerbaren Energien stark engagiert und dort grosse Bezüge tätigt. Klar ist aber auch, dass die erneuerbaren Energien nicht ausreichen, um die heutige Nachfrage decken zu können. Die Energieversorger sind deshalb heute darauf angewiesen, sich partiell auch solche Energie zu sichern, die politisch im Schussfeld steht wie etwa Kernenergie oder Kohle.