Affäre Frick
Das Verfahren gegen Bruno Frick ist noch nicht einmal eröffnet

Recherchen zeigen: Obwohl die Strafanzeige gegen alt Ständerat Bruno Frick seit zwei Jahren vorliegt, hat die Schwyzer Staatsanwaltschaft bisher kein formelles Verfahren eingeleitet.

Lorenz Honegger
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Alt Ständerat Bruno Frick (CVP) bangt um seine Berufung in den Finma-Verwaltungsrat. (Archiv)

Alt Ständerat Bruno Frick (CVP) bangt um seine Berufung in den Finma-Verwaltungsrat. (Archiv)

Keystone

Die Anzeichen mehren sich, dass die Schwyzer Staatsanwaltschaft der Strafanzeige gegen Alt Ständerat Bruno Frick (CVP) wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung nur wenig Gewicht gibt. Wie Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen, hat die Strafverfolgungsbehörde noch nicht einmal ein formelles Verfahren gegen den 60-jährigen Wirtschaftsanwalt eingeleitet, obwohl die am Sonntag publik gewordene Anzeige seit zwei Jahren auf dem Tisch liegt. Frick bestätigt dies auf Anfrage: «Diese Information entspricht meinem Kenntnisstand.»

Der Ex-Politiker darf also weiter hoffen, dass er das prestigeträchtige Mandat als Verwaltungsrat der Finanzmarktaufsicht (Finma) am 1. August antreten darf. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) will sich noch diese Woche mit Frick und der Finma zu Gesprächen treffen, um den Sachverhalt zu klären. EFD-Sprecher Roland Meier betont, an Fricks Status als gewählter Finma-Verwaltungsrat habe sich nichts geändert.

Zur Frage, warum die Anzeige gegen Frick seit 2011 brachliegt, sagt Fabian Kühner, leitender Staatsanwalt des Kantons Schwyz: «Bei Wirtschaftsdelikten kommt es oft vor, dass die Staatsanwaltschaft nicht sofort Beweissicherungsmassnahmen treffen muss.» In der Regel lägen viele Papiere bereits nach der Einreichung der Anzeige vor.

Ob er dem Fall Frick auch aus materiellen Gründen eine tiefe Priorität eingeräumt hat, gibt Kühner nicht preis. Auch die bislang nicht erfolgte formelle Verfahrenseröffnung will er weder bestätigen noch dementieren.

Verjährung Anfang 2014

Tatsache ist: Der Staatsanwaltschaft des Innerschweizer Kantons bleibt wenig Zeit, um das Verfahren zu eröffnen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Vorwürfe gegen Frick reichen bis ins Jahr 1999 zurück. Im ersten Quartal 2014 droht laut Kühner die Verjährung.

Zwei Anwälte aus der nationalrätlichen Wirtschaftskommission stärken Bruno Frick derweil den Rücken. «Eine Strafanzeige alleine bedeutet noch nichts. Grundsätzlich kann jeder gegen jedermann eine solche einreichen», sagt der Bündner Rechtsanwalt und FDP-Ständerat Martin Schmid. «Ich finde es sonderbar, dass er selbst erst vor wenigen Tagen von der Strafanzeige erfahren hat, obwohl diese bei der Strafbehörde schon vor zwei Jahren eingegangen ist.» Auch der Baselbieter Anwalt und SVP-Nationalrat Caspar Baader stellt sich hinter Frick: «Es ist unschön, dass die Schwyzer Staatsanwaltschaft die Anzeige derart lange liegen gelassen hat. Bis zu einer Verurteilung gilt auf jeden Fall die Unschuldsvermutung.»