Unispital
«Das Unispital muss neu gebaut werden»

Das Universitätsspital Zürich (USZ) platzt aus allen Nähten. Ein Neubau am bisherigen Standort ist schwierig, da viele USZ-Gebäude denkmalgeschützt sind. Daher liebäugelt die Spitalleitung mit einem Projekt auf der grünen Wiese beim Bahnhof Stettbach.

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Keystone

Matthias Scharrer

Das USZ ist eine permanente Baustelle: Zwei Drittel der bestehenden Flächen, die sich auf 56 Gebäude verteilen, sind sanierungs- oder ersatzbedürftig, wie USZ-Direktorin Rita Ziegler gestern vor den Medien ausführte. Der Nachholbedarf lasse sich mit punktuellen Erneuerungen nicht mehr decken. Die Folge: «Das USZ muss neu gebaut werden», so Ziegler.

Zu teuer, zu umständlich, zu alt

Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Spitalfinanzierung stellt ab nächstem Jahr auf Fallpauschalen um. Schon heute gehört das USZ zu den Zürcher Spitälern mit den höchsten Fallkosten. Und zwar nicht nur wegen der universitären Aufgaben in Forschung und Lehre, die es zu erfüllen hat. Sondern auch, weil die bauliche Situation effiziente Abläufe erschwere, wie Spitalpräsident Peter Hasler erklärte.

Ein Wettbewerbsnachteil ergebe sich daraus auch bei der Rekrutierung von hochkarätigem Personal. So könne der kantonale Auftrag, Spitzenmedizin zu erbringen, nicht mehr erfüllt werden. «Wir haben den Ehrgeiz, die Besten zu sein. Die baulichen Voraussetzungen dazu fehlen uns», sagte Hasler. Nicht zuletzt sei die derzeitige Situation auch aus Sicht der Patienten ungünstig. «Man sagt uns immer: Ihr habt wunderbare Medizin und Pflege. Bei den Räumlichkeiten hören wir nie so ein Lob», betonte Ziegler.

Sechs Varianten, zwei Favoriten

Die USZ-Leitung beurteilte daher sechs Standorte für einen Neubau. Neben dem bisherigen im Hochschulquartier sind dies: ein Areal auf «der grünen Wiese» beim Bahnhof Stettbach, der Flugplatz Dübendorf, das Gebiet Lengg beim Balgrist-Spital, der Hönggerberg sowie ein Grundstück in Zürich Altstetten. Auch das Kasernenareal nahe beim Hauptbahnhof wurde in Betracht gezogen. Es erwies sich aber mit einer Grundfläche von 65 755 Quadratmetern als viel zu klein: Das USZ benötigt laut Rita Ziegler 140 000 Quadratmeter Land.

Ebenfalls ausgeschieden ist der Militärflugplatz Dübendorf, da die Eigentümerin, die Eidgenossenschaft, erst in vier Jahren über seine künftige Nutzung entscheiden will. «Das ist zu spät», so Ziegler. Am Hönggerberg wiederum erwies sich die Hanglage als ungünstig, in Altstetten die beengten und durch eine Strasse geteilten Platzverhältnisse. Am Balgrist schliesslich fehlt es laut USZ ebenfalls an Platz.

Bleiben aus Sicht der Spitalleitung also nur noch der bisherige Standort und das Areal beim Bahnhof Stettbach, unmittelbar an der Stadtgrenze im Nordosten Zürichs, im Rennen.

Früher in Betrieb . . .

Ziegler bezeichnete die Möglichkeit eines Neubaus auf der grünen Wiese als «faszinierend». «In baulicher Hinsicht kommt nur Stettbach in Frage», doppelte Peter Hasler nach. Zwar läge die Investitionssumme mit rund drei Milliarden Franken laut Ziegler höher als am heutigen Standort (2,6 Milliarden). Allerdings liessen sich in Stettbach jährlich 26,5 Millionen Franken mehr an Betriebskosten einsparen, als bei einem Neubau im Uniquartier. Dies sowie ein möglicher Landabtausch am heutigen Standort senke die Gesamtkapitalkosten für die Variante Stettbach bis ins Jahr 2050 gegenüber der Variante Hochschulquartier um 900 Millionen Franken.
Auch könnte die Variante Stettbach nach Einschätzung der USZ-Leitung schon bis 2024 realisiert werden, ein etappenweiser Neubau am heutigen Standort hingegen erst bis 2030.

. . . oder näher bei der Uni?

Ein gewichtiger Aspekt spricht hingegen gemäss Hasler für den heutigen Standort: Die Nähe zu Uni und ETH. Allerdings sei das Hochschulquartier für USZ, Universität und ETH zusammen zu klein. Allein der zusätzliche Platzbedarf des USZ sei mit 100 000 Quadratmetern gleich gross wie die im kantonalen Richtplan für Uni und USZ zusammen vorgesehene Entwicklungsfläche.

Hinzu kommt, dass auf dem heutigen USZ-Areal zahlreiche Bauten sowie der vorgelagerte Park unter Denkmalschutz stehen. Einem Neubau müssten einige dieser Bauten sowie ein Stück des Parks weichen. Zwar wäre eine Entlassung aus dem Denkmalschutz angesichts des hohen öffentlichen Interesses am Unispital nach Haslers Einschätzung möglich. Allerdings würde man sich dafür das Risiko langwieriger Auseinandersetzungen und Prozesse einhandeln. Das Beispiel Kongresshaus lässt grüssen.

Standortentscheid Ende 2010

Wie es weitergeht, ist Sache des Kantons. Gesundheitsdirektion, Bildungsdirektion und Baudirektion erarbeiten nun gemeinsam einen Projektauftrag, den sie bis Mitte Dezember dem Regierungsrat vorlegen, wie die Regierung vergangenen Mittwoch beschloss. Hasler rechnet mit einem Grundsatzentscheid gegen Ende 2010. «Bis ein neues Spital steht, müssen wir weiterhin massiv in den bestehenden Standort investieren. Wir sind daher interessiert an einem raschen Entscheid», sagte Direktorin Rita Ziegler.

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