An Ostern beginnt traditionell die Tourismussaison im Tessin. Und in der Branche herrscht Optimismus. Endlich mal wieder. Nach jahrelangem Abwärtstrend mit einer stetig sinkenden Anzahl von Logiernächten scheint die Talsohle in Hotellerie und Tourismus durchschritten. 2016 war das Jahr der Trendwende – mit einem Plus von 4,6 Prozent an Übernachtungen. Das Tessin profitierte dabei von der politischen Grosswetterlage, da Destinationen wie Südfrankreich, Türkei oder Ägypten gemieden werden. Selbst die Deutschen haben den Kanton als «ersten Süden» nach der Alpenkette wiederentdeckt.

Viele lassen das Auto jetzt stehen

Die Aufwärtsbewegung scheint sich 2017 fortzusetzen. Dabei spielt auch der Gotthard-Basistunnel eine Rolle. «Ich habe zahlreiche Gäste, die jetzt mit dem Zug kommen und das Auto zu Hause lassen», sagt Lorenzo Pianezzi, Direktor des Hotels Walter Au Lac und zugleich Präsident des Tessiner Hoteliervereins hotelleriesuisse Ticino. Der Buchungsstand für Ostern sei generell sehr gut. Sein Hotel am Seeufer von Lugano steht bahntechnisch günstig. Vom Bahnhof führt die Standseilbahn in Zentrum; danach sind es nur wenige Minuten zu Fuss durch die Fussgängerzone. «Etwas abgelegenere Hotels werden wohl Shuttles zum Bahnhof anbieten müssen», meint Pianezzi.

Reisende erhalten künftig Ausflugstipps im Zug

Reisende erhalten künftig Ausflugstipps im Zug

In ausgewählten Zügen ab Zürich und Luzern ins Tessin werden ab dem 21. April bis Ende Oktober neben Zugbegleitern auch Reisebegleiter zusteigen. Die Aufgabe der Angestellten von Tessin Tourismus ist es, den reisenden Tipps und Empfehlungen für Ausflüge und Freizeitangebote im Tessin zu unterbreiten.

Die SBB verzeichnen am Gotthard seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Dezember eine Fahrgaststeigerung um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer die zusätzlichen Passagiere sind und wohin sie wollen, lässt sich bis anhin nicht im Detail sagen. Einige fahren durch bis nach Italien, andere sind Tagesgäste im Tessin, die somit statistisch pro Tag zwei Fahrten kreieren. Und dann gibt es natürlich Ferienreisende, die länger als einen Tag bleiben.

«In Lugano sind jedenfalls viele Touristen unterwegs», sagt Roberto Schmid, Direktor des Hotels International au Lac in Lugano. Er ist überzeugt, dass momentan auch ein «Neugier- und Überraschungseffekt» eine Rolle spielt. Viele Deutschschweizer wollten den Gotthard-Basistunnel, an dem 20 Jahre gearbeitet wurde, nun unbedingt einmal selbst erleben.

Tatsächlich beträgt die effektive Fahrzeitverkürzung zwischen Deutschschweiz und Tessin nur 30 Minuten. «Doch psychologisch hat sich etwas verändert – wir sind im Bewusstsein wesentlich näher gerückt», so Schmid. Er hofft darauf, dass dieser Effekt auch im Bereich des Kongresstourismus spielt. Bisher sei das Tessin aus Deutschschweizer Sicht als Standort für Kongresse zu weit weg gewesen.

Bilder der Eröffnungsfeier:

Auch Gastronomie profitiert

Massimo Suter, Chef des Restaurants al Porto in Morcote und Präsident von GastroTicino, bestätigt, dass auch die Gastronomie vom momentanen Interesse der Deutschschweizer profitiert. «Wir haben Gäste, die von Zürich mit dem Zug nach Lugano fahren, dann mit dem Schiff nach Morcote kommen, hier zu Mittag essen, und gleichentags noch zurückfahren», so der Präsident des Wirteverbandes. Seiner Meinung nach hat auch die Aktion von RailAway und Migros-Cumulus mit einem geschenkten «Verzehrgutschein» von 20 Franken diese Art des Tourismus angekurbelt.

Zufriedene Töne kommen schliesslich aus dem Locarnese, der wichtigsten Tourismusregion im Tessin. Fast die Hälfte der kantonsweit 2,28 Millionen Logiernächte werden hier kreiert. Einziger Wermutstropfen für die Region im Zusammenhang mit dem Gotthard-Basistunnel ist die Umsteigepflicht in Bellinzona. Direkte Züge aus der deutschen Schweiz gibt es nicht mehr.