Das Suhrental vermarktet sich nicht

Der Regionalverband Suhrental hat sich lange mit seinem Projekt für Standortmarketing auseinandergesetzt. Doch wird es jetzt begraben: Die Gemeinden zeigten zu wenig Interesse.

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Aargauer Zeitung

Barbara Vogt

Blick in die Zukunft auf der Liebegg in Gränichen

In einer Klausur auf der Liebegg in Gränichen haben sich die Mitglieder des Regionalverbandes Suhrental Gedanken über die Entwicklung von Suhren- und Ruedertal gemacht. Die Themen: Industrie, Wohnen, Landwirtschaft. «Die Stärken der Region liegen im Naherholungs- und im Wohngebiet», sagt Kurt Hermann. Diese sollen gefördert, eventuell neue Angebote geschaffen werden. Zusammen mit Regionalplaner und Moderator Werner Schibli zeichneten die Mitglieder auf einer Karte Gebiete ein, die man als Industrie- oder Wohngebiet umzonen könnte. Auch wurden Problemzonen im Bereich Verkehr (Individualverkehr und öffentlicher Verkehr) festgehalten. Tendenzen zeigen, dass man die Ebene im Suhrental weiterhin den Landwirten überlassen und eher Hänge für Wohngebiete ausscheiden möchte. «Wir bekennen uns zur Landwirtschaft», sagt Hermann. Grossindustrie werde sich im Suhrental wohl kaum ansiedeln: «Dazu fehlt uns die Infrastruktur, kein Gleisanschluss, zu wenig Wasser.» Kleine und mittlere Unternehmen hingegen sollen sich weiterentwickeln können. Man dachte auch laut über die Weiterführung der Suhrentalerstrasse nach. «Die Luzerner Gemeinden zeigten mehr Interesse an diesem Projekt als früher», so Hermann. «Für die Bewohner wäre eine Umfahrung eine Entlastung.» Der Nachteil: Wertvolles Kulturland geht verloren. Auch die Auflösung des Regionalverbandes Suhrental stand zur Diskussion. Im Rahmen von Gerag ist die Zusammenlegung von Regionalverbänden ein Thema, da diese zu «engmaschig» liegen. Von einer Auflösung wollten die Mitglieder allerdings nichts wissen. (bA)

«Wir bringen unsere Wohnungen auch ohne Standortmarketing voll», sagt der Holziker Gemeindeschreiber Hans Ulrich Mathys. Holziken ist nebst Kölliken und Hirschthal eine Gemeinde, die sich zum Vornherein gegen eine Vermarktung des Suhrentals über «zofingenregio» gestellt hat. Auf einer solch «kleinen Zelle» bringe das wenig, findet Mathys.

Standortmarketing müsse breiter gestreut werden, und zwar suhreabwärts Richtung Aarau und nicht über den «Hoger» nach Zofingen. Mathys: «Das ist schade fürs Geld. Und die Wirtschaftslage können wir mit der Marketingförderung im kleinen Suhrental auch nicht verändern.»

Nein, wenn es ums Zahlen geht

Eine Arbeitsgruppe des Regionalverbands Suhrental bemühte sich, die Wirtschaft im Suhren- und Ruedertal anzukurbeln. So richtig in Schwung kam das Projekt aber nie, eben weil einige Mitglieder dagegen waren und andere (Attelwil, Moosleerau, Schöftland) nur unter dem Vorbehalt dabei gewesen wären, wenn alle anderen Verbandsgemeinden mitgemacht hätten. Schmiedrued hätte einen Solidaritätsbeitrag geleistet.

An seiner Sitzung Anfang Juli begräbt der Regionalverband Suhrental das Projekt definitiv. «Schade», sagt Verbandspräsident Kurt Hermann, Schöftland. «Wir haben viel Zeit investiert.» Das Regionaldenken sei nicht vorhanden, die Gemeinden schauten nur, dass es ihnen gut gehe. Doch müsse man sich in der heutigen Zeit solidarisieren, «nur wenn wir zusammenhalten, geht es unseren Tälern besser. Alle jammern, weil es nicht vorwärts geht. Von allein wird es aber nicht besser.» Das Standortmarketing wäre ein Versuch gewesen, den man jederzeit wieder hätte abblasen können.

Kurt Hermann ist auch aus einem anderen Grund enttäuscht: Die Gemeinden hätten zu Beginn Begeisterung gezeigt, als es dann aber ums Zahlen ging, seien sie zurückgekrebst. Und als die Arbeitsgruppe nochmals einen Vorstoss wagte und bei den einzelnen Gemeinden Überzeugungsarbeit leistete, hätten sie Interesse für das Projekt gezeigt. «Doch dann kam eine abschlägige Antwort nach der andern», so Hermann.

Vereinzelte Gemeinden standen von Beginn an hinter dem Regionalmarketing: Wiliberg, Staffelbach, Schlossrued. Letztere stets mit Begeisterung und in der Hoffnung, Schlossrued bekannter zu machen, so Kurt Hermann. «Schlossrued befürchtet eine Abwanderung. Ziel dieser Gemeinde ist es, die Einwohnerzahl zu behalten.»

Beitrag von Kanton und Bund

Weil das Standortmarketing jetzt nicht zustande kommt, muss der Regionalverband Suhrental dem Regionalverband «zofingenregio» eine Absage erteilen. Die beiden Verbände planten eine Zusammenarbeit; «zofingenregio» hätte ein aufs Suhren- und Ruedertal zugeschnitten Regionalmarketing ausgearbeitet.

Der Regionalverband Suhrental rechnete jährlich mit Kosten von 70 000 Franken. Ziel war es, dass die zwölf angeschlossenen Gemeinden dafür nicht mehr als 6 Franken pro Einwohner und Jahr in die Kasse geben mussten. Dies hätte eine Mindestanzahl von 12 000 Einwohnern bedingt. Zurzeit zählen die Gemeinden im Suhrental 16 500 Einwohner.

Kurt Hermann rechnet: «Die kleinen Gemeinden hätten diese Einwohnerzahl nie hingekriegt, wir waren auf grössere Gemeinden wie Schöftland und Kölliken angewiesen. Doch für die Kölliker war das Standortmarketing kein Thema. «Wir sind Richtung Aarau orientiert, das ist für uns der natürlichere Partner», sagt Gemeindeammann Roland Brauen.

Im Rahmen der neuen Regionalpolitik hätten Bund und Kanton den Aufbau des Standortmarketings im Suhrental mit 37 500 Franken unterstützt. «Daraus wird nichts, auch dort mussten wir absagen», bedauert Kurt Hermann.