Angelo Zambelli

«Wir schreiben heute ein weiteres Kapitel der Zusammenarbeit im Studenland», sagte Guido Mattenberger, Gemeindeammann in Wislikofen und Präsident des Gemeindeverbandes Verwaltung 2000, dem die Studenländer Gemeinden Baldingen, Böbikon, Mellikon, Rümikon und Wislikofen angehören. 1997 taten sich diese fünf Gemeinden zusammen, um die Verwaltung gemeinsam zu organisieren. Ab 2000 gingen die fünf Partner den gemeinsamen Weg als Gemeindeverband. Dieses Vorgehen stellte im Kanton Aargau ein Novum dar; ein Novum, das inzwischen im Musterordner «Zusammenarbeit» des Kantons Aufnahme gefunden hat.

Nur noch zwei Standorte

Mit der Unterzeichnung des Zusammenarbeitsvertrags mit Kaiserstuhl - eine spätere Aufnahme als «Vollmitglied» ist wie bei Rekingen erwünscht und wird von beiden Seiten angestrebt - ist ein weiterer bedeutender Schritt der Zusammenarbeit im Studenland getan. Künftig werden die Verwaltungsdienstleistungen für die 7 Partnergemeinden an 2 Standorten erbracht. Finanzverwaltung, Steueramt und AHV-Zweigstelle befinden sich in Böbikon, das Sekretariat der Gemeinderäte, die Einwohnerkontrolle, die Bauverwaltung, die Sozialdienste und das allgemeine Gemeindebüro sind im Gemeindehaus Rekingen untergebracht. Die Eingliederung Kaiserstuhls erfolgt per 1. Januar 2010.

«Es ist uns bewusst, dass die Wege zur Verwaltung länger werden», sagte Mattenberger vor der Vertragsunterzeichnung, der Regierungsrat Urs Hofmann als Ehrengast und oberster Chef der Gemeinderäte beiwohnte. Diese längeren Wege würden indes durch attraktivere Öffnungszeiten, höhere Präsenz der Angestellten und durch verbesserte Stellvertretungen wettgemacht, sagte Mattenberger. «Natürlich erhoffen wir uns mit diesem Projekt auch finanzielle Einsparungen. Doch mindestens ebenso wichtig sind das Zusammenrücken der Region, die Vertiefung von Partnerschaften und die Suche nach gemeinsamen Lösungen für die Region.»

Orientierung auf alle Seiten

Der Kaiserstuhler Stadtammann Fritz Tauer verglich die Ausrichtung seiner Gemeinde mit der Ausrichtung des oberen Turms - dem Wahrzeichen des Städtchens - in alle vier Himmelsrichtungen: Auch Kaiserstuhl müsse sich auf alle Seiten orientieren, um die Zukunft meistern zu können, sagte Tauer. «Wir pflegen intensive Kontakte zu unseren deutschen Nachbarn, suchen Formen der Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich und sind eng verknüpft mit der Nachbargemeinde Fisibach wie auch mit den anderen Gemeinden des Studenlands.»

Tauer bedauerte den Entscheid Fisibachs, auf eine Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband Verwaltung 2000 zu verzichten. Es gelte jedoch, diesen Entscheid zu respektieren. Der Entscheid, eine Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband Verwaltung 2000 einzugehen, sei kein Sonntagsspaziergang gewesen, sagte Tauer. «Auf dem Weg zur Vertragsunterzeichnung mussten einige Steine weggeräumt werden.

Danach aber zeigte sich die Bevölkerung bereit, diesen Schritt zu gehen.» Einen Schritt notabene, den er als Stadtammann von Kaiserstuhl nach wie vor als wichtig und richtig erachte, obwohl seine Gemeinde wie alle anderen Partnergemeinden Federn lassen musste. Tauer: «Wo die Sonne scheint, gibts auch Schatten. Es schmerzt, dass wir den Verwaltungsstandort Kaiserstuhl aufgeben müssen. Doch nun heisst es nicht jammern und klagen, sondern sich auf die neue Situation einstellen, die Kräfte bündeln und näher zusammenrücken.»