Theo Zwanziger, 74, ist äusserst ungehalten. Die Schweizer Bundesanwaltschaft wirft dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fussballbundes (DFB) «Betrug in Mittäterschaft» vor. Zusammen mit weiteren Verbandsfunktionären und dem damaligen Fifa-Generalsekretär Urs Linsi habe er einen Vorwand konstruiert, um eine Zahlung des DFB über 6,7 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Weltmeisterschaften 2006 zu kaschieren.

Bei der Überweisung handelte es sich gemäss Darstellung der Bundesanwaltschaft um die Rückführung eines Kredits an den Sportindustriellen Robert Louis-Dreyfus. Dieser hatte dem OK-Präsidenten der WM 2006, Franz Beckenbauer, zuvor 10 Millionen Franken geliehen. Mit diesem Geld hatte Beckenbauer mutmasslich den Katarer Mohamed bin Hammam geschmiert. Der habe als Fifa-Funktionär dafür gesorgt, dass der Weltfussballverband den WM-Organisatoren vorweg 250 Millionen Franken zur Verfügung stellte. Um die Rückführung des Kredits zu rechtfertigen, hätten die Angeklagten ein «Lügengebilde» errichtet, meinen die Ermittler.

Eine plausible Darstellung, dass es sich um ein unproblematisches Geschäft gehandelt hat, konnten die Beschuldigten zwar nicht vorlegen. Zwanziger wettert dennoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: «Das hat mit rechtsstaatlichem Vorgehen nichts zu tun.» Er spricht von einer Schweizer Kampagne, die «desolat, bösartig» sei und scheitern werde, «weil ich mir überhaupt nichts vorzuwerfen habe».

Zwanziger war wie die Mitangeklagten von der Bundesanwaltschaft vorgewarnt, dass Anklage erhoben werde. Das entsprechende Schreiben, das Ende Juli auch dem «Spiegel» sowie dem «Tagesanzeiger» zugesteckt wurde, kommentierte Zwanziger bereits mit den Worten, die Schweizer Ermittler würden kopfvoran auf eine Wand zurennen. Sarkastisch kalauerte er: «Die Erfahrung zeigt, es gewinnt immer die Wand.»

Ob es tatsächlich zu einem Strafverfahren vor dem Bundesstrafgericht kommen wird, ist tatsächlich ungewiss. Einerseits wird die Zeit knapp, da das mutmassliche Vergehen im April 2005 stattfand und damit im kommenden Frühjahr verjährt, wenn bis dann nicht ein erstinstanzliches Urteil vorliegt. Andererseits haben die Angeklagten noch einige Beschwerdemöglichkeiten, um das Verfahren zu verzögern.

Zahlreiche Beschwerdemöglichkeiten

Die Vorbehalte richten sich zum einen gegen eine mögliche Befangenheit der Bundesanwälte. Diese stehen im gesamten Fifa-Ermittlungskomplex unter massivem Druck, nachdem sich der Erste Bundesanwalt Michael Lauber mit Fifa-Boss Gianni Infantino getroffen hat, sich jedoch nicht mehr an alle Treffen erinnern kann. Zum anderen ist nicht rechtsgültig geklärt, ob es von der Bundesanwaltschaft zulässig gewesen ist, das Verfahren zu splitten. Aus prozesstaktischen Gründen hat sie das Strafverfahren gegen den gesundheitlich angeschlagenen Franz Beckenbauer abgegrenzt, obwohl dieser ein zentraler Akteur der Transaktionen ist. Zwanziger hält die Bundesanwaltschaft auch anderweitig auf Trab; im Frühjahr reichte er eine Strafanzeige gegen Fifa-Chef Infantino wegen angeblich ungetreuer Geschäftsbesorgung ein.

Nicht nur die Bundesanwaltschaft, auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Zahlungen gegen Zwanziger. Das Landgericht hat im vergangenen Oktober eine Verfahrensöffnung zwar abgelehnt, eine Beschwerde dagegen ist jedoch hängig. Auch diesem Verfahren kann Zwanziger nichts abgewinnen. Er werde «voreingenommen, hinterlistig und unverhältnismässig» verfolgt.

Aus Protest hat Zwanziger die ihm verliehenen «Bundesverdienstkreuze» zurückgegeben. Die Schweiz hat ihm keine Medaille verliehen, die er nun zurückgeben könnte.