Waffenexport

Das sind die Exportschlager unserer Rüstungsindustrie

Der Nationalrat entscheidet heute, ob die Regeln für Kriegsmaterial-Exporte gelockert werden sollen. Die Rüstungsindustrie erhofft sich davon einen Aufschwung – doch wie bedeutsam ist sie überhaupt für die Schweiz?

Konkretes gibt es vor allem bei den Schweizer Rüstungskonzernen selten zu erfahren. Orientierungshilfen, wie es sich in der Schweiz mit den Kriegsmaterialexporten verhält, bieten hauptsächlich die Statistiken des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sowie Berichte und Studien des Bundesrats.

In einer Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel aus dem Jahr 2008 – in Auftrag gegeben vom Seco – wird der «Beschäftigungseffekt der Rüstungsmaterialexporte» von 2007 mit rund 5150 Erwerbstätigen beziffert. 3350 davon seien direkt in der Rüstungswirtschaft beschäftigt. Zusätzlich stehe die Erwerbstätigkeit weiterer 1800 Personen mittelbar in Zusammenhang mit den Exporten.

Räumlich konzentriert sich die Branche auf die Kantone Nidwalden, Zürich, Thurgau und Bern, in denen gemessen am Warenwert rund 80 Prozent der exportierten Güter produziert werden. Die grossen Firmen heissen Ruag (Bern), Mowag (Kreuzlingen), Rheinmetall Air Defence (Zürich) und Pilatus Flugzeugwerke (Stans).

Die Interessengruppe für die Schweizer Rüstungsindustrie, der Arbeitskreis Sicherheit und Wehrtechnik (Asuw) kann aktuellere und genauere Zahlen zu den Beschäftigten auf Anfrage nicht genau nennen. Die Branche umfasse rund 10 000 Arbeitsplätze in rund 70 Unternehmen in der Schweiz. Einen wesentlichen Anteil würden auch die Zulieferfirmen beitragen. In der BAK-Basel-Analyse wird beschrieben, dass «mit jedem Schweizer Franken, der mit Exporten von Rüstungsmaterial erzielt wurde, in der Rüstungsindustrie selbst 40 Rappen und in anderen Branchen 20 Rappen Wertschöpfung generiert wird.»

Der Asuw-Co-Präsident und Nidwaldner CVP-Ständerat Paul Niederberger hatte in der Herbstsession letzten Jahres in der Beratung der Motion «Benachteiligung der Schweizer Sicherheitsindustrie beseitigen», über welche heute der Nationalrat abstimmen wird, die sich verschlechternde Lage der Branche zusammengefasst. 2013 hat die Mowag 270 Stellen in Kreuzlingen, die Ruag rund 65 Stellen in Thun und 12 Stellen in Uri und die Rheinmetall Air Defence 80 Stellen in Zürich gestrichen.

Einzelner Profiteur

Die Entwicklung der Kriegsmaterialexporte gleicht seit 13 Jahren einer Berg-und-Tal-Fahrt. Wurden 2000 noch Kriegsmaterial für 200 Millionen ausgeführt, betrug dieser Wert 2004 das Doppelte. Nach eine Baisse im Folgejahr war dann aber die Entwicklung bis 2009 positiv. Ab 2010 setzte mit dem Verkauf von militärischen Trainingsflugzeugen ein Aufschwung in der ganzen Branche ein. 2012 standen jedoch einzig die Pilatus-Flugzeugwerke mit dem Verkauf von PC-21-Flieger an Saudi-Arabien auf der Gewinnerseite. Die ausgeführten Güter der anderen Rüstungsfirmen gingen zurück.

Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtwert 461 Millionen Franken. 405 Millionen Franken wurden wieder mit Trainingsflugzeugen generiert. Der wichtigste Abnehmer von Schweizer Rüstungsgütern ist Deutschland. Gute Kunden sind auch Italien, die USA und das Vereinigte Königreich.

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