Mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren stellt die BDP die «Greisen»-Fraktion in Bern. Mit 41 Jahren ist der Aargauer Nationalrat Bernhard Guhl der Jungpolitiker der Partei. Auf der anderen Seite der zehn Vertreter ist Ursula Haller.

Die Berner BDP-Nationalrätin zieht sich nun aber Ende des Jahres aus der aktiven Politik zurück. Haller kündigte ihren Rücktritt aus dem Nationalrat auf Ende der Herbstsession an. Sie wird zudem nicht erneut für einen Sitz in der Regierung der Stadt Thun kandidieren.

Der Entscheid, mehr als ein Jahr vor den nächsten Nationalratswahlen zurückzutreten, solle der «optimalen Personalplanung» dienen. Sie wolle damit dem ersten Ersatzmann auf der BDP-Liste des Kantons Bern, Heinz Siegenthaler, ein Nachrücken ermöglichen. Siegenthaler ist bernischer Grossrat und Präsident der BDP des Kantons Bern. Viel jünger als Haller ist Siegenthaler nicht. Er hat 58 Jahre auf seinem Buckel.

Sitzgewinne als Jungbrunnen

Auf das Problem der fehlenden Jungpolitiker hat BDP-Präsident Martin Landolt bereits in einem Interview mit der «Südostschweiz» erklärt, dass bei den kantonalen Sektionen Beitritte vorwiegend 20- bis 40-Jähriger zu verzeichnen wären.

Am Freitag bestätigte der Glarner Nationalrat nochmals: «Es wird auch Jüngere in Bern geben.» Es würde ihn nicht erstaunen, wenn sich bei den nächsten Wahlen jemand durchsetzen würde. Ein Hoffnungsschimmer ist der 22-jährige Jan Gnägi, derzeit im Grossen Rat des Kantons Bern.

Der BDP-Politiker aus dem Wahlkreis Biel-Seeland nahm den Sitz im Rat im Juni 2010 ein. Für Landolt sind aber auch die Romandie, Basel-Landschaft und Thurgau mögliche Jungbrunnen.

Dort hat die Partei in der Vergangenheit viele Eintritte von Jungen verzeichnet. «Wenn wir Sitzgewinne machen, ist die Chance sehr gross, dass Jüngere kommen», so Landolt. Aber auch im Kanton Zürich könne bei einem dritten Sitzgewinn frischer Wind einziehen.

Wohl kein zweiter Glarner BDPler

Landolt könnte selber noch für zusätzliche Kräfte in der BDP-Fraktion sorgen. Er kandidiert für die Ersatzwahl des verstorbenen Glarner FDP-Ständerats Pankraz Freitag. Kann er die stimmberechtigten Glarnerinnen und Glarner am 12. Januar für sich gewinnen und seinen Konkurrenten Thomas Hefti von der FDP genügend distanzieren, nimmt Landolt den Platz im Stöckli ein.

Danach müssen die Glarner im gleichen Jahr noch einen neuen Nationalrat bestimmen. Landolt selbst hält es aber für unwahrscheinlich, dass dann auch noch ein zusätzlicher BDP-Politiker gewählt wird. «Wenn ich in den Ständerat gewählt würde, würde die BDP wohl auf eine Kandidatur für die Ersatzwahl in den Nationalrat verzichten», schilderte Landolt «sein Szenario».

Der 60-jährige BDP-Nationalrat und Fraktionschef Hansjörg Hassler hat im November seinen Rücktritt auf Ende der Legislatur angekündigt. Ist die BDP Graubünden bei seiner Ersatzwahl erfolgreich, wird die BDP-Fraktion vielleicht 2015 ihren «Greisen»-Titel abgeben können. (rit/sda)