Wohlen
Das Schweigen des Ammanns

Von allen Seiten wird der Wohler Gemeindeammann derzeit angeschossen – doch Walter Dubler schweigt eisern. Er lässt offen, ob er nochmals kandidiert, und äussert sich nicht zur Forderung von Gemeinderat Matthias Jauslin, im September nicht anzutreten. «Das Volk ist kompetent genug, die richtigen Schlüsse für die Wahlen zu ziehen», lässt er einzig verlauten.

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Walter Dubler

Walter Dubler

Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Schweigen ist nicht Gold Kommentar von Fabian Hägler Das Sprichwort sagt: «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.» In manchen Fällen mag dies zutreffen, für Walter Dubler ist es aber das falsche Rezept. Der umstrittene Wohler Gemeindeammann reagiert auf Vorwürfe und Kritik seiner politischen Gegner seit Monaten gleich wie auf Anfragen der AZ Freiamt: Mit einem dürren «No comment». Wohlverstanden: Es ist Dub-lers Recht, sich nicht zu persönlichen Fragen zu äussern. Wenn er sich hingegen weigert, die schweren Angriffe von Doris Becker und die Verzichtsaufforderung von Matthias Jauslin zu kommentieren, muss fast zwangsläufig der Schluss aufkommen: Die beiden Gemeinderatsmitglieder haben recht, die Vorwürfe treffen zu. Dubler will (oder kann) sie nicht widerlegen. Wenn Walter Dubler sagt, er traue dem Stimmbürger zu, bei den Wahlen die richtigen Konsequenzen zu ziehen, so lässt dies viel Raum für Spekulationen. Heisst das, Dubler kandidiert wieder und hofft, das Wohler Volk werde seine Gegner abstrafen? Sinnvoll ist dieser Satz nämlich nur, wenn Dubler erneut antritt. So gesehen wäre eine Kandidatur nichts als logisch: Dubler könnte das Ja zum Vollamt als Ja zu seiner Person auslegen und sich gestärkt fühlen. Andererseits: Die SVP, die jahrelang keine Gelegenheit ausliess, Dubler anzugreifen, bietet keine Alternative. Jean-Pierre Gallati, der schärfste Dubler-Kritiker, stellt sich nicht zur Verfügung. Waren die Attacken also nur heisse Luft? Solange keine valablen Gegenkandidaten feststehen, gilt der Grundsatz: Nur reden ist eben auch nicht Gold. fabian.haegler@azag.ch

Schweigen ist nicht Gold Kommentar von Fabian Hägler Das Sprichwort sagt: «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.» In manchen Fällen mag dies zutreffen, für Walter Dubler ist es aber das falsche Rezept. Der umstrittene Wohler Gemeindeammann reagiert auf Vorwürfe und Kritik seiner politischen Gegner seit Monaten gleich wie auf Anfragen der AZ Freiamt: Mit einem dürren «No comment». Wohlverstanden: Es ist Dub-lers Recht, sich nicht zu persönlichen Fragen zu äussern. Wenn er sich hingegen weigert, die schweren Angriffe von Doris Becker und die Verzichtsaufforderung von Matthias Jauslin zu kommentieren, muss fast zwangsläufig der Schluss aufkommen: Die beiden Gemeinderatsmitglieder haben recht, die Vorwürfe treffen zu. Dubler will (oder kann) sie nicht widerlegen. Wenn Walter Dubler sagt, er traue dem Stimmbürger zu, bei den Wahlen die richtigen Konsequenzen zu ziehen, so lässt dies viel Raum für Spekulationen. Heisst das, Dubler kandidiert wieder und hofft, das Wohler Volk werde seine Gegner abstrafen? Sinnvoll ist dieser Satz nämlich nur, wenn Dubler erneut antritt. So gesehen wäre eine Kandidatur nichts als logisch: Dubler könnte das Ja zum Vollamt als Ja zu seiner Person auslegen und sich gestärkt fühlen. Andererseits: Die SVP, die jahrelang keine Gelegenheit ausliess, Dubler anzugreifen, bietet keine Alternative. Jean-Pierre Gallati, der schärfste Dubler-Kritiker, stellt sich nicht zur Verfügung. Waren die Attacken also nur heisse Luft? Solange keine valablen Gegenkandidaten feststehen, gilt der Grundsatz: Nur reden ist eben auch nicht Gold. fabian.haegler@azag.ch

Aargauer Zeitung

Als Gemeindeammann ist Walter Dubler in Wohlen unter anderem für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Dubler nahm diese Aufgabe bisher sehr ernst, es gab in den vergangenen elf Jahren kaum eine Gemeindeabstimmung, die er nicht kommentiert hätte. Ganz anders verhielt sich der Ammann dagegen am Sonntag.

Er werde sich nicht zum Urnengang über Teilamt oder Vollamt äussern, liess Dubler die AZ Freiamt schon im Vorfeld wissen. Auch hartnäckiges Nachfragen half nichts, Walter Dubler schickte Vizeammann Harold Külling vor - obwohl das Resultat mit der klaren Zustimmung für das Vollamt genau nach dem Geschmack des Ammanns ausgefallen war.

Als das Komitee pro Vollamt am Sonntagabend im Restaurant Chäber seinen Abstimmungserfolg feierte, war Walter Dubler auch zugegen. Doch wieder liess er die Journalisten abblitzen: «Ich bin nur privat hier und sage nichts zur Abstimmung», meinte der Gemeindeammann. Eine gute halbe Stunde nach dem Beginn der Abstimmungsbesprechung verliess Dubler den «Chäber» wieder.

Dubler verweigert Stellungnahme

Zu jenem Zeitpunkt wusste der heftig kritisierte Wohler Ammann noch nichts von der brisanten Forderung von Matthias Jauslin. Der FDP-Gemeinderat und Finanzvorsteher hatte am Sonntag gesagt: «Ich hoffe, dass Walter Dubler nun die Grösse hat, im Herbst nicht mehr zur Wahl als Gemeindeammann anzutreten.» Konfrontiert mit dieser Aussage, sagte Dubler gestern Morgen am Telefon, er sei sehr überrascht über Jauslins Forderung. Weiter wollte sich der Gemeindeammann vorerst nicht äussern, er versprach aber eine schriftliche Stellungnahme. Diese traf kurz nach dem Mittag per Mail ein und enthielt vier Sätze.

«Vizeammann Harold Külling hat die Abstimmung korrekt kommentiert. Ich habe nichts beizufügen. Zu den einzelnen Kommentaren nehme ich nicht Stellung. Die Wohler Stimmberechtigten sind in meinen Augen kompetent genug, um für die kommenden Wahlen die richtigen Schlüsse zu ziehen.»

Kandidatur bleibt weiter offen

Die dürre Mitteilung lässt mehr Fragen offen, als sie beantwortet. Sieht er das Ja zum Teilamt als Vertrauensbeweis der Bevölkerung für seine Person, oder als reinen Sachentscheid für die bisherige Struktur? Kandidiert Walter Dubler trotz heftiger Kritik aus dem Gemeinderat im Herbst wieder? Wie kann der Gemeinderat bis Ende Jahr funktionieren, wenn zwei Mitglieder den Gemeindeammann öffentlich kritisieren oder zum Verzicht auffordern? Ist gar ein sofortiger Rücktritt Dublers denkbar, um den Konflikt im Gemeinderat zu lösen?

Gallati: «SVP steht nicht in der Pflicht»

Einer von Walter Dublers schärfsten Kritikern in den letzten Jahren war Jean-Pierre Gallati. Der örtliche SVP-Präsident hatte seit Jahren gefordert, Dubler müsse als Gemeindeammann abgelöst werden. Mit seiner Fraktion gehörte Gallati auch zu den Urhebern der Teilamt-Motion, die am Sonntag eine deutliche Abfuhr erlitt. Der Wohler Oppositionsführer ist über das Abstimmungsergebnis aber «weder überrascht noch enttäuscht». Und er räumt ein, dass Einwohnerrat und Gemeinderat «offenbar danebenlagen». Nicht einverstanden ist Gallati hingegen mit der Aussage, die SVP sei nun in der Pflicht, einen Ammann-Kandidaten zu stellen. «Wir haben heute keinen Vertreter im Gemeinderat und treten mit Marlis Spörri und Urs Stäger an», sagt er. Die bisweilen harsche Kritik der SVP habe sich gegen den ganzen Gemeinderat gerichtet, «in erster Linie aber gegen Walter Dubler». Der SVP-Präsident ist der Meinung, der Entscheid für ein Vollamt mache die Suche nach Kandidaten schwieriger. «Das soll aber keine Ausrede sein. Ich behaupte nicht, wir hätten für 60% einen Kandidaten an der Hand gehabt», erklärt Gallati. Persönlich hoffe er weiter auf «möglichst viele Kandidaturen» für das Ammannamt. Auf Spekulationen zu potenziellen Kandidaten lässt sich der SVP-Mann nicht ein. Immerhin: Es ist möglich, dass diese Woche eine erste Kandidatur bekannt wird: Für Donnerstag haben Vertreter von EVP, CVP, FDP, SVP und Freis Wohle zur Pressekonferenz geladen. (fh)

Weil sich Dubler weigert, diese und weitere Fragen zu beantworten, bleibt zwei Monate vor den Wohler Gemeinderatswahlen vieles diffus. Bisher ist noch keine einzige Kandidatur für das Amt des Ammanns bekannt, Dubler verweist lapidar darauf, die Anmeldefrist ende am 31. Juli, bis dann werde er sich entscheiden.

Rücktritt sehr unwahrscheinlich

Grundsätzlich stehen dem Wohler Ammann nun drei Optionen offen. Die radikalste und zugleich unwahrscheinlichste Variante wäre ein sofortiger Rücktritt. Damit müsste Dubler eingestehen, dass die tiefe Vertrauenskrise im Gemeinderat eine weitere Zusammenarbeit verunmöglicht. Ein solcher Schritt würde aber nicht Dublers Naturell entsprechen, der bei Kritik an seiner Person gerne darauf verweist, dass ihn das Volk mit glanzvollen Resultaten gewählt habe.

Viel wahrscheinlicher ist darum, dass der Gemeinderat in seiner heutigen Formation und mit Dubler an der Spitze bis Ende Jahr weitermacht. Auf die Problematik des fehlenden Vertrauens angesprochen, sagte Vizeammann Harold Külling am Sonntag: «Es muss ganz einfach funktionieren bis zum Jahresende, auch mit diesen schwierigen Voraussetzungen im Gemeinderat.» Matthias Jauslin, der Dubler zum Verzicht aufgefordert hatte, meinte: «Mehr als das übliche Tagesgeschäft liegt nicht drin, strategische Entscheidungen sind nicht möglich.»

Verzicht heisst finanzielle Einbusse

Die zweite Variante: Walter Dubler folgt Jauslins Aufforderung und verzichtet auf eine Kandidatur. Das würde mit grösster Sicherheit das Ende seiner politischen Karriere und zugleich einen massiven finanziellen Verlust bedeuten.

Denn: Wenn der Wohler Gemeindeammann von sich aus nicht mehr kandidiert, wird ihm keine Abgangsentschädigung ausgerichtet. Wird er indes abgewählt, erhält Walter Dubler mit zwölf Amtsjahren 90% seines Jahresgehalts ausbezahlt: Das sind 193 500 Franken.

Sollte sich Dubler für eine erneute Kandidatur entscheiden, wagt er wissentlich den Sprung ins Haifischbecken. Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass sich ein neu besetzter Gemeinderat, in dem auch am 1. Januar 2010 immer noch Dubler-Gegner sitzen werden, unter seiner Leitung zum funktionierenden Führungsteam für Wohlen entwickelt.