Aarau
Das Ringen um die neue Altstadt

Mehr als 40 Eingaben sind gegen das Baugesuch für die Neugestaltung der Aarauer Altstadtgassen deponiert worden. Im Vordergrund steht die Kritik an der Wasserrinne, an der Nutzung des öffentlichen Raums und an Bushaltestellen.

Drucken
Altstadtgassen Aarau

Altstadtgassen Aarau

Aargauer Zeitung

Von Hermann Rauber

Aarau tut sich schwer mit der Neugestaltung seiner Altstadtgassen. Nach jahrelangem politischem Seilziehen gelang es im vergangenen November, an der Urne eine «Kompromissvorlage» durchzubringen, bewilligte doch der Souverän mit 3821 Ja gegen 2403 Nein einen Kredit von 7,4 Millionen Franken.

Damit waren aber für die Realisierung längst nicht alle Pflastersteine aus dem Weg geräumt. Bei der öffentlichen Auflage des Baugesuchs hagelte es Einsprachen. Zu allem Übel musste der Vorgang wiederholt werden, weil man es unterlassen hatte, die geplanten Tiefbauten ordnungsgemäss zu profilieren. Dies holte man mit einer zweiten Auflage und der Markierung von Veränderungen mit weisser Farbe auf dem Strassentrassee im letzten April nach.

Laut Stadtammann Marcel Guignard sind innerhalb der Frist mehr als 40 Eingaben im Unteren Rathaus deponiert worden. Primär ging es um die bereits vor der Abstimmung vom 30. November 2008 bekannten Streitpunkte, nämlich die projektierte Rinne samt Wasserspielen an der Rathaus- und Metzgergasse, um die künftige Nutzung des öffentlichen Gassenraums und um die Platzierung der Bushaltestellen.

Bei der geplanten Wasserrinne wird gefordert, dass diese möglichst klein gehalten wird. Denn Detailhandelsgeschäfte und Restaurants fürchten, dass die rund 10 Zentimeter tiefe Wanne von Warenlieferanten oder von Anwohnern nicht gefahrlos mit einem Auto oder Lastwagen überfahren werden kann.

Kritisch zeigen sich die Geschäftsinhaber und die Gastronomie aber auch gegenüber dem 1,5 Meter breiten Freiraum entlang den Häuserzeilen, der nach heutiger Lesart nicht belegt werden darf. Auf diesen mit Platten markierten Durchgang hatten vor allem die Behinderten-Organisationen gepocht.

Erstaunlich ist, dass vor der Volksabstimmung vom letzten November kaum Kritik laut wurde, die Aufregung nach geschlagener Schlacht aber umso grösser tobt. Für Stadtammann Marcel Guignard ist klar, dass der Stadtrat «den Auftrag hat, das vom Volk bewilligte Vorhaben zu realisieren». Das heisse, dass man das beschlossene Projekt «nicht auf dem Justizweg entscheidend verändern kann», wenn der «politische Wille» vorgegeben sei.

Der Stadtrat werde von den Einspracheverhandlungen, die vor den Sommerferien abgeschlossen werden konnten, im August Kenntnis nehmen und über die Eingaben entscheiden. Bis jetzt sei keine einzige Einsprache zurückgezogen worden. Ein Baubeginn im Herbst 2009 sei deshalb und nach dem Stand der Dinge «nicht mehr realistisch».

Zu den Einsprechern gehört auch Heinz Aeschlimann, Anwohner und gleichzeitig Vorstandsmitglied im Quartierverein Altstadt. Für ihn sind die geplanten Wasserrinnen «völlig überflüssig». Die Gassen im historischen Zentrum präsentierten sich auch nach der Neugestaltung «eng wie eh und je», Aarau habe die Chance verpasst, «etwas Schönes und Zweckmässiges zu machen», bedauert Aeschlimann.

Er fragt sich, ob ein generelles Bauprojekt, wie es in Aarau zur Abstimmung gelangt ist, «überhaupt Gesetzeskraft hat» oder ob es aus praktischen Gründen auch im Nachhinein verändert werden darf.

Heinz Aeschlimann verschliesst sich einer «baulichen Erneuerung» der Aarauer Altstadt keineswegs. Allerdings dürfe es dabei nicht darum gehen, «Pseudo-Kulissen» zu zementieren, sondern auch «qualitativ gute und moderne Ergänzungen zur bestehenden Substanz zuzulassen». Entscheidend für die Aarauer Altstadt sei die «Bewahrung des historischen Grundrisses», nicht jene der Fassaden.

Aktuelle Nachrichten