Gesundheitskosten

Das Parlament verschiebt Kosten im Gesundheitswesen – das ändert sich für Sie als Patienten

Gesundheit: Wer bezahlt eigentlich was? Das Parlament hat ein paar Dinge neu geregelt. Nicht nur bei der Franchise. (Bild: Walter Schwager)

Gesundheit: Wer bezahlt eigentlich was? Das Parlament hat ein paar Dinge neu geregelt. Nicht nur bei der Franchise. (Bild: Walter Schwager)

Diese Woche hat das Parlament mehrere Entscheide getroffen, welche die Patienten und Versicherte direkt betreffen. Ausser beim neuen Qualitätsgesetz ging es weniger um Möglichkeiten, Kosten zu sparen. Das Parlament hat im Wesentlichen die Last der Kosten neu verteilt. Das müssen Sie wissen.

Diese Änderungen hat das Parlament in den letzten vier Tagen beschlossen:

  • Kranke zahlen mehr: Ab nächstem Jahr werden die Franchisen um 50 Franken steigen, so beispielsweise die Minimalfranchise von 50 auf 350 Franken. Das bedeutet, die Versicherten müssen mehr medizinische Leistungen aus dem eigenen Sack bezahlen. Das Parlament erhofft sich dadurch eine grössere Zurückhaltung der Patienten, mehr Eigenverantwortung: Wer selber zahlen muss, geht nicht so schnell zum Arzt. Betroffen von dieser Änderung sind vor allem Personen mit Gesundheitsproblemen, die wegen hoher Medikamenten- oder Behandlungskosten eine tiefe Franchise wählen. Versicherte mit Maximalfranchisen schöpfen diese sowieso nur selten aus. Ob nun 2500 oder 2550 Franken: Die Versicherten zahlen die meisten Kosten weiterhin selbst. Immerhin hat die Erhöhung der Franchise einen einmaligen Effekt, die Prämiensteigerung etwas zu dämpfen.

    Es bleibt zudem nicht bei einer einmaligen Erhöhung der Franchise. Das Parlament hat entschieden, die Franchise an die Entwicklung der Gesundheitskosten zu koppeln. Sobald die Kosten pro Person das 13-Fache der Minimalfranchise übersteigen, wird diese um 50 Franken erhöht. Falls die Gesundheitskosten wie bisher 4 Prozent pro Jahr steigen, muss die Franchise alle 4 Jahre um 50 Franken erhöht werden.
  • Abzüge für Verdienende: Das Parlament hat die pauschalen Abzüge für die Krankenkassenprämien erhöht. Das bedeutet: Alleinstehende dürfen 3000 Franken statt wie heute 1700 pro Jahr von der Bundessteuer abziehen. Für Ehepaare erhöht sich der Abzug von 3500 auf 6100 Franken. Auch für jedes Kind, das im Haushalt lebt, erhöht sich der Abzug für die Eltern von 700 auf 1200 Franken. Die Abzüge gelten nicht nur für die obligatorische Krankenversicherung, sondern auch für andere Versicherungen.

    Die Befürworter argumentierten, Krankenkassenprämien seien Zwangsabgaben und Teil der unvermeidlichen Lebenshaltungskosten. Durch das starke Wachstum der Prämien seien höhere Abzüge gerechtfertigt. Allerdings zahlt nur etwas mehr als jeder vierte Haushalt Bundessteuern. Von den Abzügen profitieren aber auch mittlere Einkommen kaum: Sie zahlen verhältnismässig wenig Bundessteuern.

    Sogar Finanzminister Ueli Maurer (SVP) warnte deshalb, die Abzüge seien ineffizient. Sie entlasten vor allem höhere Einkommen.
  • Städter als Verlierer: Das Parlament hat entschieden, dass die Prämienregionen in grossen Kantonen wie Bern, Zürich oder Aargau unverändert bleiben. Weil bislang die Landbevölkerung weniger Leistungen beanspruchte, wies sie auch geringere Gesundheitskosten aus. Mittels Prämienregionen wollten die Kantone diese Unterschiede abbilden. Nur hat sich in den letzten Jahren die Kluft zunehmend geschlossen: Die Unterschiede sind nicht mehr im gleichen Mass gerechtfertigt. Heute zahlen Städter zu viel, die Landbevölkerung zu wenig. Der Bundesrat wollte deshalb die Prämienregionen ändern. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat dem Bundesrat eine Absage erteilt. Die Begründung: Die geplante Vergrösserung führe zu Prämiensprüngen für die Bewohner ländlicher Gebiete. Das stimmt zwar. Gleichzeitig wird so aber auch die Diskriminierung der Städter zementiert.
  • Bessere Behandlung: Das Parlament hat ein neues Qualitätsgesetz beschlossen, das nicht nur eine Handhabe gegen Fehler und unnötige Behandlungen ermöglichen soll, sondern durch deren Vermeidung auch Kosteneinsparungen verspricht. Denn Fehler bei Behandlungen kommen häufiger vor, als uns lieb ist. Rund 250'000 Spitaltage pro Jahr sollen durch ein neues Qualitätsgesetz vermieden werden. Eine Expertenkommission soll Standards und Abläufe definieren, um künftig Fehler bei medizinischen Behandlungen zu vermeiden. Einzelne Standards werden in Spitälern oder Heimen heute schon getestet.

    Beispiele sind Checklisten im Operationssaal, Standards zur Händedesinfektion oder Abgabe von Medikamenten. Überall können Fehler passieren oder Vorgaben nur halbwegs umgesetzt werden. Über Kontrollen und Sanktionen verspricht sich die Politik nun Verbesserungen.
  • Arzt- und Spitalrechnungen sollen besser lesbar werden: Für den Patienten muss sie einfach kontrollierbar, transparent und nachvollziehbar sein. Denn weil die Krankenkassen nicht wissen, welche Leistungen notwendig waren und tatsächlich geleistet wurden, ist der Patient verpflichtet, diese zu kontrollieren.
  • Medikationsplan für Patienten: Gerade ältere Menschen, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, sollen künftig einen gedruckten oder elektronischen Medikationsplan erhalten. Denn Polymedikation birgt das Risiko von Nebenwirkungen und gefährlichen Interaktionen zwischen den Medikamenten. Ein Medikationsplan soll bessere Übersicht verschaffen – auch für Ärzte und Pfleger.

Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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