Unverhofft klingelt das Telefon, ein Herr verspricht tiefere Krankenkassenprämien und will einen Beratungstermin vereinbaren. Was er nicht sagt: Bringt er seinen Kunden dazu, sowohl eine Grund- als auch eine Zusatzversicherung abzuschliessen, winkt ihm eine stattliche Prämie. Laut Konsumentenschutz werden für einen Abschluss in der Grundversicherung Provisionen bis zu 250 Franken bezahlt. Zusammen mit einer Zusatzversicherung kommen Prämien von bis zu 1500 Franken zusammen.

Das Geschäft mit der Versicherungsvermittlung ist attraktiv. Entsprechend umkämpft ist der Markt. Die Folge: Lästige, unerwünschte Telefonanrufe gehören für viele zur Tagesordnung. Sie sind das Dauerthema beim Konsumentenschutz und in Bundesbern. Die Branche versuchte es zwar mit einer Selbstregulierung, allerdings mehr oder weniger erfolglos.

«Die Telefonitis ging weiter, und die Vermittlerprovisionen erreichten gerade im Zusatzversicherungsbereich zum Teil unverhältnismässig hohe Summen», sagte Kommissionssprecherin und SP-Nationalrätin Bea Heim am Donnerstag im Nationalrat. Geschätzte 43 Millionen Franken verdienen Vermittler pro Jahr im Bereich Grundversicherungen. Bei den Zusatzversicherungen ist es mit 400 Millionen Franken gar noch gut zehnmal mehr.

Nun will das Parlament durchgreifen und Anrufe zur Gewinnung von Neukunden verbieten. Zudem will das Parlament die Höhe der Provisionen beschränken, auf maximal 70 Franken für die Grundversicherung. Wer sich nicht daran hält, wird gebüsst. Von der Änderung betroffen sind auch Internetvergleichsdienste. Diese agieren ähnlich wie die Makler. Für jede Offertenanfrage bekommen sie von den Krankenkassen einen bestimmten Betrag überwiesen.

Nationalrat geht noch einen Schritt weiter

Uneins sind sich die Räte darüber, ob auch für die Zusatzversicherungen eine Obergrenze gelten soll. Der Nationalrat will diese bei maximal zwölf Monatsprämien festlegen, der Ständerat will von Vorgaben absehen. Für die Mehrheit der Nationalräte ist klar: Wird ausgerechnet die lukrative Zusatzversicherung ausgeklammert, wird das Ziel kaum erreicht - nämlich ein Ende der unerwünschten Werbeanrufe. Da Grund- und Zusatzversicherung in der Praxis nicht immer klar getrennt werden, gebe es neue Umgehungsmöglichkeiten.

Hinter der Ausweitung auf die Zusatzversicherungen steht auch die Krankenkassenbranche. Denn die Makler bringen ihnen zwar neue Kunden, kosten aber auch eine schöne Stange Geld. Ohne Höchstgrenze können die Vermittler die Preise nach oben treiben, die Kassen müssen sich gegenseitig überbieten.

Einfallsreiche Umgehungsstrategien

Das Geschäft geht nun zurück an den Ständerat. Bereits heute ist aber klar: Gänzlich von Werbeanrufen verschont wird die Bevölkerung auch künftig nicht. Denn verboten wird nur die sogenannte «Kaltakquise», bei der Makler quasi im Schrotflintenprinzip zufällig Telefonnummern abtelefonieren. Hat eine Person hingegen dem Gespräch zugestimmt, ist die Kontaktaufnahme weiterhin erlaubt.

Wobei die Makler bei der Einholung dieser Zustimmung durchaus einfallsreich sein können. Wer an einem Wettbewerb teilnimmt, stimmt im Kleingedruckten möglicherweise auch einem Vermittlungsanruf zu. Wer sich zu einem Lauf anmeldet, akzeptiert die Datenweitergabe an Dritte. Auf eine offensive Strategie setzte kürzlich Mobilzone, wie «20-Minuten» berichtete. Der Handy-Shop bot Kunden einen 100-Franken-Gutschein an, wenn sie zu Hause einen Makler empfingen.