Ortsbürger
Das Ortsbürgerrecht gibts in Schöftland im Sonderangebot

Schöftland möchte neue Ortsbürger gewinnen: Mit einem Flugblatt orientiert die Gemeinde über eine Aufnahmeaktion, die bis Ende Jahr dauert. Die ersten 30 Anmeldungen sind schon eingetroffen

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In der Gemeinde Schöftland leben rund 3700 Einwohner. Etwa 300 Personen oder 8 Prozent sind Ortsbürger. Sie sind in dieser Rolle Besitzer des Kieswerkes im Hubel und verwalten ein beachtliches Vermögen von über 10 Millionen Franken. Bereits vor zehn Jahren hat die Gemeinde eine ähnliche Aktion durchgeführt. «Damals haben wird 80 neue Ortsbürger dazugewonnen», erklärt Gemeindeschreiber Rudolf Maurer gegenüber der AZ. «Jetzt sind wir wieder auf dem gleichen Stand.» Deshalb erachte es der Gemeinderat als nötig, mit einem Angebot wieder neue Ortsbürger aufzunehmen. «Dank den erleichterten Bedingungen hoffen wir auf Zuwachs aus der jüngeren Bevölkerung.

Klar geregeltes Verfahren

Im Aargau ist es vom Gesetzgeber so geregelt, dass nur Personen Ortsbürger werden können, die im Besitz des Einwohnerbürgerrechts sind. Ausländer zum Beispiel erwerben zuerst das Gemeindebürgerrecht.

Wer jetzt in Schöftland Ortsbürger werden möchte, muss mindestens 20 Jahre in Schöftland wohnen, die letzten fünf Jahre ununterbrochen. Über die Aufnahme entscheidet jeweils die Ortsbürgergemeindeversammlung.

Möchte eine Familie Ortsbürger werden, so werden die unmündigen Kinder auch aufgenommen.

Gesetzt den Fall, dass bei einem Ehepaar nur ein Partner die Mindestwohnsitzdauer von 20 Jahren erfüllt, muss der andere Partner lediglich fünf Jahre ohne Unterbruch in der Gemeinde wohnen.

Keine Einbürgerungsgebühr

Bei Gesuchen um die Aufnahme ins Einwohnerbürgerrecht erheben die Gemeinden jeweils eine Einkaufssumme. Das ist in Schöftland für die Aufnahme ins Ortsbürgerrecht nicht der Fall. «Wir verlangen lediglich für den administrativen Aufwand und das interne Beschaffen der Formulare 300 Franken», erklärt Gemeindeschreiber Maurer. Denn ganz ohne amtliche Formulare lässt sich das Verfahren nicht abwickeln. Dabei sind die Zivilstandsämter involviert. Es sind beispielsweise auch Auszüge aus dem Betreibungsregister vorzulegen. Es ist möglich, dass ein Bürger sein erstes Bürgerrecht behält, wenn er auch zusätzlich Schöftler wird.

Nur zwei Bürgerrechte zulässig

Nicht zulässig ist, dass Bürger in mehr als zwei Gemeinden heimatberechtigt sind. Materiell bringt das Ortsbürgerrecht keine Vorteile. Der so genannte Bürgernutzen (ein Anteil Brennholz) ist schon längst Vergangenheit. «Das Ortsbürgerrecht ist eher ideell zu sehen», sagt Maurer. Die Ortsbürgergemeinde hat zur Aufgabe, sich kulturell zu engagieren. So zahlen sie in Schöftland jährliche Gemeindebeiträge an das Kleintheater »Härdöpfelchäuer», an die Kulturorganisation Pro Schöftland. In die Renovation der Schlosssgartengebäude haben die Ortsbürger rund 8 Mio. Franken investiert. Maurer hofft auf jüngere Interessenten und sagt: «Rund 30 Anfragen für Formulare sind bereits eingetroffen.» (psi)

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