Montagmorgen, 7.04 Uhr. Es regnet. Das Radio bringt die Verkehrsmeldungen. Unfälle auf dem Nordring blockieren den Morgenverkehr mit den üblichen Auswirkungen auf die ohnehin schon neuralgischen Stellen. Vor dem Gubristtunnel, auf Höhe Affoltern bei Zürich und Winterthur stauen sich die Blechlawinen und mit jeder neuen Meldung alle halbe Stunde werden die (Rück-)Staumeldungen länger. Ganz anders das Bild auf den Verkehrswegen durchs Säuliamt, das im Vergleich zu den letzten Wochen beinahe gespenstische Ruhe zeigte. Auf der Fahrt von Uerzlikon über Mettmenstetten nach Affoltern war kein einziger Lastwagen anzutreffen. Ein paar Dutzend Motorfahrzeuge fuhren auf dem Asphaltband, über das sich vor der A4-Eröffnung jeweils zäh der Verkehr wälzte.

Die Autobahneinfahrt in Affoltern schluckt problemlos den aufkommenden Verkehr - auch von der Aargauer Seite her. Das bewirkt, dass der Bezirkshauptort morgens um viertel nach sieben ausgestorben und mit dem Regen trostlos wirkt. Kein Stau vor einem Kreisel. Würde kein Traktor den Verkehr aufhalten, könnte der Ort mit Richtgeschwindigkeit durchfahren werden. Die gleiche entspannte Situation ist auch in Obfelden, Ottenbach und Hedingen anzutreffen.

Übliches Pendleraufkommen

Rege dagegen ist das Pendleraufkommen an den Bahnhöfen. Am Busterminal in Affoltern unterhalten sich Postautochauffeure angeregt über die ungewohnte, morgendliche Fahrt: Flüssiger, fast personenwagenloser Verkehr auf allen Linien. Die Frage, ob sich wegen des schlechten Wetters und der A4-Eröffnung weniger Pendler befördern liessen, wird verneint mit einer plausiblen Begründung: «In Zürich gibts wegen der Autobahneröffnung nicht mehr Parkplätze», sagt ein Wagenführer und fügt augenzwinkernd an, «Die 1500 Franken pro Zentimeter Autobahn haben sich gelohnt.»

Rege ist auch der Verkehr auf der A4 Richtung Zürich, wie ein Blick oberhalb Zwillikon auf den Streckenabschnitt vor dem Tunnelportal des Islisbergs zeigt. Die Autobahn durchs Konauer Amt war am Freitag kaum eröffnet, da ereignete sich im Tunnel bereits der erste Zwischenfall, der zur Sperrung führte. Mit rauchendem Motor blieb ein Auto in der Röhre Richtung Zürich stehen. Das umfangreiche Sicherheitsdispositiv funktionierte aber einwandfrei. Die Ampeln an beiden Portalen schalteten umgehend auf Rot, wie das im Brandfall vorgesehen ist. Nach 20 Minuten war das Fahrzeug durch die Polizei abgeschleppt. Der Verkehr begann wieder anzulaufen.

Entsprechend positiv war die Bilanz von Kantonspolizist Mario Bolzi, Chef der Regionalabteilung Limmattal/Albis: «Ich bin am Montagmorgen noch nie so entspannt auf der Hauptstrasse von Birmensdorf nach Mettmenstetten gefahren.» Ganz ungetrübt war sein Resümee aber nicht. Bei der Sperrung des Islisbergtunnels hätten vereinzelte Automobilisten die Wendeschleusen, die für die Rettungsfahrzeuge bestimmt sind, benutzt. Das sei nicht nur verboten und entsprechend signalisiert, sondern auch sehr gefährlich. Man könne nicht automatisch davon ausgehen, dass auch der Verkehr auf den Gegenfahrbahnen, der sich mit 100 km/h nähert, angehalten wurde, sagte Bolzi. Derartiges Verhalten werde deshalb drakonisch bestraft.