Abstimmung

Das Nein zur 1:12-Initiative war die Sternstunde für die Demokratie

Das Volk sagte Nein zur 1:12-Initiative (Archiv)

Das Volk sagte Nein zur 1:12-Initiative (Archiv)

Das Nein zu 1:12 ist deutlicher ausgefallen, als man erwarten konnte. Denn wenn es um überrissene Saläre geht, ist alles möglich. Das hat im März das ebenso deutliche Ja zur «Abzocker»-Initiative gezeigt.

Die Juso hatten in den vergangenen Wochen ihre Party. Kaum je erhielt eine Jungpartei derart viel Beachtung. Mit dem Thema Lohngerechtigkeit trafen sie einen Nerv und lehrten die Wirtschaft das Fürchten. Mit dieser Vorgeschichte sind 34,7 Prozent Ja-Stimmen alles andere als ein Achtungserfolg. Die Juso vermochten offenbar nicht über die linke Klientel hinaus zu überzeugen.

Zum Glück. Schliesslich ging es um nichts weniger als einen Systemwechsel; nämlich um die Frage, ob der Staat künftig die Löhne privater Firmen festlegen soll. Eine Mehrheit erkannte, dass wir damit einen Pfeiler unseres Wohlstandes unterspült hätten. Twitterer Pascal Müller schrieb treffend: «Vernunft scheint in der Schweiz stärker ausgeprägt zu sein als Neid und Missgunst.»

Gestern war eine Sternstunde der Demokratie. Weil das Stimmvolk gezeigt hat: Es erkennt, wo man ein Zeichen setzen kann und wo es gefährlich wird. Es sagte im März mit 68 Prozent Ja zur «Abzocker»-Initiative, obwohl die Wirtschaft auch diese Vorlage bekämpft hatte. Und es sagt jetzt mit 65 Prozent Nein zu 1:12, obwohl die Idee verlockend tönte.

In der Schweiz weiss kein Lager die Mehrheit immer auf seiner Seite. Man muss ständig von Neuem überzeugen. Auch bei den kommenden Initiativen, die für die Wirtschaft ebenfalls von grosser Bedeutung sind: Mindestlohn, Erbschaftssteuer, Masseneinwanderung. Hier beginnen alle wieder bei null. Auch wenn alle Seiten das gestrige Resultat für sich reklamierten.

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