KSA

Das Kantonsspital Aarau hat «akute Raumnot»

Innerhalb weniger Jahren 50 Prozent mehr Patienten und 25 Prozent mehr Mitarbeitende, aber 1300 Quadratmeter weniger Platz: Das KSA ist am Anschlag und kann nicht auf die kantonale Spitalplanung warten.

Thomas Röthlin

Vorige Woche sprach der CEO des Kantonsspitals Aarau Urs Karli bei Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli und einem Vertreter des kantonalen Immobilienmanagements vor. Thema: akute Raumnot am KSA. «Uns fehlen kurzfristig 10 000 Quadratmeter», sagt Betriebsleiter Martin Häusermann, der seinen Chef begleitete. «Wir können nicht noch mehr verdichten.»

Immer mehr Leute auf schwindendem Platz, so lässt sich die jüngste räumliche Entwicklung des KSA zusammenfassen. 2004 bis 2008 stieg die Patientenzahl um 50  Prozent, der Personalzuwachs betrug 25 Prozent.

Gleichzeitig ist das Areal mit heute 125 000 Quadratmetern 1300 Quadratmeter kleiner geworden. Zum Beispiel wurde das Klinikum Haus 2 im Jahr 2006 abgebrochen und nicht ersetzt. Eine Schadstofferhebung ergab Asbestvorkommen im Haupthaus1. Ein halbes Stockwerk wurde bereits saniert. Weitere 30 000 Quadratmeter folgen, sobald ein entsprechender Grossratsbeschluss vorliegt. Fläche, die vorübergehend nicht zur Verfügung stehen wird.

Ärzte sind viel unterwegs

Kommt hinzu, dass sich das weitläufige KSA-Areal über 40 Gebäude erstreckt. «Unsere Abläufe sind suboptimal und lassen sich in der bestehenden Infrastruktur kaum verbessern», sagt Häusermann. Neurologie-Patienten etwa werden an verschiedenen Standorten behandelt, die Ärzte sind entsprechend viel unterwegs. Umgekehrt müssen sie sich zum Beispiel in der Pneumologie ein Zimmer teilen. Während ein Arzt seiner Patientin die Diagnose eröffnet, wertet der Kollege am Computer das Beatmungsgerät aus. Die Chirurgie in Haus1 und die Medizin in Haus 7 sind der zunehmend gefragten Interdisziplinarität nicht förderlich. Die Rohrpost erstreckt sich über 10 Kilometer und verfügt über 82 Stationen.

Kein Wunder, gibt es mehr Anfragen bei der Spitalombudsstelle, wie Häusermann bestätigt. Während Patienten längere Wartezeiten auf sich nehmen müssen, stocken die Abläufe beim Personal. «Der Druck auf die Mitarbeiter nimmt zu», so Häusermann.

Frei stehendes Bürogebäude geplant

Mit dem 2500 Quadratmeter grossen Ambulatorium im Bahnhofneubau, das 2011 bezogen werden kann, bekommt das KSA etwas Luft. Kurzfristig, das heisst noch dieses Jahr, sollen auch Modulbauten auf dem eigenen Gelände dem Platzproblem Abhilfe schaffen. «Das sind schnell errichtete und vor allem rasch wieder demontierbare Gebäude», erklärt Häusermann. Konkret schwebt den Verantwortlichen etwa ein frei stehendes Bürogebäude vor. Von einem klinischen Anbau an Haus1 ist man nach Rücksprache mit dem Departement Gesundheit und Soziales (DGS) wieder abgekommen.

«Wir haben kein Interesse an einem Providurium», sagt DGS-Sprecher Balz Bruder. Eine Befürchtung, die auf Erfahrungen zum Beispiel mit der Mensa Baracke im Aarauer Kantipark gründet. Martin Häusermann beschwichtigt: «Wir werden superprovisorische Bauten für die nächsten fünf bis acht Jahre beantragen.» Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sollen noch im Frühling darüber beschliessen. Laut Bruder hängt das weitere Vorgehen vom Finanzierungsmodus und -volumen ab. Das KSA beziffert die Investitionen auf einen einstelligen Millionenbetrag.

Mittel- und langfristig muss sich die Raumplanung der Kantonsspitäler nach dem jeweiligen Masterplan richten. Dieser definiert, welche medizinischen Leistungen in Zukunft wo angeboten werden sollen. Hintergrund sind die kantonale Spitalplanung und die neue Spitalfinanzierung. Die Revision des Krankenversicherungsgesetzes führe zu nichts weniger als «einer umfassenden Überarbeitung des gesamten Systems», wie Regierungsrätin Hochuli in einem Grundsatzpapier zum Megaprojekt Gesundheitswesen Aargau 2012 festhält.

Labor statt Asylbaracken

In die Masterplanung des Kantonsspitals Aarau aufgenommen wird die angrenzende Schäferwiese, die nach der Schliessung der Asylunterkunft Ende März brachliegen wird. Denkbar wäre hier ein zentraler Laborneubau. Häusermann schätzt das Potenzial der Schäferwiese auf 8000 Quadratmeter. Dies allerdings erst nach einer Umzonung des heute maximal fünfstöckig bebaubaren Geländes, das dem Kanton gehört.

Eine externe Analyse zeigt im KSA einen Instandsetzungsbedarf von einer halben Milliarde Franken für die nächsten 25 Jahre auf. Bei aller kurzfristigen Abhilfe weiss Betreibsleiter Häusermann: «Das Spital der Zukunft kann nicht so aussehen wie heute.»

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