«Ich konnte nach zwei Wochen wieder normal schlafen», erzählt Markus Leimbacher in der Sendung TalkTäglich. Der Prozess, in dem der Vierfachmörder Thomas N. zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer ordentlichen Verwahrung verurteilt wurde, hat den Opferanwalt sehr mitgenommen. «Die innere Ruhe ist noch nicht ganz da, aber ich bin auf dem Weg dazu.»

Leimbacher hat 90 Bundesordner Akten studiert. «Ich kannte die Anklageschrift im Detail, ich weiss, wie das Ganze vor sich ging», so der Opfer-Anwalt. «Das ist so etwas Verstörendes, das kann einen nicht in Ruhe lassen.» Er sei manchmal nachts erwacht, habe an seinem Plädoyer herumstudiert, Formulierungen gesucht, «damit die Opfer eine Stimme im Gerichtssaal haben». 

Die Opfer von Rupperswil

TalkTäglich: Die ganze Sendung

Die Verarbeitung des Rupperswiler Vierfachmords wird für die Opferfamilien auch nach dem Prozess weitergehen. Ihr Anwalt erzählt von ihrer Situation.

Der Anwalt bringt es auf den Punkt: «Es gab in den letzen 29 Jahren keinen Fall, der mich so beschäftigt und mitgenommen hat.» Leimbacher kannte die Familie bereits vor den schrecklichen Ereignissen. «Ich kannte Carla Schauer und ihren Lebenspartner.»

Vater will keine Therapie

Erstmals vom Fall Rupperswil erfahren habe er in den Ferien im Engadin. «Es war von einem Brand die Rede. Von irgendwelchen Leuten, die noch im Haus gewesen sein sollen. Ich habe mir keine Gedanken dazu gemacht, bis ich von Carla S., von Dion und Davin gelesen habe. Da habe ich gewusst, wer das ist.» Er habe Georg Metger sofort ein SMS geschrieben, habe wissen wollen, ob er überhaupt noch am Leben sei – zu dem Zeitpunkt hatte man das vierte Opfer noch nicht identifiziert. Später stellte sich heraus, dass es sich um die Freundin des älteren Sohnes handelte. 

Lange hat er keine Antwort erhalten. «Da war es mir schon eigen», beschreibt Leimbacher seine Gefühle. 

Die Hinterbliebenen leiden noch immer sehr unter den Ereignissen. «Die Mutter verlässt das Haus kaum noch», sagt Leimbacher. Der Vater leide unter schweren Depressionen, wolle sich aber nicht in Therapie begeben und auch keine Medikamente nehmen. «Es ist ein trauriges Bild.»

Zum Buch, dass Georg Metger herausgibt, sagt Leimbacher: «Für ihn ist es eine Form der Verarbeitung. Das Buch beinhaltet zwei Teile. Der erste ist ein Vermächtnis an die Mehrgenerationenfamilie, der zweite ist eine Schilderung der Ereignisse, die Herr Metger nach diesem 21. Dezember 2015 erlebt hat, als er von einem Tag auf den anderen ohne Haus, ohne Bleibe dastand.» (kob)