Louise Schneider ist Friedensaktivistin, seit sie denken kann. Am Dienstagmorgen aber hat sie etwas zum allerersten Mal gemacht: Sie griff zur Spraydose.

In roten Lettern sprayte sie an eine Baustellenabschrankung am Sitz der Schweizerischen Nationalbank: «Geld für Waffen tötet.» Damit unterstützte sie die gleichzeitige Lancierung der GSoA-Initiative für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten

Louise Schneider: Sprayen gegen Waffenhandel

Louise Schneider: Sprayen gegen Kriegswaffen-Finanzierung

Erst am Montag habe sie «einer der Jungen» instruiert, sagt Louise Schneider nach ihrer Aktion in einem Interview mit Tele Bärn (siehe Video oben). Auf einem Leintuch habe sie das Sprayen geübt. «Ich kann ja den Finger kaum bewegen, deshalb hatte ich solche Mühe. Ich habe ja so Arthrose in den Händen.»

«Sie haben mich absolut ernst genommen»

Dass die Polizei vorbeikommen würde, hat sie sich gewünscht. Ihr Wunsch ging in Erfüllung: Die Seniorin wurde prompt abgeführt.

Auf dem Polizeirevier habe sie ihr «Rucksäckli» zeigen müssen, erzählt Schneider weiter. Zudem sei sie von den Polizeibeamten ausführlich informiert worden. «Sie sind sehr freundlich und zuvorkommend gewesen.» Einer habe ihr hinterher sogar noch über die Strasse geholfen. «Sie haben mich absolut ernst genommen.»

Mutterfigur der linken Szene

Es ist nicht ihre erste Erfahrung mit der Polizei. «Früher, als ich noch mehr Kraft hatte, habe ich jeweils den Schwarzen Block gehütet. Und die haben pariert.» Der Berner «Bund» nannte Louise Schneider in einem Porträt 2012 «eine Mutterfigur für die linke Szene in Bern». Als «vollamtliche GSoA-Aktivistin» ist sie in der WOZ bezeichnet worden.

Auch jetzt will sie wieder für die GSoA auf die Strasse gehen und Unterschriften sammeln. So oft und so lange es die Gesundheit zulasse. «Selbstverständlich.»

«Waffen machen Flüchtlinge»

«Ich bin eine Pazifistin. Ich bin konsequent gegen jegliche Waffen», sagt Louise Schneider selbst. Sie sei so erzogen worden. «Mein Vater hat gesagt: Jeder Schlag kommt zurück.» 

So analysiert sie auch die momentane Flüchtlingswelle. «Da produziert man Waffen für den Krieg und investiert Geld in Kriegsmaterial, auch die Schweiz. Waffen machen Flüchtlinge – aber diese will man dann nicht.»

Die Nationalbank hat noch nicht entschieden ob sie Anzeige erstatten will gegen die «Vandalin». «Wir werden den Fall juristisch überprüfen», zitiert der «Bund» Walter Meier, Mediensprecher der Nationalbank.

«Aber wissen Sie, ich kann das ja jetzt abwaschen», sagt Louise Schneider. Sie habe absichtlich solche Farbe gewählt. (smo)