Von Michael Hunziker

Das Projekt «Auenrenaturierung Rietheim», davon ist der Gemeinderat überzeugt, werde für Gesprächsstoff sorgen. «Wir wollen im Rahmen des Mediationsprozesses konstruktiv zu einer Lösung beitragen», halten Gemeindeammann Beat Rudolf und Vizeammann Christian Schneider fest. Sie betonen: «Wir haben unsere Standpunkte und werden unsere Ideen einbringen. Wir haben Interessen, die zu berücksichtigen sind. Es wird Kompromisse geben müssen.»

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, sich einzubringen und Bedingungen auszuhandeln, sagen Rudolf und Schneider, Bedenken äussern sie wegen des Landes, das im Richtplan als Zwischenergebnis festgehalten ist. «Die Grenzen sollten klar abgesteckt sein. Die Streichung dieser Parzelle aus dem Zwischenergebnis würde eine Lösungsfindung wesentlich vereinfachen.»

Besonderes Augenmerk richtet der Rietheimer Gemeinderat auf das Thema «Hochwasserschutz». «Die Hochwassersicherheit hat Priorität und muss, soweit möglich, gewährleistet sein. Vielleicht ist sogar eine Verbesserung der heutigen Situation denkbar», meint Vizeammann Schneider. Mit diesem Anliegen hat der Gemeinderat beim Kanton übrigens offene Türen eingerannt. Zur Erinnerung: Für den «Chly Rhy» vorgesehen ist ein gedrosselter Einlauf.

Im Weiteren, so fährt Schneider fort, seien das Strassennetz sowie der Rheinuferweg zu erhalten. «Das Gebiet muss auch in Zukunft offen sein. Die Bevölkerung muss weiterhin Zugang zum Rhein haben.» Daneben dürften mit der Auenrenaturierung für die Gemeinde keine Kosten entstehen. Und: Die Wasserversorgung für den Paradieslihof der Familie Waltenspül sei sicherzustellen. Auch müsse das wertvolle Kulturland, so Schneider, erhalten bleiben. Anders gesagt: Der Paradieslihof müsse sich weiterentwickeln können. «Die Landreserven werden immer knapper», stellt der Vizeammann fest. «Es gilt deshalb, sorgfältig mit dem Kulturland umzugehen.»

Verständnis haben Rudolf und Schneider dafür, dass das Projekt «Auenrenaturierung Rietheim» in der Bevölkerung da und dort auf Widerstand stösst. Der Grund: Vor rund 15 Jahren sei das Gebiet am Rhein aufgewertet worden, der Unterhalt sei danach aber vernachlässigt worden. «Einige haben vielleicht Angst, dass wieder das Gleiche passiert.» Es handle sich um eine wunderschöne Gegend, in der schon viel für die Natur gemacht worden sei. «Bei uns fühlen sich Biber und Eisvogel bereits heimisch», erklärt Gemeindeammann Rudolf.

Kurz: «Eine Aue kann eine Aufwertung sein, kann die Attraktivität unserer Gemeinde steigern», sagen Rudolf und Schneider übereinstimmend. Zwar lasse sich der - finanzielle - Nutzen heute schwer abschätzen, aber: «Wir sehen dieses Projekt als Chance. Als Gemeinderat müssen wir einen Spagat machen. Wir haben den Verfassungsauftrag zu respektieren und gleichzeitig die Anliegen der Bevölkerung zu vertreten.»