Asyl

Das grösste Flüchtlings-Zentrum der Schweiz ist ein Deponie-Areal

Kenneth Nars

Im Februar soll hier das grösste Flüchtlingszentrum der Schweiz entstehen.

Kenneth Nars

In Baselland soll im Februar das grösste Flüchtlingszentrum der Schweiz öffnen. Auf dem Areal wurde jahrzehntelang Basler Chemie Abfall entsorgt. Die Vorbereitungsarbeiten laufen, damit bis zu 900 Flüchtlinge dort untergebracht werden können.

In Muttenz, vor den Toren Basels, könnte schon bald das grösste Flüchtlingszentrum der Schweiz eröffnet werden: In der Baselbieter Vorortgemeinde soll voraussichtlich Anfang Februar ein temporäres Registrierzentrum für mindestens 500 Flüchtlinge den Betrieb aufnehmen.

Dies machte die «Basellandschaftliche Zeitung» gestern publik. Damit reagiert das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf die stetig steigenden Asylgesuchzahlen der letzten Monate.

Bis jetzt wurden Flüchtlinge in den Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) des Bundes registriert. Das reicht nun nicht mehr. Der Bund will aber den Kantonen keine nichtregistrierten Asylsuchenden zuteilen. Da zurzeit täglich 2000 Flüchtlinge von Deutschland in die Schweiz wollen, steht die Region Basel unter besonderem Druck.

Temporär für zwei Jahre
Deshalb hat die Baselbieter Regierung entschieden, dem Bund unter die Arme zu greifen und ein leerstehendes Logistikareal in Muttenz für vorerst zwei Jahre zu vermieten. Der Standort wenige Kilometer vom EVZ Basel-Bässlergut entfernt sei ideal, sagt Regierungsrat Anton Lauber.

Auch der Muttenzer Gemeinderat hat dem Ansinnen im Grundsatz zugestimmt. Der Gemeindepräsident Peter Vogt sagt einschränkend: «Sollte ein Sturm der Entrüstung über uns hinwegfegen, müssten wir nochmals über die Bücher.»

Das Areal gehört dem Kanton und befindet sich an zentraler Lage inmitten eines Gewerbegebietes, das dank der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zu einem Schulcampus werden soll. Allerdings befindet sich genau unterhalb des geplanten Registrierungszentrums eine Deponie, in die die Basler Chemie jahrzehntelang unkoordiniert Abfälle entsorgt hat.

Rund 4000 giftige Stoffe befinden sich im Boden. Seit mehreren Jahren schwelt in der Region ein Streit darüber, wie weit die Sanierung gehen sollte und wer diese finanziert.

Für das Asylzentrum muss der versiegelte Boden nicht aufgerissen werden. Die Behörden versichern auf Anfrage dieser Zeitung, dass für die Flüchtlinge keine Gefahr bestehe und die künftige Sanierung nicht gefährdet sei. Das sehen Kritiker des Kantons und der chemischen Industrie anders.

Bis zu 900 Plätze
In den kommenden Tagen dürften drei Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Kanton, Bund und Gemeinde sowie Kanton und Gemeinde unterschriftsreif sein. Erste Vorbereitungsarbeiten auf dem Areal haben bereits begonnen.

Dieses Zentrum wird gross. Wird es zu Beginn noch auf rund 500 Flüchtlinge ausgerichtet sein, soll die Kapazität auf bis zu 900 Plätze ausgebaut werden – so gross wie kein anderes Flüchtlingszentrum der Schweiz. Zudem richtet das SEM für seine Mitarbeiter 40 Arbeitsplätze ein.

Der spezielle Status als Registrierzentrum bringt mit sich, dass die Flüchtlinge im Schnitt maximal drei Wochen in Muttenz sein werden, bevor sie abgewiesen oder auf die Kantone verteilt werden. Sämtliche Gesuche der Nordwestschweiz und Teile aus der Ostschweiz sollen künftig in Muttenz registriert werden.

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