Ein-und Aussteigen

Das Gedränge vor den Türen bleibt trotz neuem SBB-Projekt bestehen

Verhaltensänderung: Ohne Lichtschranken ist das Aussteigen mühsam, mit LED-Lichtern machen die Passagiere Platz.

Verhaltensänderung: Ohne Lichtschranken ist das Aussteigen mühsam, mit LED-Lichtern machen die Passagiere Platz.

Die SBB kennzeichnen die Perrons, damit Passagiere schneller einsteigen. Auch Industriedesigner Pete Bürgy hat sich schon mit dem Thema Passagierführung befasst. Das SBB-Pilotprojekt allein genüge nicht – wichtig sei auch der Freiraum vor den Türen.

Als Pendler von Bern nach Zürich hat Pete Bürgy täglich das Gedränge auf den Perrons und vor den Zügen erlebt. Der Industriedesigner hat sich deshalb für seine Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste auch diesem Problem angenommen. «Als Industriedesigner verstehe ich mich mehr als Problemlöser denn als rein formaler Gestalter», sagt Bürgy.

Zugreisende seien zunehmend gestresst. Dies führe zu einem kontraproduktiven Verhalten. «Statt den Weg für die Aussteigenden freizumachen, stehen sie ihnen im Weg», schildert Bürgy das Dilemma. Die Passagiere könnten den Zug nur in einer Einerreihe verlassen, statt wie eigentlich vorgesehen in einer Zweierreihe.

Für Passagiere und SBB

«Ich hatte die Intention, eine Win-win-Situation zu schaffen», sagt Bürgy. Also mehr Komfort und weniger Stress für die Reisenden zu erreichen sowie eine bessere Infrastrukturnutzung, einen erhöhten Passagiertransport und eine gesteigerte Pünktlichkeit für die SBB.

Die Arbeit umfasste fünf Konzepte: Laufrichtungstrennung bei Treppen mittels einer fixen Bemalung, Laufrichtungstrennung in Unterführungen mittels LED-Streifen an der Decke, neue Sektorenbeschilderung für eine gleichmässige Verteilung der Passagiere mittels einer Echt-Zeit-Belegungsanzeige, Anzeige der Türposition über im Perron eingelassene LED-Bänder und eine Türfreiraum-Angabe über LED-Lichter im Boden (siehe Bild).

Bei einem Feldversuch beim Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) im Tiefbahnhof Bern mit LED-Scheinwerfern hat Bürgy die letzten beiden Punkte und somit die Verhaltensänderung der Passagiere getestet. Sie sollten mit Licht auf den Tür-Freiraum hingewiesen werden. «Dies hat erstaunlich gut funktioniert», sagt Bürgy. Die Aussteigezeit pro Passagier habe sich von durchschnittlich 1,4 Sekunden auf 0,9 Sekunden verringert. Natürlich hätten die Passagiere aber auch über die Neuerung informiert werden müssen. Sein Fazit: LED-Bänder dienen als Hilfestellung für ein korrektes Verhalten.

Mehrere Massnahmen nötig

Das Projekt, das die SBB am Montag vorgestellt haben, sieht eine neue Sektorbeschilderung vor – ein Punkt, den Bürgy in seiner Arbeit auch berücksichtigt hat. Laut Bürgy verbessert dieser Schritt die Verteilung der Passagiere, was den Fahrgastwechsel verkürze. «Das Gedränge vor den Türen bleibt aber bestehen», sagt Bürgy.

Es bedürfe deshalb mehrerer Massnahmen, um den Passagier effizient in den Zug zu lenken. Der Testversuch sei eine solche Massnahme, doch könne sie alleine keine Verhaltensänderung vor den Türen erreichen.

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