Silbern
Das Gebiet Silbern soll golden werden

Der nächste Schritt ist getan: Für die Entwicklung des Gebiets Silbern/Lerzen/Stierenmatt (SLS) in Dietikon mit einem Zeithorizont von 25 Jahren hat der Stadtrat zusammen mit den Grundeigentümern einen öffentlichen Gestaltungsplan ausgearbeitet. Die ersten Massnahmen sind bereits definiert.

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Übermorgen ... künftig soll er Umsteigeort und Treffpunkt sein.
Modell Wie der Gestaltungsplan umgesetzt werden könnte – entlang der Bahn-gleise (im Bildhintergrund) sind Häuser bis zu einer Höhe von 70 Metern möglich.

Silbern

Limmattaler Zeitung

Matthias Kessler

Fachmärkte statt Montagehallen, Dienstleistungsbetriebe statt grosser Lager, Büroflächen statt Werkstätten: «Die Silbern ist längst kein Industriegebiet mehr», sagt Urs Jenny, Präsident der IG Silbern. Und diese Entwicklung solle in den nächsten Jahren und Jahrzehnten konsequent weiterverfolgt werden. Bei der gemeinsamen Entwicklungsplanung mit der Stadt Dietikon habe man erst richtig gemerkt, was alles möglich sei, welch grosse Möglichkeiten der Standort, der sich insbesondere durch seine gute Erreichbarkeit auszeichne, biete. Den Spruch «Die Silbern vergolden», hat Jenny deshalb als Motto für die weitere Planungsarbeit geprägt.

Bauen in die Höhe soll möglich sein

Das Konzept zur etappenweisen Entwicklung des Gebiets SLS für die nächsten 25 Jahre, im engen Kontakt mit den 70 Grundeigentümern erarbeitet, hatte der Stadtrat im Juli 2008 vorgestellt. Nun liegt, nach vielen weiteren Sitzungen, nach Einzelgesprächen mit verschiedenen Eigentümern, der öffentliche Gestaltungsplan vor. In weiten Teilen wurde das Entwicklungskonzept übernommen (Ausgabe vom 10. Juli 2008). Um Freiflächen zu gewinnen, soll demnach ein Bauen in die Höhe möglich sein. Entlang der Bahngleise sind Gebäude bis zu einer Höhe von 70 Metern geplant, ansonsten sollen Höhen zwischen 30 und 50 Metern als verbindlich gelten. Den so entstehenden Raum will man laut Projektleiter Diego Dudli unter anderem für die Erstellung des Silbern-Platzes, eines Stadtplatzes zwischen den Pestalozzi-Hallen und dem Coop-Megastore, sowie eines Boulevards mit Baumallee nutzen. Restaurants, die Freilegung des Teischlibachs, der momentan noch unterirdisch geführt wird, und kleine Geschäften auf Erdgeschossebene sollen für das angestrebte urbane Lebensgefühl sorgen. Dabei will man auf eine gewisse Einheitlichkeit bei der städtebaulichen Entwicklung achten - gerade auch, was Details, beispielsweise die Wahl von Bäumen und Sitzbänken, betrifft. «Unser Ziel ist die Schaffung homogener Urbanität», so Dudli.

Hauptfokus bei der Planung ist, wie wiederum Jenny betont, die Erhaltung und die Möglichkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen; von einer Steigerung von heute 6000 auf künftig 10 000 Arbeitsplätze wird ausgegangen. Ebenso soll die Möglichkeit zum Wohnungsbau bestehen (siehe Box unten).

Damit das Gebiet, das seit Jahren mit Verkehrsproblemen kämpft, den durch das Wachstum bedingten Mehrverkehr auch schlucken kann, setzen die Planer vor allem auf drei Massnahmen: Ausbau von Strassen, Ausbau des öffentlichen Verkehrs, klare Vorgaben bezüglich Nutzung.

Zahlen zur «Silbern»

Das Gebiet Silbern/Lerzen/Stierenmatt, eingerahmt von der Mutschellenstrasse, der A1, der Limmat mit Naturschutzgebiet, der Kanalstrasse und den Bahngleisen, erstreckt sich über eine Fläche von 60 Hektaren (zum Vergleich: das östlich angrenzende Gebiet Limmatfeld umfasst knapp 9 Hektaren). Derzeit stehen 6000 Arbeitsplätze zur Verfügung, 100 Personen wohnen in diesem Gebiet. Mit der nun vorliegenden Planung sind, bei einem Ausbaugrad von 80 Prozent, ca. 3000 Einwohner und 10 000 Arbeitsplätze möglich. (mke)

So sollen einerseits an der Heim-/ Silbernstrasse mindestens separate Spuren zum Linksabbiegen für den Individualverkehr sowie Haltestellebuchten für die Busse erstellt werden. Andererseits besteht die Absicht, zur bestehenden Linie 309 zwei zusätzliche Buslinien zu schaffen - eine vom Bahnhof Dietikon über die Silbern nach Oetwil, die zweite nach Spreitenbach. Und drittens soll die verkehrsintensive Nutzung durch Fachmärkte auf den Bereich Riedstrasse beschränkt werden.

Als die zwei zentralen Aspekte zur Verbesserung der Verkehrssituation werden jedoch, wie Planer Dudli, Eigentümervertreter Jenny und Stadtpräsident Müller unisono festhalten, der Bau einer S-Bahn-Haltestelle beim geplanten Stadtplatz sowie der Bau einer separaten Einmündung von der Silbern- in die Mutschellenstrasse angesehen. Beide Vorhaben weisen einen mittel- bis langfristigen Planungshorizont auf; zudem sind Stadt und Grundeigentümer zur Umsetzung auf die Zustimmung von Kanton respektive Bund angewiesen.

Eigenverantwortlich angehen kann die Stadt hingegen die Groberschliessung des Gebiets. Bereits im nächsten Jahr wird gemäss Stadtpräsident Müller der provisorische Kreisel bei der Viaduktstrasse definitiv installiert. Für diese und weitere Kurzfrist-Massnahmen - dazu gehören auch der Ausbau der Heim-/Silbernstrasse sowie die Erstellung des Silbern-Platzes - hat die Stadt sieben Millionen Franken budgetiert.

Bevor der Gestaltungsplan, der eine Änderung der Bau- und Zonenordnung bedeutet, Rechtskraft erlangt, sind einige Punkte abzuarbeiten: die 60-tägige Einsprachefrist, die Beurteilung der Einsprachen, Diskussion und Entscheid im Parlament - und, falls per Referendum verlangt, auch noch ein Urnengang. «Wir hoffen, dass das Parlament Anfang 2010 über den Gestaltungsplan befinden wird», hält Stadtpräsident Otto Müller diesbezüglich fest. Und: «Wir werden die Chance, die sich uns hier bietet, nutzen.» Bis zur Rechtsgültigkeit des Gestaltungsplans bleibt die Planungszone bestehen, die grosse Eingriffe im Gebiet verunmöglicht; der Stadtrat hat eine Verlängerung dieser Massnahme, die nun ins vierte Jahr geht, in Aussicht gestellt.

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