Bischofswahl

Das gabs noch nie: Politiker mischen sich in Bischofswahl ein

Solothurn: Am Bischofssitz des Bistums Basel wird am 8. September der neue Bischof der grössten Diözese der Schweiz gewählt.

«Volksnaher Bischof» gewünscht

Solothurn: Am Bischofssitz des Bistums Basel wird am 8. September der neue Bischof der grössten Diözese der Schweiz gewählt.

14 Regierungsräte und eine Bundesratsanwärterin reden um die Nachfolge des nach Rom berufenen Bischofs Kurt Koch mit. Das ist ein weltweit einzigartiges Verfahren.

Andreas Toggweiler, Christof Forster

Normalerweise ernennt der Papst die Bischöfe. Nicht so im Bistum Basel, dem grössten der Schweiz. Hier redet die Staatskirche – vertreten durch die Regierungen – mit. Das Domkapitel, das 18-köpfige Wahlgremium, hat die Bischofswahl auf den 8. September angesetzt. An diesem Mittwoch wird in Solothurn ein ganz spezielles Wahlverfahren ablaufen. Es geht auf ein uraltes Konkordat zurück, das Rom im Jahr 1828 mit den Kantonen Luzern, Bern, Solothurn und Zug abgeschlossen hatte.

Heute gehören zudem die Kantone Aargau, Schaffhausen Baselland und Basel-Stadt, der Jura sowie Thurgau zum Bistum. Am Vormittag des Wahltags werden die 18 Domherren nach einer Messe im bischöflichen Ordinariat aus 20 bis 40 potenziellen Anwärtern eine Liste mit den Namen von sechs Bischofskandidaten zusammenstellen. Die Anwärter wurden in einem breiten Konsultationsverfahren ermittelt.

Das Konkordat schränkt die Wahl ein: Infrage kommen nur Priester aus dem Bistum Basel. Eine Abgesandtschaft des Domkapitels unterbreitet dann die Liste noch am Vormittag der Diözesankonferenz. Über dieses weltliche Gremium können die Kantone ihren Einfluss geltend machen. Jeder der zehn Bistumskantone ist mit zwei Vertretern präsent. In der Regel sind dies Regierungsräte.

Streichung führte zu Irritationen

Die Regierungsräte tagen gleichzeitig wie die Domherren im Solothurner Ambassadorenhof. Sie können auf der Liste mit den sechs Namen per Mehrheitsbeschluss Kandidaten streichen, die der Weltlichkeit «minder genehm» erscheinen. Vorher wurden sie über die Persönlichkeit der Kandidaten informiert.

Unklar ist, wie viele Anwärter die Regierungsräte maximal streichen dürfen und was dies für Folgen hat. Die Diözesankonferenz geht davon aus, dass die Person in diesem Fall für die Geistlichkeit unwählbar ist. Das Domkapitel hält auf ihrer Homepage hingegen fest, dass die Person trotzdem wählbar sei.

Zu einem Konflikt wegen dieser Auffassung kam es aber in jüngerer Vergangenheit nicht. Lediglich zu Irritationen, als 1994 bei der Wahl von Bischof Kochs Vorgänger Hansjörg Vogel tatsächlich ein Kandidat gestrichen wurde. Eine Begründung wurde damals nie gegeben.

Von solchen Irritationen lassen sich die Kantonsvertreter jedenfalls nicht beirren. Der Solothurner Regierungsrat Klaus Fischer hofft auf einen «volksnahen Vertreter», der sich offen zeigt gegenüber den Behörden. Der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus wird darauf achten, dass niemand auf der Liste steht, der zum Kanton Bern ein gespanntes Verhältnis hat. Auch die Basler Regierungsrätin und Bundesratskandidatin Eva Herzog fährt am 8. September nach Solothurn. Aus Zeitgründen hat sie sich allerdings noch nicht mit der Wahl beschäftigt.

Papst wird bloss informiert

Haben die Regierungsräte zu Ende beraten, kommt die Liste – mit allenfalls gestrichenen Namen – am Nachmittag zurück ins Haus Steinbrugg. Dort nimmt das Domkapitel die Bischofswahl feierlich vor. Der Gewählte erhält eine Woche Bedenkfrist. Der Papst wird über die Wahl informiert. Er kann sie nur ablehnen, wenn formale Fehler vorliegen.

Rom überprüft, ob der Gewählte die nötigen Eigenschaften – im Glauben gefestigt, ausgezeichneter Ruf, mindestens 35 Jahre alt, seit fünf Jahren Priester, entsprechende akademische Ausbildung – besitzt. Danach erfolgt die Bestätigung. Die lange Wartefrist bis zum Plazet aus Rom hat schon zu Spekulationen geführt, der Vatikan wolle damit sein Missfallen an der bistümlichen Eigenständigkeit ausdrücken. Es gab in der Vergangenheit auch Versuche, dieses Wahlrecht einzuschränken. Sie scheiterten jedoch am Widerstand der Kantone.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1