Bildungskommission
Das Frühenglisch steht auf der Kippe

Französisch in der dritten, Englisch in der fünften Klasse: So sieht das Baselbieter Frühfremdsprachenkonzept aus. In der landrätlichen Bildungskommission mehren sich die Stimmen gegen diesen Harmos-Baustein.

Drucken
Teilen
Klasse

Klasse

MZ-Archiv

Loris Vernarelli

«Es wird eng. Ganz eng.» Es ist die einzige Prognose, die sich Karl Willimann entlocken lässt. Denn in Sachen Frühfremdsprachenkonzept sind die Mehrheitsverhältnisse in der vom SVP-Landrat präsidierten Bildungskommission alles andere als eindeutig. Hier prallen zwei pädagogische Vorstellungen aufeinander, die auch unter Bildungsexperten für Diskussionsstoff sorgen: je früher ein Kind mit einer Sprache in Berührung kommt, desto schneller lernt es diese, behaupten die einen; das Lernen zweier Fremdsprachen auf Primarschulstufe überfordert die Kinder, entgegnen die anderen.

Welche der beiden Sichtweisen sich in der 13-köpfigen Kommission durchsetzen wird, entscheidet sich wohl heute Abend an der April-Sitzung. Präsident Willimann hat schon mehrmals die Meinung seiner Partei kundgetan - letztmals am Parteitag der SVP. Das Frühfremdsprachenkonzept überfordere vor allem Immigrationskinder, sagte er damals. Auf Anfrage verdeutlichte gestern Willimann seine These: «Nehmen wir ein Kind mit türkischer Muttersprache. Ausserhalb des Familienkreises lernt es zuerst Schweizerdeutsch, in der Schule dann fast gleichzeitig Deutsch, Französisch und Englisch. Das ist einfach zu viel.» Also lieber nur eine Frühfremdsprache, aber auf jeden Fall Französisch. Dies sei unbestritten, betont Willimann.

SP will nicht an Harmos rütteln

Die Frage, ob nur eine oder zwei Fremdsprachen in der Primarschule, stellt sich für Marc Joset (SP) überhaupt nicht. Das Frühfremdsprachenkonzept sei ein fester Bestandteil des Harmos-Konkordats, «und wir Sozialdemokraten sind ganz klar dafür», stellt das Mitglied der Bildungs- Kultur- und Sportkommission (BKSK) klar. Auch deshalb beharre seine Partei darauf, mit ungekürzten Mitteln das Konzept voranzutreiben. Zur Erinnerung: Im November kürzte die Regierung den Verpflichtungskredit für die Jahre 2011 bis 2022 von 16,5 auf 15 Millionen Franken.

Während SVP und SP ihre Positionen bezogen haben, ist der Grüne Jürg Wiedemann im Dilemma. «Einerseits stimme ich einer inhaltlichen Harmonisierung des Bildungswesens zu. Wenn alle Kantone zwei Frühfremdsprachen sowie dieselben Stundentafeln und -pläne einführen, dann muss auch Baselland mitziehen.» Persönlich vertritt er allerdings die Meinung, dass eine Fremdsprache in der Primarschule reicht. Anders als Willimann befürchtet er aber nicht überforderte Schüler. «Der Spass- und Kreativanteil muss auf Primarschulniveau hoch sein. Deshalb ist es wichtig, die Anzahl an kopflastigen Fächern, wie es Fremdsprachen sein können, zu minimieren.»

Auch in Sachen struktureller Harmonisierung vertritt Wiedemann eine andere Meinung als seine Partei. Wie alle Sekundarlehrer zieht er das aktuelle Baselbieter Schulsystem mit fünf Primar- und vier Sekundarjahren dem geplanten 6/3-System vor.

Aktuelle Nachrichten