WEF 2013

Das Forum der guten Hoffnungen

Offener Diskussionsgeist in Hochsicherheitsatmosphäre: Schweizer Soldaten montieren im Vorfeld des WEF Gitterzäune.KEY

Offener Diskussionsgeist in Hochsicherheitsatmosphäre: Schweizer Soldaten montieren im Vorfeld des WEF Gitterzäune.KEY

Das diesjährige World Economic Forum (WEF) in Davos geht vom 23. bis 27. Januar über die Bühne. In Davos suchen Regierungschefs und Wirtschaftsbosse Wege aus der Krise und zu neuem Wachstum.

«Resilient Dynamism» («Widerstandsfähige Dynamik») oder – so die offizielle deutsche Übersetzung – «Wachstum und Risiken» lautet das Motto. «Wir haben es heute mit einer Welt der plötzlichen Schocks und lang andauernden ökonomischen Malaise zu tun, in der die grossen Volkswirtschaften einem Sparzwang unterliegen», sagte WEF-Gründer Klaus Schwab gestern an einer Pressekonferenz in Genf. Umso wichtiger sei es, dass man den Aspekt der Dynamik und des Wachstums wieder stärker in den Fokus rücke. Eine widerstandsfähige Wirtschaft könne auch Rückschläge einstecken, ohne gleich in eine Rezession zu münden. Wie dies erreicht werden kann, soll an den Panel-Diskussionen des WEF erörtert werden.

Glamouröse Diskussionsplattform

Zur 43.Ausgabe des WEF treffen sich mehr als 2500 Teilnehmer aus über hundert Ländern in der Bündner Bergwelt. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur nutzen die neutrale Diskussionsplattform zum Gedankenaustausch. Prominente Persönlichkeiten wie der russische Premierminister Dmitri Medwedew, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron, US-Milliardär Bill Gates oder der legendäre Hedge-Fund-Manager George Soros sorgen für den nötigen Glamour. Aus der Schweiz sind bis auf Simonetta Sommaruga (SP) alle Bundesräte präsent.

US-Regierung fehlt

Schwab versteht das Forum als ein Laboratorium der Ideen, in dem neue Ansätze zur Lösung grosser Probleme diskutiert werden. Etwa zur Frage, ob die expansive Geldpolitik der Notenbanken eine galoppierende Inflation zur Folge haben wird. «Ich weiss darauf heute keine Antwort, hoffe aber, nach dem WEF eine fundierte Lösung zu haben», so Schwab. An Kompetenz wird es nicht mangeln: Es befinden sich auffällig viele Zentralbank-Chefs auf der Teilnehmerliste, darunter auch Thomas Jordan von der Schweizerischen Nationalbank. Der grosse Abwesende: US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Ziel des Forums sei es, die derzeitigen Erschöpfungserscheinungen und die fatale Mentalität des Scheiterns zu überwinden. «Wie das Treffen in Katar zu Umweltfragen oder die Bemühungen der G-8- und G-20-Staaten zur Verbesserung des Welthandels zeigen, werden auch im aktuellen Krisenumfeld Fortschritte erzielt», so Schwab.

Der Egoismus einzelner Staaten, die sich in der konjunkturell angespannten Situation vor allem um ihre eigenen Interessen kümmern würden, müsse durchbrochen werden. Konkrete Länder nannte Schwab nicht. Gut möglich aber, dass die Aussage auf die USA gemünzt ist, die dieses Jahr keine Regierungsvertreter, sondern nur Parlamentsmitglieder wie Senator John McCain ans WEF schicken. In den vergangenen Jahren nahmen Aussenministerin Hillary Clinton und Finanzminister Timothy Geithner in Davos teil.

Wachstum in Afrika

Besondere Aufmerksamkeit geniesst dieses Jahr Afrika, wie WEF-Direktor Alois Zwinggi gestern in Genf unterstrich. «Wir haben grosse Erwartungen zum Thema Wachstum in Afrika», sagte er der «Nordwestschweiz». Das WEF habe eine entsprechende Initiative auf dem Afrika-Gipfel 2011 lanciert; sie sei im vergangenen Jahr so richtig abgehoben, nachdem die G-8-Nationen eine Investitionssumme von drei Milliarden Dollar für Afrika zugesichert hätten. «Es geht jetzt im Speziellen um die Frage, wie man die historische Quelle von Afrika, die ja grosse Teile der Welt ernähren könnte, wieder mobilisieren kann», so der WEF-Direktor. Dabei gehe es analog des diesjährigen Mottos um nachhaltiges Wachstum.

Zum defensiven Motto passt, dass das WEF in einer neuen Nüchternheit daherkommt. Die Party des US-Internet-Giganten Google etwa fällt ins Wasser. Zwinggi sieht das positiv: «In Davos geht es um ernsthafte Diskussionen. Wir begrüssen es, wenn auch Firmen realisieren, dass sie in Davos mehr von einer ernsthaften Auseinandersetzung profitieren als von rauschenden Party-Nächten.»

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