Bollhaus
Das einsturzgefährdete Bollhaus erhält eine zweiteilige Kurpackung

Das ums Jahr 1500 gebaute Bollhaus steht bei der bekannten Holzbrücke Bremgarten. Das kleine Gebäude bot der Flussverbindung und dem äusseren Reuss-Tor einst Schutz gegen feindliche Angriffe. Dringlichen Schutz benötigte das Bollhaus vor einem Jahr selber. Das zweigeschossige weisse Häuschen drohte einzustürzen. Im Winter sollen die massiven Schäden an der Fundation nun behoben werden.

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Bollhaus Bremgarten

Bollhaus Bremgarten

Aargauer Zeitung

Von Lukas Schumacher

Als Sofortmassnahme mussten Taucher im Juni 2009 am Unterbau des Bollhauses künstliche Stützen aus massgefertigten, mit Beton gefüllten Kunststoffsäcken anbringen. Diese provisorische Sicherung des Gebäudes kostete rund 70 000 Franken.

Die Definitive Sanierung der Bollhaus-Fundation steht jetzt an. Wasserbaufachleute werden eine Spundwand um das Bollhaus erstellen; die Spundwand dient als Schalung fürs Fundament und zugleich als Schutz gegen Verschleiss und Zerkratzen. Mit Beton wird der freie Raum zwischen den Bollhausmauern und der Spundwand gefüllt. Der eingebrachte Beton schüttet unter dem Bollhaus auch sämtliche noch vorhandenen Hohlräume zu. So entsteht ein massives, dauerhaftes Fundament. Das Beseitigen von Rissen in der Fassade und das Auffüllen von Fugen mit Mörtel komplettieren die Erneuerung des historischen Gebäudes. Die Sanierung fällt mit gut 160000 Franken kostengünstiger aus als erwartet. Über das Projekt befindet die Einwohnergemeindeversammlung am 10. Juni.

Teil zwei der Kurpackung ist Sache der Wasserkraftwerk-Betreiberin AEW Energie AG. Sie soll dafür sorgen, dass es nicht mehr zu einer örtlichen Vertiefung der Fluss-Sohle in der Nähe des Bollhauses kommt. Zur Befestigung des Flussgrundes werden daher auf beiden Seiten des Gebäudes grosse, in Beton verlegte Blocksteine platziert.

Nur durch Zufall wurde der marode Zustand des Bollhaus-Unterbaus entdeckt. Im Auftrag des Kantons Aargau, der Brückenbesitzerin, hatten Taucher die Pfeiler und Widerlager der Reussbrücke kontrolliert. Dies im Zug der schon vor Jahren geplanten und noch immer nicht vollzogenen Abtretung der Brücke an die Einwohnergemeinde Bremgarten. Beim Tauchgang stellten sie die massiven Schäden am benachbarten Bollhaus fest, das der Einwohnergemeinde gehört.

Der Unteroffiziersverein Bremgarten nutzt das ehemalige Wehrgebäude seit vielen Jahren als Clublokal. Zweimal im Jahr bietet der Unteroffiziersverein jedermann Zugang zum keineswegs spartanisch eingerichteten Gebäude über dem Wasser, am Oster- und am Pfingstmarkt. Da findet das Bollhaus jeweils als Marktbeizli Verwendung. Das schmale Häuschen mit den 34 Plätzen im oberen und den 25 Plätzen im unteren Stock kann man mieten, es eignet sich trefflich für gesellige Anlässe. Kontaktperson ist Kurt Oggenfuss aus Rudolfstetten.