Bubendörfer Sekundarschüler radeln weiter nach Liestal
Das Durchatmen der Schüler

Der geplante Grossumbau der Sekundarschul-Landschaft ist abgesagt. Die Bubendörfer Jugend besucht weiterhin die Sekundarschule in Liestal. Gleichwohl wird Reigoldswil als «Mini-Schule» weitergeführt.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

Die Schüler und Eltern aus dem Sekundarschulkreis Reigoldswil, die gestern in Liestal live mitverfolgten, wie das Baselbieter Parlament unter anderem über das Schicksal ihrer Schule entschied, wurden für ihre Geduld belohnt. Spätabends wurde der massive Umbau der Baselbieter Sekundarschul-Standorte abgeblasen. Es bestehen neu 7 Sekundarschulkreise mit insgesamt 17 Standorten. Wohl wurden die Sekundarschulstandorte neu festgelegt, doch in den strittigen Fällen entschied die Politik (fast) ausschliesslich für die betroffene Bevölkerung. Zu verdanken ist das auch der umfangreichen und sensiblen Vorarbeit der entsprechenden Kommission unter SVP-Landrat Karl Willimann.

Was heisst das: Die Jugendlichen aus Bubendorf können weiter die weit nähere und bequemer zu erreichende Sekundarschule in Liestal besuchen. Falls die Liestaler Schule überlastet würde, werden ausgleichend Schülerinnen und Schüler aus dem Westen Liestals nach Frenkendorf verpflanzt.

Reigoldswil wäre zu klein

Der regierungsrätliche Vorschlag, die Bubendörfer künftig nach Reigoldswil zu schicken, wird definitiv nicht umgesetzt. Obwohl damit die Reigoldswiler Sekundarschule unter eine gewisse Mindestgrösse fällt, um wirtschaftlich geführt zu werden, wird sie auch ohne die Blutzufuhr aus Bubendorf weitergeführt. Ihr wurde der Sonderstatus «Randregion» zugesprochen. Erwogen wurde noch, in Bubendorf einen neuen Sekundarschul-Standort zu errichten, in welchen Hölstein eingebunden wird. Doch dies ist trotz finanzieller Vorteile nicht zu verwirklichen, weil Oberdorf eben ein neues, grosszügiges Schulhaus erhalten hat.

Entsprochen wurde schliesslich auch dem Wunsch von Arlesheim und Münchenstein. Ursprünglich hätten die beiden Agglomerationsgemeinden in ein neues, gemeinsames Schulhaus zusammenziehen sollen. Da sich aber beide darauf einigten, wohl die Sekundarschule zusammenzulegen, aber es bei den beiden Standorten in den eigenen Gemeinden zu belassen, willigte der Landrat auch hier ein.

Verlierer ist Münchenstein

Damit ist Münchenstein der einzige Verlierer nach der abgeschwächten Reform. Dort ist die Sekundarschule an der Lärchenstrasse alt und erfüllt die Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr. Bereits hat die Gemeinde einen Platz für ein gänzlich neues Schulhaus reserviert. Doch für den erhofften Neubau müsste der Kanton aufkommen. Die Münchensteiner SP-Landrätin Hanni Huggel verlangt deshalb von der Regierung, gut nachzurechnen, ob sich ein Neubau nicht mehr rentiere, als viel Geld in die Sanierung eines alten Schulhauses zu stecken.

Für den radikalen Umbau, den die Regierung im Zusammenhang mit den stetig sinkenden Schülerzahlen und dem Spardruck geplant hat, konnte sich gestern keine Partei richtig erwärmen. «Die Schule ist eben ein sehr sensibler Bereich», stellte zum Beispiel FDP-Landrätin Bea Fünfschilling fest, «da ist die Angst vor dem Volkszorn gross.»

Demnächst erfolgt Übernahme

Kriterien wie Schulweg, Gewohnheit, Standortvorteile würden mehr wiegen als mögliche Einsparungen, war man sich von Links bis Rechts einig. Zudem wurden die Einsparungen angezweifelt, weil sie dafür andere Kosten - zum Beispiel für einen Radweg nach Reigoldswil oder für teure Studien - anhäufen.

Als Bildungsdirektor kann Regierungsrat Urs Wüthrich mit dieser Niederlage gut leben, die zugleich ein Sieg für seine Schule ist. Gestern wies er nochmals auf die wohl bevorstehenden Kürzung auf drei Sekundarschuljahren hin. Das komplexe Geschäft der Übernahme der Sekundarschulbauten durch den Kanton, ein Dauerthema, soll gemäss Wüthrich bald vorliegen