Weihnachten
Das Christkind ist ein Ex-Posthalter - zumindest im Appenzellerland

Der direkte Draht zum Christkind führt über Wienacht-Tobel im Appenzellerland. Hier beantwortet der pensionierte Posthalter Willi Würzer in der Adventszeit Kinderbriefe, die ans Christkind adressiert sind.

Thomas Roth
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Heimat des Schweizer Christkinds: Das Appenzellerland. KEYSTONE

Heimat des Schweizer Christkinds: Das Appenzellerland. KEYSTONE

Daran vermag auch der Computer nichts zu ändern: Es gibt ihn noch – den klassischen Wunschzettel. Viele Kinder wollen auf Nummer sicher gehen und schreiben dem Christkind eine exakte Wunschliste, die dann eines Nachts vor dem Fest auf wundersame Art und Weise vom Fenstersims verschwindet.

Der direkte Draht zum Christkind führt indes über Wienacht-Tobel im Appenzellerland. Hier beantwortet der pensionierte Posthalter Willi Würzer in der Adventszeit Kinderbriefe, die ans Christkind adressiert sind.

Zwar sind es heute nicht mehr die ganz grossen Berge Weihnachtspost, die der 73-Jährige zusammen mit seiner Frau erledigt. Die Poststelle im Kurort wurde im Frühling 2001 geschlossen; dies, obwohl die 350 Einwohner und der Gemeinderat hartnäckig um den Erhalt gekämpft und Unterschriften gesammelt hatten.

Firmen liessen Weihnachtskarten abstempeln

Früher kamen die Leute von überall her, um ihre Weihnachtskarten im kleinen Ausserrhoder Dorf hoch über dem Bodensee mit dem Aufdruck «Wienacht» stempeln zu lassen. «Viele Firmen liessen ihre Weihnachtskarten in Wienacht abstempeln, um ihren Kunden eine besondere Freude zu machen», so Würzer zur Nachrichtenagentur SDA.

Stapelweise landeten damals die Kinderbriefe auf der Poststelle – immer mit der Adresse: «An das Christkind, 9405 Wienacht». Als dann vor zehn Jahren Schluss war mit der Post im Dorf, wollte Würzer die kleinen Schreiber nicht enttäuschen.

«Solange es geht, mache ich weiter», sagt er. Inzwischen erhält er im Advent noch zirka 150 Briefe, die ans Christkind in Wienacht adressiert sind. Willi Würzer, der 35 Jahre lang die Poststelle leitete, beantwortet immer noch jeden einzelnen, versieht die Marken mit einem Sonderstempel und legt dem Brief eine Weihnachtsgeschichte bei.

Viel verändert habe sich in all den Jahren nicht, erzählt das «Christkind». Auch nicht, dass grössere Kinder Wünsche haben: etwa Frieden auf der Erde oder Gesundheit für einen kranken Verwandten.

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