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Das C fällt weg: Die CVP-Basis spricht sich überraschend deutlich für «Die Mitte» aus

Die CVP muss ihre Materialien neu beschriften.

Die CVP muss ihre Materialien neu beschriften.

60,6 Prozent von 20'668 Mitgliedern stimmten an der Urabstimmung der CVP für den neuen Namen. Präsident Gerhard Pfister zeigt sich erfreut über das Resultat: «Es liegt klar über unseren Erwartungen.»

CVP-Präsident Gerhard Pfister erfuhr das Resultat der Urabstimmung am Montagmittag. Das Advokaturbüro, das damit beauftragt worden war, informierte ihn über die Ergebnisse.

Das Büro hatte insgesamt 76'022 CVP-Mitglieder angeschrieben. 20'668 Stimmen gingen ein, was einer Stimmbeteiligung von 27,2 Prozent entspricht. Das gilt als hoch für eine Partei. Gültig waren 20'168 Stimmen.

12'215 Mitglieder oder 60,6 Prozent sagten Ja zum neuen Namen «Die Mitte». Auf französisch heisst er «Le Centre», auf italienisch «Alleanza del Centro» und auf rätoromanisch «Allianza dal Center». 7'953 Mitglieder oder 39,4 Prozent wollten den Namen CVP behalten.

Noch deutlicher stimmt die Junge CVP Ja dem neuen Namen zu: mit 67,1 Prozent. Zahlen, wie die Mitglieder aus den verschiedenen Kantonen abgestimmt haben, existieren aber keine. Diese seien bewusst nicht erhoben worden, sagt Pfister.

Gerhard Pfister: «Das ist ein klarer Auftrag»

Die CVP-Basis entschied sich überraschend deutlich für den neuen Namen «Die Mitte». CVP-Präsident Gerhard Pfister zeigte sich an der Medienkonferenz «erfreut» über den klaren Entscheid.

Schon ab 1. Januar 2021 soll die CVP auf nationaler Ebene «Die Mitte» heissen, sofern die Pandemie den Prozess in diesem Tempo zulässt. Und im April 2021 soll der erste gemeinsame Parteitag von CVP und BDP das neue gemeinsame Präsidium bestimmen.

Glarus, Bern, Waadt und Aargau machen vorwärts

Die Kantonalparteien hingegen haben nun vier Jahre Zeit sich zu entscheiden, ob sie den Namen CVP behalten wollen oder sich ebenfalls in «Die Mitte» umbenennen wollen. Die Kantonalparteien Glarus, Bern und Waadt haben ihre Fusionsbemühungen schon weit vorangetrieben. Auch der Aargau dürfte vorwärts machen.

Die drei C-Parteien im Wallis hingegen wollen beim Namen CVP bleiben. Auch im Kanton Graubünden dürfte das C vorläufig bleiben. «Die beiden Parteien ergänzen sich komplementär nach Regionen», sagte Pfister.

Am 28. November wird die CVP-Delegiertenversammlungen den Entscheid mit zwei Vorlagen vollziehen: zum Fusionsvertrag mit der BDP und der Statutenänderung wegen des neuen Namens. Die Kantonalpräsidenten haben bereits beide Vorlagen einstimmig gutgeheissen, mit wenigen Enthaltungen. Am 14. November befindet die BDP über die Fusion mit der CVP.

Das C ist ein Hindernis für das Wachstum der Partei

Der Reformprozess CVP2025 war 2016 lanciert worden. Ziel sei es, das Profil zu schärfen und die Strukturen der Partei zu stärken, um wieder Proporzwahlen gewinnen zu können, betonte Fraktionschefin Andrea Gmür. «Für mich persönlich war und bleibt das C kein Problem», betonte sie. «Aber es geht nicht um mich, sondern um die Partei.» Und zudem sei auch sie zum Schluss gekommen, dass sich die Partei öffnen müsse.

Im Frühling hat GfS Bern im Auftrag der CVP zwei Befragungen durchgeführt: eine bei der Parteibasis und eine repräsentative Umfrage bei Stimmberechtigten. Die Umfragen zeigten: Das C hindert die Partei daran zu wachsen. Die CVP hat mit einem neuen Namen ein wesentlich höheres Wählerpotenzial als die 11,4 Prozent, die sie 2019 holte.

Lukas Golder, Co-Leiter von GfS, schätzt es auf maximal 20 Prozent ein. Realistischerweise könne die CVP mit einem neuen Namen bis 2027 auf «gegen 15 Prozent» kommen, hatte er im Juni bei der Präsentation der Umfragen betont.

CVP-Fraktionschefin Andrea Gmür dankte gestern Präsident Pfister. Die C-Diskussion führen wir nun seit Jahrzehnten, sagte sie. Dass nun ein neuer Name möglich geworden sei, habe die Partei Gerhard Pfister zu verdanken. «Er hat das mit seinem Engagement und seiner Glaubwürdigkeit möglich gemacht.»

Autor

Othmar von Matt

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