Bettlach

Das Bewegungsnetz bewegt die Gemüter

Zur Einführung eines lokalen Bewegungs- und Sportnetzes gab es zwar unzählige Voten, aber nur wenige Gegenstimmen. Die Gemeindeversammlung in Bettlach untersuchte dieses Geschäft mit Röntgenblick.

Daniela Deck

«Man kann nie ganz richtig kommunizieren», sagte Pierre-Andre Weber. Als Projektleiter hatte er der Gemeindeversammlung das lokale Bewegungs- und Sportnetz (LBS) ausführlich vorgestellt. Dennoch gab es viele Fragen - und einige Einwände. Besonders das stufenweise Vorgehen war nicht allen verständlich. Die Bewegungskurse für Kinder sollen mit dem neuen Schuljahr im August beginnen, das LBS aber erst im Januar 2010. Wegen der Frist für die Subventionsanträge an Bund und Kanton musste der Entscheid vor der Budgetgemeindeversammlung im Dezember gefällt werden. Während der zweijährigen Pilotphase kostet das LBS beziehungsweise die Anstellung der Koordinatorin Rebekka Oberholzer die Gemeinde 9500 Franken pro Jahr. Dazu kommen Kosten für eine 15-prozentige Administrationsstelle. Die Kinderkurse kosten fünf Franken pro Stunde und Kind und sind selbsttragend.

«Lächerliche Kosten»

Diverse Voten bezogen sich auf die Kosten. «10 000 Franken sind lächerlich, wenn man vergleicht, was sonst in zehn Jahren im Gesundheitswesen für Kosten entstehen würden», merkte ein Teilnehmer an. Hingegen gab Gemeinderat

Erich Walker zu bedenken, für die Reinigung der Turnhallen entstünden weitere Aufwendungen. Guido Zubler stellte den Antrag, auf den Fünfliber Elternbeitrag zu verzichten. Die Kosten würden sich gemäss Projektleiter Weber dann aber im fünfstelligen Bereich bewegen. Der Antrag wurde mit grossem Mehr abgelehnt. Quasi als Trostpflaster verkündete Weber, der Beitrag sinke ab dem zweiten Kind pro Familie auf Fr. 2.50. Ausserdem werde er die Bitte um eine Subvention für einkommensschwache Familien dem Kanton vortragen.

Infostand am Sporttag

Mehrfach fragten Teilnehmer, ob mit dem Angebot die Leute erreicht werden, die es nötig haben. Zweifel, die Weber durchaus teilte. Falls dem nicht so ist, «wäre ich der erste, der das in zwei Jahren eingestehen würde», versicherte er. Paul Wingeier regte an, im Umkreis von 500 Metern um die Schulen ein Fahrverbot zu erlassen, damit die Kinder den Schulweg zu Fuss machen müssen. Ideen zu Infobroschüren und Elternabenden begegnete der Präsident der Jugend-, Kultur- und Sportkommission (JKS), Roger Bader, mit einer Plattform am Sporttag. Die JKS werde dann auf der Sportanlage einen Infostand aufstellen. Denn dort treffe man auch die Eltern an, die sich sonst nicht darum kümmern, ob ihre Kinder Sport treiben.

Obwohl sich der Publikumsaufmarsch mit 70 Stimmberechtigten sehen lassen konnte, gab es dazu kritische Anmerkungen. So etwa von Arnold Messmer: «Ich hätte heute 200 bis 300 Leute erwartet. Wo sind die Vereine?» Diese Frage konnte ihm zwar niemand beantworten. Doch zur Ehrenrettung des Turnvereins erklärte Gabriela Mathys die Unterstützung des Projekts. Was den Bedarf angehe, so seien die Muki- und Kitu-Veranstaltungen ständig überfüllt. Schliesslich hiess die Versammlung die Einführung des Bewegungsnetzes gut, gegen sechs Stimmen, bei fünf Enthaltungen.

Vortrittsregelung Hohle Gasse

Zum Schluss erkundigte sich ein Anwohner, weshalb die «gefährliche Vortrittsfrage» bei der Einmündung der Hohlen Gasse noch nicht gelöst sei. Bauverwalter Titus Moser erklärte, die Verfügung des Kantons liege vor. Doch mit dieser Lösung, die einen Rechtsvortritt vorsieht, war der Fragesteller nicht zufrieden. Traditionsgemäss eröffnete die Musikschule die Gemeindeversammlung. Diesmal begleitete Musiklehrer Henry Fokschinski am Keyboard die Solisten Lorena Burkhalter, Panflöte, und Daniel Schöni, Saxofon.

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