Tägliche BAG-Meldung

Das bedeutet die Fallzahl der Corona-Neuansteckungen bei näherer Betrachtung

Massgeblichen Einfluss hat die Zahl der Tests. Am Donnerstag waren es über 15'000.

Massgeblichen Einfluss hat die Zahl der Tests. Am Donnerstag waren es über 15'000.

Die Neuinfektionen werden stärker beachtet als jeder Börsenkurs. Eine Einordnung.

Es ist, als würde die Zahl jeden Tag das Leben der Bevölkerung bewerten. Und unser Verhalten. Die 137 Neuinfektionen am Mittwoch waren ein Vorwurf – an wen auch immer, den Bund, die Kantone, jede Einzelne. Gestern 116 Neuinfektionen. Das könnte alles bedeuten: die zweite Welle, das neu erreichte Plateau nach den Lockerungen oder (unwahrscheinlich) gar ein Rückgang der Infektionen.

Aber für 24 Stunden ist die Zahl kleiner als die vorherige. Der Puls etwas ruhiger. Man könnte verdrängen, dass die tägliche Zahl auch schlicht davon abhängt, wie viele Kantone ihre Zahlen wie schnell gemeldet haben und vor allem wie und wie schnell sie beim BAG registriert wurden.

Die wahre Kurve der Neuinfektionen ist immer erst mit drei Tagen Verspätung ablesbar.

In der EU gilt ein Land als Risikogebiet, wenn es mehr als 50 Neuinfizierte pro 100'000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt. Auf die Schweiz übertragen würde dieser Grenzwert nach einer Woche mit täglich 612 Neuinfektionen erreicht, wie das Onlineportal «Watson» ausgerechnet hat. Das war zuletzt am 8. April der Fall.

15'117-mal ein Wattestäbchen in einer Nasenhöhle – allein am Donnerstag

Doch es gibt auch einen tieferen Grenzwert, nämlich den der die EU für nichteuropäische Länder anwendet: Die Neuinfektionen eines Landes dürfen in den letzten zwei Wochen pro 100'000 Einwohner nicht über dem Durchschnittswert der EU liegen. Momentan liegt dieser nur bei 16. Das würde für die Schweiz nicht mehr als 98 Neuinfektionen pro Tag bedeuten. Zum Glück entscheidet die Politik meist nicht aufgrund nackter Zahlen.

Auch mit nun über 100 Neuinfektionen trifft es übers Land verteilt täglich sehr wenige. Damit man sie überhaupt findet, sind Tausende Tests nötig. 15'117 waren es allein am Donnerstag. 15'117-mal ein Wattestäbchen in einer Nasenhöhle. Am Freitag wird die Gesamtzahl aller in der Pandemie gemachten Corona-PCR-Tests 600'000 überschreiten. Einige haben mehr als einen Test gemacht, zum Beispiel das Gesundheitspersonal, aber wohl jeder 20. Schweizer hat sich testen lassen. 6,4 Prozent aller Tests sind positiv. Es wurden aber viel mehr infiziert: Laut den Antikörpertests je nach Region jeder Zehnte oder nur jede Hundertste.

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