Gerhart Isler

«Das ändern, was viele gestört hat»

Jetzt steht es fest: In stiller Wahl wird Gerhart Isler neuer Gemeindeammann in Bergdietikon. Was sich mit Beginn der neuen Amtszeit ändern soll und was nicht, sagt der Vertreter des Bürger-Forums.

Daniel Winter

Herr Isler, ab 2010 stellt nicht mehr eine der alteingesessenen Ortsparteien den Gemeindeammann, sondern das junge Bürger-Forum Bergdietikon (BFB). Was ändert sich damit?

Gerhart Isler: Das Rad muss nicht neu erfunden werden - auch in Bergdietikon nicht. Also wird sich nichts Grundsätzliches ändern, das macht keinen Sinn. Das Bürger-Forum ist keine kantonale oder nationale Partei, sondern konzentriert sich nur auf Bergdietikon und seine Bürger. So werden wir versuchen, das zu ändern, was in den letzten Jahren viele offensichtlich gestört hat, sonst wäre dieses Wahlresultat ja nicht zustande gekommen.

Das heisst?

Isler: Wir wollen die Kommunikation mit und zu den Bürgern verbessern; mehr Transparenz schaffen; attraktivere Gemeindeversammlungen anbieten, an denen die Bürger gerne teilnehmen; den Service und die Erreichbarkeit der Verwaltung verbessern. Sicher steht auch eine strikte Kostenkontrolle weit oben auf der Arbeitsliste, damit unsere Gemeinde noch attraktiver wird, als sie es ist. Um dies zu erreichen, braucht es in einem demokratischen System Mehrheiten, im Gemeinderat wie auch in der Bevölkerung. Damit wir unsere Ideen durchbringen, bedarf es deshalb viel Überzeugungsarbeit und somit vieler Gespräche.

Wie werden Sie die Rolle des Gemeindeammanns gegen aussen interpretieren?

Isler: Wie die Kollegin und die Kollegen des Gemeinderats soll auch der Gemeindeammann in erster Linie für die Anliegen der Bevölkerung da sein. Ich will auf die Menschen zugehen und ihnen zeigen, dass sie als wichtige Teile der Gemeinde ernst genommen werden, dass sie auch als Individuen zur Entwicklung dieser Gemeinde beitragen können und müssen. Vielleicht gelingt es mir sogar, den ganz wenigen Feiglingen, die anonyme Briefe schreiben und Wahlplakate nachts beschädigen, zu zeigen, dass sie ihre Meinung offen sagen dürfen und sollen. Nur dann praktizieren wir Demokratie. Und ich will mich mit aller Kraft für mehr Standortmarketing Bergdietikons einsetzen und meine Beziehungen in weite Wirtschaftskreise ausnützen.

Und wie wollen Sie gegen innen, im Gemeinderat und in der Gemeindeverwaltung, wirken?

Isler: Zuerst einmal will ich mit den Mitarbeitern reden, ihnen zuhören und wissen, wer was zu sagen hat; Ideen aufnehmen, denn die an der Front wissen am besten, wenn und wo etwas falsch läuft. Mir ist aufgefallen, dass sich viele nicht mehr gewohnt sind, laut zu sagen, was sie denken - das muss anders werden. Als Unternehmer weiss ich, dass uns nur gute Kritikfähigkeit und Offenheit weit bringen. Das gilt es, im Gemeinderat umzusetzen. Und schliesslich will ich effizient arbeiten und nicht mit zu vielen Sitzungen den Leuten letztlich die Freude an der Arbeit nehmen. Man kann dank den modernen Kommunikationsmitteln sehr effizient und zeitsparend arbeiten.

Das BFB war als «regierungs- und verwaltungskritische» Gruppierung gestartet. Jetzt ist es in den Behörden selbst, ja an der Spitze der Gemeinde «angekommen». Was wird aus ihm? Hat es seine Aufgabe erfüllt?

Isler: Das BFB hat seine Aufgabe überhaupt noch nicht erfüllt - im Gegenteil: Jetzt gilt es das umzusetzen, wofür wir in den letzten Jahren eingestanden sind. An der Organisation des BFB muss sich nichts ändern. Wir wollen nicht eine Partei sein mit offiziellen Strukturen, die vieles erschweren und Prozesse verlangsamen. Das passt offensichtlich vielen Bürgern, haben wir unter unseren Mitgliedern doch auch Leute, die einer Partei angehören. Es ist wie im Fussball: Eine Mannschaft muss Tore schiessen - wer sie schiesst, ist egal. Und so ist es auch in Bergdietikon: Ob SVP, FDP oder BFB gut herauskommen, ist unwichtig - wichtig ist, dass wir alle als Mannschaft letztlich die Tore schiessen. Das heisst, einen guten Job machen. Wenn ich als Captain dieser Mannschaft als Vorbild und «Antreiber» einen Beitrag leisten kann, freut mich das.

Sie müssen im Gemeinderat und als Ammann «aus dem Stand» beginnen oder, wie der SVP-Präsident sagt, «bei null». Könnte das ein Problem werden? Wie bereiten Sie sich vor?

Isler: «Bei null» beginnen hat den grossen Vorteil, dass man unbelastet und ohne jegliche Verfilzung mit neuem Elan an die Arbeit geht. Darum gibt es in gut organisierten Gremien Amtszeitbeschränkungen. Das sollten wir uns für Bergdietikon auch mal überlegen. «Bei null» beginnen heisst auch, dass man völlig vorurteilslos an die Arbeit geht. Das ist in der Kommunalpolitik besonders wichtig. Vorbereitung für den Job heisst, die Dossiers, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Mitarbeiter kennen lernen und auf die Erfahrungen eingehen.

Werden Sie als Gemeindeammann das Ressort Finanzen übernehmen?

Isler: Ich nehme an, dass die Ressorts nach Absprache mit den Ratskollegen verteilt werden. Dass mir als langjährigem Verleger der grössten Finanzzeitung des Landes die Finanzen nahe liegen, ist logisch. Aber egal, ob ich diesem Ressort vorstehen werde oder nicht: Das Ziel bleibt die Kostenkontrolle - da müssen wir als Team einen guten Job machen, jedes Ressort trägt zum Gesamtresultat bei. Sehr wichtig wird auch das Ressort Planung sein, stehen doch wichtige, grosse Geschäfte an.

Wie viel Zeit werden Sie für das neue Amt als Gemeindeammann einsetzen?

Isler: So viel Zeit, wie es braucht, um die Ziele zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass wir Zeit sparen respektive diese für Sinnvolleres als für zu viele und zu lange Sitzungen einsetzen können, wenn wir uns gut organisieren und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten ausschöpfen. Es muss immer Zeit vorhanden sein, um für unsere Mitarbeiter und für unsere Kunden, die Bevölkerung von Bergdietikon, da zu sein.

Wo würden Sie sich selber im traditionellen Parteienschema einordnen: Eher bei der SVP oder bei der FDP oder bei einer anderen Partei?

Isler: Die althergebrachten Schemata von «links» oder «rechts» sind vorbei. Das sieht man in der Weltpolitik. Das muss hierzulande besser werden, damit unproduktive Grabenkämpfe reduziert werden. Das «traditionelle Parteien-schema» stirbt langsam. Warum sonst haben wir gerade auf kommunaler Ebene immer mehr parteilose Quereinsteiger? In bestimmten Fragen bin ich ein Grüner, denn wir müssen zu unserer Umwelt Sorge tragen. Es gibt Belange, da kommen aus dem SP-Lager gute Vorschläge. Kurz: Der gesunde Menschenverstand muss im Vordergrund stehen, nicht stures Parteidenken. Für uns gibt es ein Ziel: Wir sollen mit Stolz sagen können «Ich bi vo Bergdietike!».

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