Pressekonferenzen
Darum ist Alain Berset der beliebteste (männliche) Bundesrat

SP-Innenminister Alain Berset tritt nach Bundesratssitzungen mit Abstand am häufigsten vor die Medien – im Schnitt alle drei Wochen. Diese Art der Kommunikation zahlt sich aus: Berset gilt als beliebtester männlicher Bundesrat.

Lorenz Honegger
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Alain Berset an der Eröffnung der Solothurner Filmtage 2012

Alain Berset an der Eröffnung der Solothurner Filmtage 2012

Keystone

Pressekonferenzen sind für Bundesratsmitglieder ein Hochseilakt. Manchmal reichen ein paar wenige unbedachte Worte, und die politische Diskussion gerät völlig aus den Fugen.

Ein Beispiel: Kurz vor Weihnachten erwähnte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf an ihrer Bilanzpressekonferenz eher beiläufig, dass die Schweiz im Finanzbereich zu bestimmten Formen des Informationsaustauschs Hand bieten würde.

Die Aussage schlug ein wie eine Bombe. Denn der Bundesrat hatte nur einen Tag vorher offiziell noch eine ganz andere Position eingenommen. Das Ansehen der Bündner Magistratin hat seither gelitten.

Doppelt so viele Auftritte

Kein Wunder, meiden manche Regierungsmitglieder die Auftritte nach den Bundesratssitzungen wie der Teufel das Weihwasser. Andere lassen jedoch kaum eine Gelegenheit aus, um mit ihren Ideen die Zeitungsspalten zu füllen.

Zu dieser Kategorie gehört der amtsjüngste Bundesrat Alain Berset.

Seit seinem Antritt als Innenminister im Januar 2012 machte der 40-Jährige der Bundeshauspresse im Schnitt alle 20 Tage oder rund 23-mal im Konferenzsaal des Berner Medienzentrums die Aufwartung, mehr als doppelt so häufig wie sein Vorgänger im Innendepartement, FDP-Bundesrat Didier Burkhalter.

Berset hatte nach knapp elf Monaten im Amt gleich viele Pressekonferenzen abgehalten wie Burkhalter in seiner gesamten, mehr als zwei Jahre langen Ägide als Innenminister. Der Freisinnige wagte den Schritt an die Öffentlichkeit im Schnitt nur alle 50 Tage.

Ein Kommunikationsverantwortlicher beim Innendepartement begründet die vielen Auftritte Bersets mit der hohen Zahl an Abstimmungs- und Gesetzesvorlagen, die der Freiburger seit der Vereidigung zu bestreiten hatte.

Auch im Vergleich zu den anderen Bundesräten sucht Alain Berset das Rampenlicht mit Abstand am häufigsten. Die zweitplatzierte SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga brachte es seit Januar 2012 auf 15 Pressekonferenzen.

Bei Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) waren es 14, bei Johann Schneider-Ammann (FDP) 13, bei Doris Leuthard (CVP) zehn, bei Didier Burkhalter (FDP) acht und bei Ueli Maurer (SVP) sechs Auftritte.

Nur wenige Erwähnungen

Für Berset scheint sich die offensive Kommunikation auszuzahlen: Nach weniger als eineinhalb Jahren im Amt gilt er bereits als beliebtester männlicher Bundesrat.

Gemäss dem Politbarometer der «SonntagsZeitung» von Anfang Monat sind 70 Prozent aller Schweizer der Meinung, er solle in der Politik «eine wichtige Rolle» spielen.

Allerdings: Auf die Intensität der Berichterstattung hat die Zahl der Auftritte nach den Bundesratssitzungen nur einen bedingten Einfluss.

Seit Januar 2012 wurde er in den Print- und Online-Medien nur 4880- mal erwähnt – deutlich seltener als seine Regierungskollegen Widmer-Schlumpf (8460), Maurer (6780) und Leuthard (6760).

Noch schwerer einzuschätzen ist, ob sich die regelmässigen Pressekonferenzen im politischen Alltagsgeschäft auszahlen.

Ins eigene Bein schoss sich Berset vermutlich, als er seinen Gegenvorschlag zur Initiative für eine Einheitskrankenkasse ohne Not schon im Oktober 2012 in den Grundzügen präsentierte und damit seinen politischen Gegnern die Möglichkeit gab, die Gesetzesvorlage vor ihrer Fertigstellung mit mehreren Vorstössen im Parlament faktisch zu versenken.

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