Debatte
Darf eine Kopftuchträgerin beim Radio arbeiten?

Eine Kopftuchträgerin bewirbt sich beim Westschweizer Radio. Die SRG zögert, die Muslima anzustellen, während Linke und Rechte mit frischen Argumenten überraschen.

Lorenz Honegger
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«Die junge Frau ist eine journalistische Nachwuchshoffnung», sagt Werner De Schepper, Dozent an der Universität Neuenburg und Mitglied der az-Chefredaktion. Die Westschweizerin, von der De Schepper in den höchsten Tönen spricht, bringt einen Master-Abschluss in Journalismus mit. Auf der Redaktion des Westschweizer Radios (RSR) hat sie sich nach einem zweimonatigen Praktikum bestens eingelebt.

SRG will Richtlinien ausarbeiten

Im Dezember bewarb sie sich für eine Festanstellung, doch die RSR-Verantwortlichen zögern mit einer Zusage. Nicht wegen der Qualifikationen der schweizerisch-ägyptischen Doppelbürgerin, sondern wegen ihres Kopftuchs. Bis Ende Monat will die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) laut «24 Heures» nationale Richtlinien für religiöse Symbole ausarbeiten. Die Grundsatzfrage lautet: Wie viel Religionsfreiheit erträgt der Staatsbetrieb SRG?

Wer beim SVP-Nationalrat und Lastwagenunternehmer Ulrich Giezendanner nachfragt, erwartet eine klare Absage an die Kopftuchträgerin. Doch Giezendanner überrascht mit Pragmatismus: «Wenn sie die nötigen Fähigkeiten mitbringt, würde ich die junge Frau einstellen, auch wenn dies nicht der Parteilinie der SVP entspricht. Sie tritt ja nicht im Fernsehen auf», sagt er. Mit einem öffentlichen Amt oder einer Lehrfunktion sei das Kopftuch aber «nicht vereinbar», schiebt der Aargauer nach.

Levrat überraschend kritisch

Überraschend kritisch beurteilt SP-Präsident Christan Levrat die Auslegeordnung. «Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass sich Personen in öffentlichen Ämtern mit religiösen Symbolen zurückhalten sollen», so Levrat. «Die SRG ist ein Grenzfall. Am Fernsehen könnte ich mir eine Kopftuchträgerin nicht vorstellen.»

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, rät der Jungjournalistin, das Kopftuch abzulegen. «Ich würde ihr erklären, warum sie mit dem Kopftuch Unbehagen auslöst», sagt sie. «Sie kann Irritationen vermeiden und trotzdem eine religiöse Person sein.» Keller-Messahli begrüsst die öffentliche Diskussion, an ihrer Meinung aber hält sie fest: «Die SRG vertritt den laizistischen Staat nach aussen und sollte deshalb religiöse Insignien vermeiden.»