Instrumentalunterricht

Dank Sozialrabatt in die Musikschule?

Bis zu 2000 Fanken im Jahr für eine Instrumentallektion pro Woche sind in Schweizer Schulen an der Tagesordnung. Das ist für viele Familien zuviel. Jetzt gibt es eine Idee, wie Musikunterricht für alle Kinder erschwinglich werden könnte.

Wenn ein Kind an einer Musikschule Blockflöte, Akkordeon oder Posaune lernt, müssen die Eltern nur einen Teil der Unterrichtskosten berappen. Nach Angaben des Bundesamts für Kultur werden die Gesamtkosten für den ausserschulischen Unterricht an Musikschulen im Schweizer Durchschnitt zu 14 Prozent durch die Kantone, zu 46 Prozent durch die Gemeinden und zu 40 Prozent durch Schulgelder (Eltern) gedeckt.

Doch dies sind nur Durchschnittswerte. Gemäss Unterlagen des Verbands Musikschulen Schweiz, die dieser Zeitung vorliegen, müssen Eltern im Kanton Zug nur 15 bis 20 Prozent der Kosten tragen, im Kanton Zürich hingegen bis zu 55 Prozent. Der Anteil der Schulgelder variiert aber auch innerkantonal von Gemeinde zu Gemeinde und von Schule zu Schule.

Lehrersalär beeinflusst Schulgeld

Die Höhe der Elternbeiträge hängt nicht nur vom «Schlüssel» ab, der in der Gemeinde zur Anwendung kommt. Ausschlaggebend ist auch die Höhe des Lohns des Musiklehrers oder der Musiklehrerin. «Bei den Salären sind die Unterschiede bei gleicher Ausbildung enorm», sagt Hector Herzig, Präsident des Vereins Jugend und Musik.

Als Spitzenreiter bei den Löhnen nennt Herzig den Kanton Basel-Landschaft; «weit weg davon» seien die Kantone Solothurn, Aargau oder auch Graubünden. «In der Regel sind die Musikschulen unter kommunaler Hoheit, ohne kantonale gesetzliche Absicherung und damit auch am kommunalen Gängelband», erklärt der Initiator der «Musikinitiative». «Ist der Gemeinderat musisch, geht es der Musikschule gut. Wenn nicht, dann nicht.» Er wünscht sich eine «gewisse Harmonisierung» der Lohnstruktur. Ins selbe Horn stösst Niklaus Rüegg vom Verband Musikschulen Schweiz: «Ausgeglichene Lehrergehälter wären erstrebenswert», sagt er.

Ermässigungen institutionalisieren

Ein gutes Salär hat Folgen: Ausserschulischer Musikunterricht im Kanton Basel-Landschaft ist teuer. Und damit bezahlen Eltern im Baselbiet viel. Konkret: Eine 50-minütige Einzellektion kostet an der Musikschule Liestal 1100 Franken im Semester. In Basel sind es 786 Franken. In der Stadt Solothurn ist ein ganzes Jahr Musikunterricht für 580 Franken zu bekommen (Lektion à 25 Minuten).

Kosten von 2000 Franken im Jahr für eine Instrumentallektion pro Woche seien in der Schweiz an der Tagesordnung, sagt Daniel Zimmermann vom Bundesamt für Kultur. Die Befürworter des Verfassungsartikels musikalische Bildung, über den am 23.September abgestimmt wird, halten fest: «Hohe Elternbeiträge stellen in vielen Kantonen auch für Mittelstandsfamilien ein grosses Problem dar.» Schliesslich möchten viele Eltern nicht nur einem Kind das Erlernen eines Instruments ermöglichen.

Ziel der IG Jugend und Musik ist es, dass alle Kinder auf freiwilliger Basis eine Musikschule besuchen können, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern. Nach Angaben des Verbands Musikschulen Schweiz kennt etwa ein Viertel der 480 Musikschulen Ermässigungen wie Geschwisterrabatte. «Es gibt keine institutionalisierten Ermässigungen für wenig begüterte Familien», sagt Rüegg. Hector Herzig, der als ehemaliger Schulleiter der Musikschule Liestal mit solchen Sozialrabatten gearbeitet hat, sagt: «Es braucht eine soziale Abstufung der Tarife nach steuerbarem Einkommen.» Die Einführung eines Sozialrabatts sei nicht besonders aufwendig, meint er.

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