Der Auftritt von Daniele Ganser war gross angekündigt: «Ganser kommt», steht in Grossbuchstaben auf der Einladung des nordrhein-westfälischen Mittelstandsforums der AfD, der als rechtspopulistisch geltenden Partei «Alternative für Deutschland».

Das Mittelstandsforum des AfD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen (NRW) hatte den Schweizer Friedensforscher und Publizisten zu einem Vortrag nach Deutschland eingeladen. Mittelstandsforum-Sprecher ist AfD-Mann Matthias Gellner, der für den Landtag von NRW kandidiert.

Geheimer Veranstaltungsort

Gansers Auftritt war für den achten Mai angekündigt gewesen, irgendwo «im Grossraum Wuppertal». Der genaue Ort blieb zunächst geheim: «Die genaue Adresse wird den Karteninhabern nach Anmeldung mitgeteilt», steht auf der Einladung. Daniele Ganser hätte dort zum Thema «Der globale Kampf um Erdöl und Erdgas: Was bedeutet das für den Mittelstand?» sprechen sollen.

Nun hat der Basler seinen Auftritt abgesagt. Auf seiner Internetseite zitiert das Mittelstandsforum Daniele Ganser mit den Worten: «Es herrscht ein Informationskrieg. Ich kann zu dieser Veranstaltung leider nicht kommen.» Die Organisatoren veröffentlichten zudem ein Schreiben, in dem Ganser seine Absage erklärt.

Darin macht er hauptsächlich die Medien verantwortlich. «Als Schweizer und als Friedensforscher bin ich davon überzeugt, dass alle Menschen miteinander sprechen sollen, unabhängig von Parteizugehörigkeit oder Nationalität. Doch weil verschiedene Medien derzeit versuchen, mich wegen meiner Forschung zu den Nato-Kriegen und zu WTC7 (World Trade Center 7, Anm. der Redaktion) zu diffamieren und auch die AfD in die rechte Ecke rücken, kann ich diesen Vortrag leider nicht halten.»

Ganser: Ich habe links gewählt

Einige Journalisten würden, so Daniele Ganser weiter, behaupten, dass seine Friedensforschung «rechts» sei, was nicht stimme. «Ich bin nicht Mitglied irgendeiner Partei, ich bin unabhängig.» Er habe zwar immer linke Parteien gewählt, halte aber einen Diskurs über die Parteigrenzen hinweg für «wertvoll und wichtig». Auch europäische linke Parteien hätten immer wieder Nato-Kriege unterstützt, was er als Friedensforscher «völlig falsch» finde. Auf die schriftlichen Fragen der «Schweiz am Wochenende» von gestern Nachmittag haben weder Daniele Ganser noch der Sprecher des Mittelstandsforums reagiert.