Jammern liege ihm nicht. Das betont Daniel Stolz schon vor dem Gespräch. Dass ihn die Abwahl aus Bundesbern hart traf, ist dem Ex-FDP-Nationalrat aus Basel-Stadt gleichwohl anzumerken. Sie sei «ein Schnitt» in seinem Leben gewesen, gleichzusetzen mit einer fristlosen Entlassung.

An diesem heissen Sommertag trübt keine Wolke den Himmel über Basel. Nun, da viele in die Ferien aufgebrochen sind, zeigt sich die Innenstadt von ihrer schönsten Seite.

Auf der Suche nach etwas Schatten weichen wir in einen öffentlichen Garten aus. Stolz hat jetzt Zeit. Der 48-Jährige ist freundlich und nett. Er wählt seine Worte mit Bedacht.

Die Abwahl letzten Oktober habe er nach acht Monate «zur Hälfte» verdaut, so der gelernte Chemielaborant und heutige Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel.

Wer gibt schon gerne Amt und Einfluss ab, wenn er dem exklusiven Kreis der 200 Volksvertreter angehörte? Gerade ein Animal Politique wie Stolz, der als 17-Jähriger den Jungfreisinnigen beitrat und danach – stetig, aber ohne zu drängeln, Stufe um Stufe erklomm, bis zum Nationalrat.

Er habe jedoch immer gewusst, dass die Aufmerksamkeit, die ihm als Bundesparlamentarier zuteilwurde, nicht persönlich, sondern seinem Amt galt. «Da konnte ich gut abstrahieren, was nicht jedem gelingt.»

Am Wahlsonntag musste Daniel Stolz nicht lange zittern. In Basel-Stadt sind die Stimmen rasch ausgezählt. Als das Resultat feststand, tauschte er sich kurz mit seinem CVP-Ratskollegen Markus Lehmann aus, dem anderen grossen Verlierer an jenem verregneten Tag.

Dann trat er im Wahlzentrum pflichtbewusst vor seine Partei und die Medien. Wirklich schmerzhaft wurde es für jedoch erst Tage später, als er die Termine schwinden sah. «Mein Kalender hat sich innert einer Woche zur Hälfte geleert», sagt er.

Zusätzliches Salz in die Wunde war, dass die FDP insgesamt gestärkt aus den Wahlen hervorging. Dies, nachdem ihm als damaligem Präsidenten der kantonalen FDP in den vorangegangenen Wahlen das Kunststück gelungen war, den Stimmenanteil in Basel entgegen dem nationalen Trend zu halten.

Kampf um Einfluss

Um nicht in ein Loch zu fallen, hatte sich Stolz auf seine Abwahl vorbereitet. Denn er wusste, dass sein Sitz wackelt. Sein schärfster Widersacher, der letztlich für die Liberale Partei das Rennen machte, war niemand Geringerer als der Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann.

«Ich bin ein Mensch, der in Varianten denkt und rechnet», sagt Stolz. Was er danach brauchte, war ein neues Ziel. Das bringe einem nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiter. Sein Plan B: sich in Organisationsentwicklung weiterbilden.

Vom Notfonds, der abgewählten Bundesparlamentarier einen finanziellen Zustupf für die ersten Monate gewährt, machte Stolz keinen Gebrauch. Er sei stets überzeugter Milizpolitiker gewesen, auch wenn es immer schwieriger werde, neben dem Nationalratsmandat einen eigentlichen Beruf auszuüben, wie er sagt.

Sein Pensum hat er nach der Abwahl aus dem Nationalrat wieder aufgestockt und zugleich sämtliche politischen Ämter abgegeben. Aktiv ist er heute nur noch als Präsident des Rockfördervereins in der Kulturpolitik. Er wolle das Klischee aufbrechen, wonach moderne Musik nur etwas für Linke sei, sagt er.

Eine Rückkehr in die Politik schliesst

Daniel Stolz dennoch nicht aus. Er verfolge aber keinen Masterplan. So liegt auch
seine persönliche Website in einem Dornröschen-Schlaf und wartet darauf, wachgeküsst zu werden.

Der Basler hat im Bundeshaus keine grossen Stricke zerrissen. Allerdings war sein Start schwierig. 2012 rutschte er für den verstorbenen Nationalrat Peter Malama nach und erbte auch dessen Sitz in der Sicherheitskommission.

Doch Stolz sagt: «Meine Stärken liegen anderswo.» So kostete es ihn viel Energie, sich einen Platz in der gewünschten Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit zu ergattern.

Stolz, der mit seinem Partner am Grossbasler Rheinufer wohnt, bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Von den Medien sei er zuweilen auf seine sexuelle Orientierung reduziert worden – eine Tatsache, die ihn «eher amüsiert» hat.

Politisch sei es allerdings sicher kein Vorteil, homosexuell zu sein. Offen diskriminiert wurde er im Nationalrat deswegen aber nicht. Schwule und Lesben im Bundeshaus seien sich über die Parteigrenzen hinweg bewusst, einer Minderheit anzugehören. Das verbinde.

Stolz bringt die Rezeptur für Einfluss in Bundesbern auf folgenden Nenner: Einsitz in einer wichtigen Kommission, die richtigen Informationen von Spezialisten, Ansehen innerhalb der Fraktion und viel Durchhaltevermögen.

Für Aussenstehende sei es nicht immer einfach, einflussreiche Politiker von Leichtgewichtigen zu unterscheiden. «Die, die am lautesten schreien, sind nicht automatisch auch die kompetentesten.» Hätten ihn die Wahlberechtigten für eine zweite Legislatur nach Bern geschickt, hätte er sich stärkeren Einfluss auf Dossiers wie die Rentenreform oder das Krankenkassenwesen erhofft.

Hätte. Wäre. Wenn. Er werfe sich nichts vor, sagt Stolz. Er habe einen intensiven Wahlkampf geführt, sei letztlich aber Opfer einer Grundstimmung in der Bevölkerung geworden.

«Die Zukunft der Universität Basel war das grosse Thema im Vorfeld der Wahlen. Die Bürger wollten jenen Politiker nach Bern schicken, der sich für die Uni einsetzt. Das respektiere ich.»

Jetzt, da die Bundespolitik passé ist, erlebt Stolz auch die sonnigen Seiten: «Ich esse nicht mehr so spät und habe deutlich abgenommen.» Und er habe nun mehr Zeit, um zu lesen. Am liebsten Aussenpolitisches. Aus dritter Hand lesen zu müssen, worüber er vorher direkt mitbestimmt hat, das wolle er sich nicht antun.