Brugg
Daniel Moser: Pilot und Brugger Stadtammann

Auf dem Rückflug von Hongkong nach Kloten übergibt Daniel Moser das Flugzeug an den Copiloten Marco Arioli und stellt sich den Fragen der Aargauer Zeitung.

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Daniel Moser

Daniel Moser

Aargauer Zeitung

Peter Belart

Geografischer Ort: zwischen Magnitogorsk und Moskau. Örtlichkeit: Im Cockpit des Swiss-Airbus A-340 HB-JMH. Zeit: Irgendwann um 3.00 Uhr. Schwarze Nacht. Dann und wann taucht orangerot der Mond auf. Das Surren der Triebwerke.

Herr Moser, wir befinden uns 11 km über der Erdoberfläche. Daraus ergibt sich gewiss eine andere Optik auf die Stadt Brugg und ihre Probleme.
Daniel Moser (lächelt): Ja, ich bin dankbar für die mir gebotene Möglichkeit, sowohl die Probleme als auch die Chancen von Brugg aus reichlicher Distanz zu betrachten und zu überdenken. Dabei denke ich nicht nur an die Höhe über Grund, sondern auch an die Distanz. Ich war immer neugierig zu beobachten, wie die Menschen in andern Erdregionen ihr Leben meistern.
Da relativiert sich wohl einiges.
Moser: Aber sicher! Während wir in Brugg darüber diskutieren, ob die polierten Bsetzisteine aufgeraut werden sollten, kämpfen hier, direkt unter uns, Menschen ums nackte Überleben. Es wäre wohl ganz nützlich, wenn wir uns dies von Zeit zu Zeit vor Augen hielten.
Wollen Sie diesen Gedanken verdeutlichen?
Moser: Schon vor Amtsantritt wurde ich mit Problemchen konfrontiert, die mich offen gestanden in ihrer Begrenztheit verblüfften. Allzu oft werden direkt die Juristen bemüht, anstatt das Gespräch zu suchen. Und ich hatte schon mehrmals das Gefühl, auf eng und kleinkariert argumentierende Politiker zu treffen. Sie sollten einmal vor diese Dimensionen gestellt werden, vor die Weiten und Höhen des Raums.
Sie denken jetzt schon intensiv an Ihre neue Aufgabe.
Moser: Selbstverständlich. Ich habe mir viel vorgenommen.
Zum Beispiel?
Moser: Ich möchte den TeamworkGedanken verstärkt einbringen. Wir müssen Legislaturziele klar formulieren, diese kommunizieren und uns gemeinsam auf den Weg zu neuen Lösungen machen. Ja, auch die Kommunikation will ich unbedingt verbessern, die Kommunikation innerhalb der politischen Gremien, aber auch gegen aussen.
Teamwork auch mit den umliegenden Gemeinden?
Moser: Das versteht sich von selbst. Zuerst möchte ich mich darauf konzentrieren, hier Gräben zuzuschütten. Ich will selber die ersten Schritte auf die Nachbarn zu machen, neue Kontakte knüpfen. Es ist absolut unabdingbar, insbesondere mit Windisch auf einer andern Basis zu kommunizieren. Ich will unbedingt vermeiden, in alte Gleise zurückzufallen.
Sie befinden sich also gedanklich gegenwärtig zwischen zwei Welten.
Moser: Ja, die beiden Berufsfelder greifen irgendwie ineinander. In ruhigen Momenten studiere ich an meinen ersten Auftritten herum, an der Neujahrsansprache, am Unternehmer-Apéro. Aber wenn ich im Cockpit sitze und die Verantwortung für das Flugzeug und die Menschen darin trage, gibts keine halben Sachen. Ich will meinen Beruf bis zum letzten Moment gut machen. Auf gar keinen Fall nehme ich mir jetzt, bei meinem letzten Flug, irgendwelche Freiheiten heraus.
Was macht Ihnen Angst an der neuen Aufgabe?
Moser: Nein, Angst ist ein falsches Wort. Aber ich habe grossen Respekt, nicht vor einzelnen Aspekten, sondern vor der Aufgabe als Ganzes. Diesen Respekt will ich unbedingt bewahren, auch wenn ich dereinst erste Erfahrungen gesammelt habe. Wenn der Respekt verloren geht, wird man überheblich, und es entsteht Schaden.
Und worauf freuen Sie sich ganz besonders?
Moser: Ich halte es für ein Privileg, noch einmal etwas ganz anderes lernen zu dürfen. Das ist ohne Zweifel eine Horizonterweiterung für mich. Ich freue mich darauf, neue Leute kennen zu lernen, neue Verknüpfungen zu suchen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit vielen andern Menschen, diese Region vorwärtszubringen. Ja, ich will Freude und Stolz an der Region - nicht nur an der Stadt! - vermitteln.
Was gedenken Sie zu tun, um in vier Jahren wieder gewählt zu werden?
Moser: Diese Frage ist falsch gestellt. Ich werde ganz gewiss nicht mit dem Blick auf eine etwaige Wiederwahl politisieren. Ich möchte die Dinge so tun, wie ich es für richtig halte. An der Urne wird sich dann zeigen, was die Stimmbürger davon halten. Wenn sie mit meiner Arbeit zufrieden sind, freue ich mich. Wenn nicht, geht für mich auch keine Welt unter. Wichtig ist mir einfach, dass ich authentisch bleibe.