TV-Talk
Daniel Koch: «Meine Grundhaltung zu Masken ist noch immer dieselbe»

Vor einem Jahr war der Name Daniel Koch noch kaum jemandem ein Begriff, heute ist der mittlerweile pensionierte «Mr. Corona» des Bundesamts für Gesundheit schweizweit bekannt. In der Sendung «TalkTäglich» der TV-Sender von CH Media blickte Koch auf sein Jahr 2020 zurück.

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Der Schlüsselmoment war im Januar. Es war ein grosses Ministertreffen zur Patientensicherheit in Montreux geplant, erzählt Daniel Koch. «Und wir hatten kurz vorher eine Sitzung, in der wir Bundesrat Berset gesagt haben, schauen Sie, es wäre besser, man würde das absagen. Das war der Moment, in dem man plötzlich gemerkt hat: Da kommt etwas Grösseres.»

Der Berner Arzt Daniel Koch war damals seit 2008 Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit. Im Laufe des Pandemie-Jahres 2020 avancierte er zu «Mr. Corona», stand plötzlich Seite an Seite mit dem Bundesrat fast täglich im Rampenlicht:

Am Dienstagabend war Koch zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» der regionalen TV-Sender von CH Media, zum gleichen Unternehmen gehört auch dieses Newsportal. Sehen Sie seine wichtigsten Aussagen im Video oben oder die Sendung in voller Länge am Schluss des Artikels.

Nicht er habe durch die Krise geführt, sagt der «Krisenmanager»

Als «Krisenmanager» ist Daniel Koch von der Berner Zeitung bezeichnet worden, er habe «die Schweiz durch die Krise geführt», schrieb nicht nur die NZZ am Sonntag. «Durch die Krise geführt hat der Bundesrat», stellt Daniel Koch klar, von Moderator Oliver Steffen darauf angesprochen. «Der Bundesrat hat die Entscheidungen getroffen und die erste Welle gemeistert.»

Und doch, die ganze Schweiz hat gelauscht, wenn Daniel Koch vor die Medien trat. Er habe sich wohl überlegt, was er sagen wolle, aber: «Ich bin nicht einer, der sich Notizen macht und das dann abliest.» Manchmal habe er hinterher schon gedacht, dass er etwas auch besser hätte formulieren können. Denn: «Ab und zu sind wir einfach zu kompliziert.»

Von Masken und Geschirr

Und es gab auch Kritik zu Kochs Aussagen. Etwa, weil dieser anfänglich nicht zum Tragen von Masken riet. An seiner Grundhaltung habe sich nichts geändert, sagt er heute: «Mit Masken allein löst sich das Problem nicht.»

Damals sei der Wissensstand gewesen, dass Masken nicht viel bringen würden, man habe Händehygiene und Abstandsregeln als wichtiger erachtet. «Es war nicht so, dass wir etwas verschweigen oder vormachen wollten.»

Kritik bringt auch Daniel Koch an. Etwa, dass die Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen «völlig verschlafen» worden sei. Oder dass die Mitglieder der wissenschaftlichen Taskforce in den sozialen Medien «sehr viel Geschirr verschlagen» hätten. «Da würde ich heute sicher versuchen, dass diese Meinungsverschiedenheiten nicht mehr in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.»

In der zweiten Welle habe es «einfach nicht mehr ‹gyyget›»

Am 27. Mai hatte Daniel Koch seinen letzten öffentlichen Auftritt. Darauf folgte ein recht sorgloser Sommer und bereits im frühen Herbst die zweite Welle. «Das ist ein bisschen eine Enttäuschung», sagt Koch. «Man hätte sicher einiges vorhersehen oder besser machen können.»

Was man denn hätte früher machen können, fragt Moderator Steffen. Koch: «Vor allem das Testen hat in der Schweiz nie gut funktioniert, das hätte man angehen müssen.» Andere Erdteile, wie beispielsweise Neuseeland, hätten die Pandemie besser bewältigt als Europa. Und: Während der zweiten Welle habe das Zusammenspiel von Bundesrat, Bevölkerung, Kommunikation und Technik nicht mehr so gut funktioniert. «Es hat einfach nicht mehr ‹gyyget›.»

Zu früh für eine Bilanz, dafür gibt Koch eine Prognose ab

Eine Bilanz ziehen aus dem zweiten Halbjahr 2020 mag Daniel Koch aber nicht. «Dafür ist es noch zu früh.» Immerhin einen Blick in die Zukunft wagt er: «Dieses Virus wird nicht einfach verschwinden und wahrscheinlich wird die Menschheit einfach damit leben müssen, so wie mit vielen anderen Viren auch. Aber ich bin überzeugt, das wird bereits im Sommer sehr viel leichter sein und nach dem nächsten Winter wird Corona nicht mehr das grosse Thema sein.» (smo)

Die Sendung «TalkTäglich» mit Daniel Koch in voller Länge:

Daniel Kochs «Corona-Karriere» in Bildern:

Daniel Koch rückte Anfang März erstmals in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Schnell wird er zum "Mister Corona".
17 Bilder
Mit seiner sachlichen Art und seinen trockenen Sprüchen eroberte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer.
Ein Farbtupfer inmitten der Tristesse. Koch sorgte mit seinen Krawatten immer wieder für Aufsehen.
Gut vorbereitet führte er durch die Medienkoneferenzen. Ab und an musste er aber doch zu seinen Notizen greifen.
Einsatz vor Ort: Daniel Koch, bei einem Besuch im "Drive-In"-Testcenter in Luzern.
Eine Szene wie aus einem Agentenfilm. Bundesrat Alain Berset (links) und Daniel Koch schreiten zur Tat.
Der alte Mann und die Medienkonferenz: Koch bereitet sich in Ruhe auf seinen Auftritt vor.
Desinfektionsmittel sind ein Muss: Immer wieder demonstrierte Koch das Händewaschen.
Die Journalisten stellen Fragen, Koch antwortet. Ein vertrautes Bild aus Zeiten der Krise im Frühling.
Die Krise nahm er stets mit Humor - immer wieder sorgte Daniel Koch für Lacher.
Nicht nur Bundesrätin Simonetta Sommaruga verneigte sich vor Daniel Koch, der die Schweiz durch die Krise führte.
Ende Mai endete mit seiner Pension eine Ära: Daniel Koch verlässt das Medienzentrum nach seiner letzten Medienkonferenz.
Trotz Pension lebt der Hype weiter. So wurde Koch im Sommer als Pappfigur im Zürcher Letzigrund aufgestellt.
Personenkult: Der Urner Peter Bissig aus Isenthal haute ein Portrait aus einem Stück Lindenbaum.
Auch im Ruhestand bleibt Koch nicht untätig: Er ist Botschafter für die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft.
Seine Meinung ist nach wie vor gefragt:Daniel Koch spricht mit Moderatorin Maria Victoria Haas zu Corona und Kommunikation, am SwissMediaForum, 6. November 2020 im Lake Side Zürich.
Auszeichnung für besonders beachtenswerte Leistungen: erhält Anfang Dezember die Arosa Humorschaufel. Im Bild mit Frank Baumann, Direktor des Arosa Humorfestivals.

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Keystone