Da warens nur noch sechs

Da warens nur noch sechs

In der FDP liegt Schneider-Amman hinten – Fehr holt in der SP auf. Rime verliert hingegen an Boden. Ein Überblick über die sechs Kandidaten, die noch im Rennen sind.

Tobias Gafafer, Simon Fischer, Christof Forster, Gieri Cavelty

Das Augenfälligste waren die roten Ohren. Und die hatten sämtliche Kandidaten gestern miteinander gemein. Selbst der welterfahrende Industrielle und FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann konnte dieses untrügliche Zeichen für Nervosität und Prüfungsstress beim Verlassen des FDP-Fraktionszimmers nicht verbergen.

Und tatsächlich gab es für den 58-Jährigen gestern Grund zur Verunsicherung: Den ersten Platz auf dem Zweierticket erhielt nicht er, sondern die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter. Die 46-Jährige wurde im dritten Wahlgang mit 23 von 45 Stimmen gewählt. Schneider-Ammann wurde im ersten Wahlgang für das zweite Ticket nominiert.

Selbst eingefleischte Anhänger Schneider-Ammanns wie der Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker zeigten sich von Keller- Sutters Auftritt vor der FDP-Fraktion begeistert. Die Justizdirektorin soll auch jenseits ihrer Dossiers sattelfest gewesen sein. Noch dazu habe sie mit ihren Sprachkenntnissen brilliert.

Schneider-Ammanns Auftritt dagegen sei streckenweise allzu fad ausgefallen. Womöglich entpuppt sich diese Tendenz zur Zurückhaltung am entscheidenden 22. September allerdings als die entscheidende Stärke des Berners. Etwas weniger bescheiden gab sich Schneider-Ammann ausserhalb des Bundeshauses: Direkt vor dem Eingang wartete sein Fahrer mit schwarzer Limousine - gleich hinter jener von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey.
Fässler abserviert.

Und ja: Auch Hildegard Fässler trat nach dem Hearing mit glühenden Ohren aus dem Fraktionszimmer ihrer SP-Genossen. Dabei soll es sich die St. Galler Nationalrätin bei ihrem Auftritt vor den Genossen eher leicht gemacht haben. So jedenfalls schilderten mehrere SP-Nationalräte Fässlers halbstündigen Auftritt. Fraktionspräsidentin Ursula Wyss formulierte es vorsichtiger: «Bei Simonetta Sommaruga und Jacqueline Fehr hat man den Willen am meisten herausgespürt, dass sie das Amt wirklich wollen.» Dennoch: Die Deutlichkeit, mit welcher Fässler abserviert wurde, war frappierend.

Und das kam so: Für den ersten Platz auf dem Zweierticket brauchte es fünf Wahlgänge, dann endlich war die Berner Ständerätin Sommaruga mit 26 von 51 Stimmen als Kandidatin bestimmt. Fürs zweite Ticket benötigte es nur noch einen Wahlgang - und die Winterthurer Nationalrätin Fehr war mit 24 Stimmen nominiert. Fässler und die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog erhielten in dieser Runde je 11 Stimmen. Recherchen dieser Zeitung zeigen nun: Fehr wurde weniger deswegen so rasch als Nummer zwei auf den Schild gehoben, weil sie in der Fraktion derart viele Sympathien geniesst.

Mindestens ebenso sehr geht es einigen Fehr-Wählern um ihre Antipathien gegen Sommaruga. Die Fraktionslinke hatte sich vor der gestrigen Sitzung abgesprochen und war übereingekommen: Mit einer Kandidatin Fehr lasse sich die Wahl Sommarugas wohl am besten durchkreuzen.

CVP-Rechte verlassen Rime

Auch in den Reihen der FDP wird Fehr als eine Art Anti-Sommaruga gehandelt: Die Anhänger des Berners Schneider-Ammann könnten auf die Zürcherin setzen, um zu verhindern, dass bereits eine Bernerin gewählt wird.
Klar in Richtung Schneider-Ammann tendierte das Pendel gestern in der CVP.

Die Fraktion beschloss zwar, dass sie auch die Kampfkandidaten von SVP und Grünen anhören wolle. Allerdings ist man beim rechten Flügel der CVP vom Plan abgekommen, dem SVP-Mann Jean-François Rime die Stimme zu geben. Rime wurde gestern von seiner Fraktion zum Kandidaten gekürt.

Nominiert haben auch die Grünen: Sie schicken die Solothurner Nationalrätin Brigit Wyss ins Rennen. Ursprünglich wollte die Partei zwar zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, zog die Wahl aber kurzerhand vor. Aus einem einfachen Grund: Auf diese Weise kam Wyss gestern zu einem Auftritt in der «Arena» des Schweizer Fernsehens. Eine willkommene Plattform für die wohl aussichtsloseste Kandidatin im Bewerberfeld.

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