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CVP-Präsident Pfister gewinnt die Christentum-«Arena» gegen Frevler Wermuth und Wobmann

Ein Priester lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, er verliert das Wesentliche nie aus den Augen, wiederholt stets ruhig seine Dogmen. Dies gelingt in der SRF-«Arena» zum Thema «christliche Werte» vor allem CVP-Chef Gerhard Pfister. Ein Heiliger ist er nicht, aber überzeugend.

Rafaela Roth
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CVP-Präsident Pfister ist gut vorbereitet.

CVP-Präsident Pfister ist gut vorbereitet.

Screenshot SRF

Walter Wobmann hatte keinen einfachen Freitagabend. Erst verzögerte er den Aufzeichnungsbeginn der Politsendung «Arena» zum Thema «Das heilige Land» um 40 Minuten weil er im Stau stand, bei der Diskussion liess er sich dann von Wermuth dermassen provozieren, bis er nicht mehr antworten wollte und beim Znacht danach wurde er auch noch von einem Zuschauer gerüffelt, weil der Autofan für die Anreise nicht einfach den Zug genommen hatte.

Obwohl der Initiant der Burka-Initative immer wieder zu betonen versucht, dass es ihm bei der Initiative einfach um das Verbot von Gesichtsverhüllungen geht – weil man in einem freiheitlichen Land einander ins Gesicht schaut – kauft man Wobmann nicht ganz ab, dass es ihm nicht vor allem um den Islam geht.

Genauer genommen, dreht sich die ganze «Arena» immer und immer wieder um den Islam, die Burka, Minarette, den Terror. Trotz mehrmaliger Interventionen kann Moderator Jonas Projer die Teilnehmer nicht dazu bringen, doch endlich über christliche Werte zu sprechen.

Die zentrale Frage zum Thema Burka wurde dann aber auch nicht beantwortet. Leider. Sie kam von SP-Nationalrat Cédric Wermuth und lautete sinngemäss: Lösen Verbote tatsächlich die Probleme mit radikalen Strömungen oder machen sie sie nur noch schlimmer? Zu diesem Zeitpunkt ist Wobmann aber schon zu genervt, um zu antworten. Er holt zum Seitenhieb gegen Wermuth aus: Er schaffe es wenigstensn Initiativen zu gewinnen! Wo er recht hat ... – überzeugen Sie sich selber:

Wermuth spart in dieser Sendung aber auch nicht mit Angriffen auf Wobmann. Im ersten Teil der scheint er ihn komplett zu ignorieren und wirft bloss CVP-Präsident Pfister vor, überhaupt neben Wobmann zu stehen, dann erklärt er dem SVP-Nationalrat, dass er «nur Seich» rede, Horrorszenarien entwerfe und scheinheilige Politik betreibe.

Das heftige Provozieren und die Vermischung von so manchen Themen entwickelten sich für Wermuth zum Problem in dieser christlichen «Arena». Der SP-Nationalrat nennt IZRS-Präsident Nicolas Blancho im öffentlich-rechlichten Fernsehen einen «Vollidiot» und vermischt munter Islamdiskussion und Unternehmenssteuerreform III.

Da Wermuth und Wobmann zu laut poltern, kann dann vor allem Gerhard Pfister glänzen. Ob er das christliche C von CVP wirklich im Herzen trägt, wird nebensächlich, weil er sich geschickt zwischen den Polen positioniert.

Der gut vorbereitete CVP-Präsident entlarvt die SP, aus feministischen Gründen selber gegen die Burka zu sein, grenzt sich von der SVP ab, in dem er sich zu den Völkerrechten bekennt, kontert ruhig aber bestimmt den Vorwurf einen Religionskrieg anzetteln zu wollen, betont, dass die Schweiz ihren Wohlstand christlichen Werten zu verdanken habe und gibt sich als Volksversteher:

«In der Schweiz dürfen Menschen glauben was sie wollen, aber nicht tun was sie wollen», diese Keymessage wiederholt Pfister so lange, bis es hängen bleibt und man glauben möchte, dass Verbote nicht der Freiheit widersprechen. BDP-Fraktionschefin Rosmarie Quadranti beeilt sich dann jeweils zu erklären, dass Burka-Verbote reine Symbolpolitik sind.

Neben den Politikern ist das Volk in die «Arena» eingeladen. Immer wieder kommen Menschen aus dem Publikum zu Wort. Am meisten sticht Alexander Weibel heraus, der wohl am ehesten das sagt, was Schweizer denken, die tatsächlich noch gläubig sind: «Mehr christliche Werte wären wünschenswert in der Regierung», sagt Weibel, da sie dann seiner Meinung nach eher geprägt von Gerechtigkeit und Nächstenliebe wäre. «Und dann würde man», sagt Weibel mit Seitenblick zu Wobmann und Pfister «nicht die Entwicklungshilfe kürzen und Menschen in Not, die zu uns flüchten, helfen».

Neben den Publikumsvoten sorgen die beiden Experten für angenehme Momente. So wie Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, der sich weniger Raum für Radikalisierung erhofft, wenn die Schweiz den Islam endlich wie das Judentum anerkennen würde. Das Schlusswort gehört dann der Jüdin Nicole Poëll, Präsidentin der Plattform der Liberalen Juden Schweiz, die mit einer kleinen Anekdote über die Liebe, die über Religionsgrenzen hinweg schauen kann, alle zum Lächeln bringt.