Auf de Buman entfielen 160 von 179 gültigen Stimmen. Das ist über die Jahrzehnte gesehen ein durchschnittliches Resultat. Der abtretende Präsident, der Zürcher SVP-Nationalrat Jürg Stahl, war vor einem Jahr auf 157 von 172 Stimmen gekommen.

"Welch ein Privileg, seinen Kollegen und der Schweizer Bevölkerung zu dienen! Welche Emotion!", sagte de Buman zu Beginn seiner Antrittsrede. Er bedankte sich insbesondere bei den Bürgern des Kantons Freiburg, der CVP-Fraktion sowie seiner Familie und Wegbegleitern.

Bei Stahl bedankte sich de Buman ebenfalls. Dieser habe im vergangenen Jahr die Debatten "mit Strenge und Menschlichkeit" geführt. Er habe grossen Respekt vor der Aufgabe. Ziel müsse es als Parlamentarier sein, vermehrt auf das Volk zu hören.

In seiner Rede nahm de Buman auch auf die politischen, kulturellen und geografischen Unterschiede in der Schweiz Bezug. "Die Nachhaltigkeit unserer Institutionen hat uns ermöglicht, im Geiste einer Willensnation eine schweizerische Identität zu entwickeln." Auch im Parlament gelte: "Einer für alle, alle für einen."

Ein Freund des Jazz

De Bumans Antrittsworte waren nicht zufällig gewählt. Der 61-Jährige setzt sich immer wieder für die sprachlichen Minderheiten im Land ein. Er gilt als Draufgänger und auch als Kommunikator. National im Fokus steht de Buman mit seinen Mandaten als Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands und als Präsident der Seilbahnen Schweiz.

De Buman hat ein moderates Profil, das dem sozialen Flügel der Christlichdemokraten entspricht. Zuweilen ficht er alleine gegen den liberalen Flügel der CVP.

Die musikalische Darbietung, die de Bumans Wahl umrahmte, war dagegen eine Teamleistung. Das Ensemble 4 G(enerations) Jazz Group interpretierte die Songs "Now's The Time" von Charlie Parker, "Lyoba" von Joseph Bovet sowie "JazzYY" von Yvan Ischer.

Grosse Exekutiverfahrung

De Buman sitzt seit 2003 im Nationalrat. Vorher war der Freiburger Gemeinderat, Grossrat, Stadtpräsident und auch schon politischer Sekretär und Fraktionspräsident seiner Kantonalpartei sowie Vizepräsident der CVP Schweiz. 2001 präsidierte er den Grossen Rat.

Er war ehemals Mitglied der Geschäftsprüfungskommission und der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Seit 2005 sitzt er in der Wirtschaftskommission. Daneben ist er Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Armenien und der lateinischen parlamentarischen Gruppe für Konsumfragen.

Viele Aufgaben zu meistern

De Buman ist der 25. CVP-Politiker und der fünfte Vertreter des Kantons Freiburg auf dem Stuhl des Nationalratspräsidenten. Die letzte Freiburger Vertreterin im Amt war Thérèse Meyer, die im März 2005 ihren krankheitshalber zurückgetretenen Genfer CVP-Kollegen Jean-Philippe Maitre während des Präsidialjahres ersetzte.

Bis zum Beginn der Wintersession 2018 leitet de Buman nun die Sitzungen der grossen Kammer, legt im Rahmen der Sessionsplanung die Tagesordnung des Rates fest, leitet das Ratsbüro und vertritt den Rat gegen aussen. Der Nationalratspräsident wird häufig als höchster Schweizer bezeichnet, besetzt jedoch in der vom Bundesrat festgelegten offiziellen protokollarischen Rangordnung nur den vierten Rang.

Zur ersten Vizepräsidentin wählte der Nationalrat Marina Carobbio. Die Tessiner SP-Vertreterin kam auf 154 von 179 Stimmen. Sie dürfte in einem Jahr de Buman als Präsidenten ablösen. Als zweite Vizepräsidentin amtet die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret. Die Vizes unterstützen den Ratspräsidenten und nehmen mit ihm Präsidiumsaufgaben wahr.