Wahlen 2019

CVP auf Kurs, Grüne legen zu, Frauen holen auf – fünf Erkenntnisse aus den Ständeratswahlen

So fasst unser Karikaturist Silvan Wegmann die Wahlen 2019 zusammen.

So fasst unser Karikaturist Silvan Wegmann die Wahlen 2019 zusammen.

In 14 Kantonen kommt es bei den Ständeratswahlen zu einem zweiten Wahlgang. Die Machtverhältnisse dürften sich kaum verschieben.

1. Roger-Köppel-Show bringt keinen Sitz

Roger Köppel hat neue Massstäbe gesetzt. Der SVP-Nationalrat klapperte sämtliche 162 Zürcher Gemeinden ab. Während des Wahlkampfmarathons ritt der «Weltwoche»-Chef heftige Attacken gegen die bisherigen Amtsträger Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP).

Doch mit 107 528 Stimmen landete er auf dem dritten Platz, mehr als 30 000 Stimmen hinter Noser und fast 100 000 Stimmen hinter Jositsch, der in der ersten Runde gewählt wurde. Köppel wird am Donnerstag mitteilen, ob er nochmals antritt. SVP-Kantonalpräsident Patrick Walder wertete es als Erfolg, Noser in die zweite Runde gezwungen zu haben.

2. Die CVP dürfte die stärkste Kraft bleiben

Im Nationalrat hat die CVP besser abgeschnitten, als es die Umfragen erahnen liessen. Im Stöckli bleiben die Christdemokraten eine Macht. Im ersten Durchgang haben acht Kandidaten und Kandidatinnen einen Sitz erobert. In vielen Kantonen, etwa Luzern, Wallis oder St. Gallen, steigen die CVP-Exponenten mit viel Rückenwind in den zweiten Wahlgang.

Das gute Abschneiden ist Balsam auf die Seele der CVP, die im Nationalrat von den Grünen überholt worden ist. Im ersten Wahlgang hat die FDP nach der CVP mit sieben gewählten Kandidaten am zweitbesten reüssiert. Die SVP folgt mit 4 Vertretern auf Rang drei. Darin miteingerechnet ist der parteilose Schaffhauser Thomas Minder, der in der SVP-Fraktion politisiert.

Blickt man auf die Ergebnisse in den Kantonen, in denen ein zweiter Wahlgang bevorsteht, deutet wenig auf grosse Veränderungen beim Kräfteverhältnis hin. CVP, FDP und SVP dürften weiterhin über eine relativ komfortable Mehrheit verfügen. Im linken Lager könnten Sitzgewinne der Grünen potenzielle Verluste der SP kompensieren.

3. Politische Schwergewichte müssen nochmals antreten

Nach dem ersten Wahlgang sind 24 von 46 Sitzen besetzt. In 14 Kantonen kommt es zu einem zweiten Wahlgang. Der Prominenten- und Bisherigenbonus ist keine Garantie für das Absolute Mehr in Durchgang eins. Diverse politische Schwergewichte, allen voran SP-Präsident Christian Levrat (FR), muss sich den Wählern nochmals stellen.

In die zweite Runde müssen etwa auch der Tessiner CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi, Roberto Zanetti (SP, SO), Benedikt Würth (CVP, SG) oder Paul Rechsteiner (SP, SG). Im Vergleich zu ihren Gegnern haben sie indes allesamt ausserordentlich gut abgeschnitten.

4. Die Grünen sind in einem historischen Hoch

In der Kleinen Kammer hielt bis jetzt der Genfer Robert Cramer als Einziger das Fähnlein der Grünen aufrecht. Nach dem Wahlsonntag steht fest: Auch im Ständerat profitieren die Grünen von der politischen Grosswetterlage. Im Kanton Glarus hat Anwalt Mathias Zopfi überraschend Werner Hösli (SVP) verdrängt. Im Kanton Neuenburg entriss Céline Vara der SP den Sitz des zurückgetretenen Didier Berberat.

Genau vor einem Jahr – die Klimadebatte beherrschte Schlagzeilen noch nicht mit gleicher Wucht wie heute – betitelte die Zeitung «Tribune de Genève» die Grünen als «aussterbende Spezies» in der Kleinen Kammer, weil Cramer als einziger Vertreter seinen Rückzug bekannt gegeben hatte. Präsidentin Regula Rytz zeigte sich besorgt.

Jetzt hat sie als Drittplatzierte im ersten Wahlgang im Kanton Bern intakte Chancen, künftig selber im Stöckli zu wirken. Derweil schwangen Lisa Mazzone in Genf und Adèle Thorens im Kanton Waadt in Durchgang eins sogar obenaus. Läuft es optimal, ergattern die Grünen fünf Sitze – so viele, wie noch nie.

5. Die Frauen legen nach Rückschlägen wieder zu

Der Ständerat ist eine Männerbastion. Lediglich sieben Frauen politisieren derzeit im exklusiven Club der Standesvertreter. Als einzige Amtsinhaberin behauptete Brigitte Häberli (CVP, TG) ihren Sitz. Im ersten Wahlgang haben insgesamt zwar erst fünf Frauen, darunter die Regierungsrätinnen Eva Herzog (BL, SP) und Heidi Z'graggen (CVP, UR), den Sprung in die Kleine Kammer geschafft.

In vielen anderen Kantonen haben sich die Frauen aber eine gute Ausgangslage geschaffen. Im Kanton Luzern etwa hat Andrea Gmür (CVP) beste Chancen, das Mandat von Parteikollege Konrad Graber zu übernehmen. Läuft es optimal, erreichen die Frauen elf Sitze wie letztmals im Jahr 2003. Die überparteiliche Kampagne «Helvetia ruft» scheint also zu fruchten.

Eine negative Überraschung erlebte Beatrice Simon. Die Berner BDP-Regierungsrätin landete nur auf Platz vier – deutlich hinter Hans Stöckli (SP). Regula Rytz (Grüne) und Werner Salzmann (SVP).

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